
Eiderstedt, 400 Quadratkilometer große Halbinsel bzw. Landschaft, Südteil des Kreises
Nordfriesland. Eiderstedt ist in seinem Kern uraltes Marschland. Ausnahme ist der etwa 6 000
Jahre alte Strandwall, die alte Küste Eiderstedts, die sich von Garding nach St. Peter zieht und
dort in den einzigen Festlandsdünenkomplex Nordfrieslands übergeht. Prägend sind die
baumbestandenen Warften zwischen ausgedehnten Grünländereien, die zu 70 Prozent die
Wirtschaft bestimmen. Die frühere Ochsenmast wurde durch Milchwirtschaft und Bullenmast
abgelöst. Auf den Äckern wächst vor allem Raps und Weizen. Eiderstedt hat bei genauer
Betrachtung nach wie vor amphibischen Charakter. 1 500 Hektar schilfbewachsene Gräben
und Sielzüge, unzählige Tränkekuhlen, Wehlen, Späthinge und etwa 600 Hektar alte
Priele, die im Winter immer noch überlaufen, beweisen den Wasserreichtum. Früher führte
der Verkehr über weite Teile des Jahres über Sielzüge wie die Norder- und Süderbootfahrt
und mitten in Eiderstedt gab es Häfen. Heute sorgen 30 Siele, elf Schöpfwerke und 900
Kilometer Vorfluter für eine ordentliche Entwässerung. Die Landschaft Eiderstedt wird
auch durch ihre Kirchen geprägt. 18 Gotteshäuser verteilen sich auf der Halbinsel, darunter
die alten Hauptkirchen der drei Harden: Tating (Utholm), Garding (Everschop) und
Tönning (Eiderstedt).
Eiderstedt galt aufgrund seiner jahrhundertealten, von der Landesherrschaft immer aufs Neue
bestätigten Privilegien "fast als kleine Republik". Die Landschaft regelte ihre rechtlichen
Angelegenheiten weitgehend selbst, wobei allerdings allein die größeren Landbesitzer ein
Mitspracherecht hatten. Fruchtbarer Marschboden brachte diesen Land besitzenden Bauern
nicht zuletzt durch Viehmast über lange Zeit sicheren Wohlstand. Darin und vor allem auch in
der über lange Zeit weitgehend selbständig gehandhabten Verwaltung von Deichbau und
Küstenschutz wurzelt das bis heute immer wieder anklingende starke Selbst- und
Eigenbewusstsein der Eiderstedter.
Oberster Beamter war der Staller, der zwar vom Landesherren eingesetzt, aber - gemäß
dem 1590 erlassenen Stallerprivileg - von der Landschaft vorgeschlagen wurde. Ein
bedeutender Staller war Caspar Hoyer, der in den Jahren 1591 bis 1594 das Herrenhaus
?Hoyerswort bei Oldenswort errichten ließ.
An der Spitze des Kirchspiels standen zumeist zwei Lehnsmänner, die ursprünglich frei
gewählt wurden. Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts nahm die staatliche Einflussnahme zu.
Von nun an wählte der herzogliche Oberbeamte aus vier Vorschlägen den Lehnsmann.
Höchstes Organ der Landschaft war die Landesversammlung. Sie bestand zunächst aus je
zwölf Ratmännern der drei Harden, seit 1701 sodann aus dem ältesten Lehnsmann aus jedem
Kirchspiel, je einem Vertreter der Städte Garding und Tönning, den beiden
Landespfennigmeistern und dem Landsekretär. Die Landespfennigmeister zogen die Steuern
ein, führten die Geschäfte der Landschaft und leiteten die Landesversammlung. Der
Landsekretär fungierte als Schriftführer, außerdem als Rechtsberater und Anwalt der
Landschaft. Die Interessen des Landesherrn in der Landschaft vertrat der Staller, der auch als
Direktor der Landgerichte in Garding und Tönning, zeitweilig als höchster Deichbeamter und
Leiter der herzoglichen Finanzverwaltung wirkte sowie die oberste Polizeigewalt ausübte.
Seit dem "Stallerprivileg" von 1590 besaß die Landschaft ein Vorschlagsrecht. Nachdem von
1736 an der Amtmann von Husum zugleich als Oberstaller von Eiderstedt wirkte, verstärkte
die Landschaft ihren Einfluss auf das Stalleramt, dessen Zuständigkeiten und Ansehen aber
mehr und mehr abnahmen. Weitere herzogliche Beamte waren die beiden Landschreiber, der
Landschaftsphysikus und die Waagemeister in Garding und Tönning. Das wichtige Amt des
Deichgrafen wurde für Eiderstedt 1625 geschaffen. Die Landschaft sicherte sich ein
Vorschlagsrecht und übernahm auch die Besoldung, so dass sie den Deichgrafen als Organ
der Selbstverwaltung ansehen konnte.
Auch nach dem Übergang an Preußen und Deutschland wahrte Eiderstedt seine Identität. Der
1867 gebildete Landkreis blieb fast durchgängig bis zur Gebietsreform von 1970 der kleinste
in der preußischen Provinz bzw. im Bundesland Schleswig-Holstein, und bis zur
beschlossenen Kirchenstrukturreform bildet es den kleinsten Kirchenkreis der Nordelbischen
Kirche. Die wirtschaftliche Bedeutung der Halbinsel ist allerdings durch den Strukturwandel
und den Einzug der Moderne erheblich zurückgegangen.
Die Landschaft Eiderstedt besteht aus den drei alten Harden Eiderstedt, Everschop und
Utholm, die in der Zeit vom 12. bis zum beginnenden 16. Jahrhundert durch Deichbauten
gesichert sowie miteinander und mit der festländischen Geest verbunden wurden. Die
Hauptorte sind Garding im Westteil und Tönning im Ostteil, die beide 1590 von Herzog
Johann Adolf von Gottorf das Stadtrecht erhielten. An der Westküste der Halbinsel liegt der
Ferienort Bad Sankt Peter-Ording.
In Tönning, das sich als Tagungsort der Landesversammlung zur eigentlichen "Hauptstadt"
Eiderstedts entwickelte, wurde 1581 bis 1583 ein herzogliches Schloss errichtet. Mitte des
17. Jahrhunderts wurde die Stadt zur Festung ausgebaut. Hier erlitt das Gottorfer Herzogtum
schließlich 1713 seine entscheidende militärische Niederlage im Nordischen Krieg. In der
Folge wurde das Tönninger Schloss abgerissen.
Den Namen hat Eiderstedt von der Eider. Der Fluss scheidet nicht nur Nordfriesland von
dem einst feindlichen Dithmarschen. Bis zum Beginn der preußischen Herrschaft 1864 war
er auch die Grenze zwischen dem dänischen und dem deutschen Staatsverband.
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