Helgoland

Helgoland ist Deutschlands einzige Hochseeinsel. Sie gehört zwar verwaltungsmäßig zum Kreis Pinneberg, von der Sprache und Kultur her aber zu Nordfriesland. Die isolierte Lage weit draußen in der Deutschen Bucht hat zu einem besonders ausgeprägten Eigenständigkeitsgefühl der Helgoländer geführt. Nach keiner Seite hin ist festes Land in Sicht. In ihrer friesischen Sprache, dem Halunder, nennen die Helgoländer ihre Insel einfach "deät Lun", das Land.
Die etwa zwei Quadratkilometer große, heute von etwa 1 700 Menschen bewohnte Insel besteht aus dem bis zu 61 Meter hohen "Oberland" aus Buntsandstein und dem künstlich vorgeschütteten "Unterland". Anderthalb Kilometer östlich liegt die als Badestrand dienende "Düne", ursprünglich ein Kalkfelsen, dessen Verbindung mit der Hauptinsel im 18. Jahrhundert zerstört wurde. "Grün ist das Land, Rot ist die Kant, Weiß ist der Strand. Das sind die Farben von Helgoland."
Das Meer mit Fisch- und Hummerfang, Lotsenfahrt, Bergung von Strandgut bildete von jeher die Existenzgrundlage der Helgoländer. Lange Zeit bot die Insel einen Unterschlupf für Piraten, die es auf den Hansehandel abgesehen hatten. Klaus Störtebekers "Vitalienbrüder" wurden hier 1402 dingfest gemacht.
Seit der Gründung des Seebades 1826 entwickelte sich der Fremdenverkehr zur wichtigsten Einnahmequelle. Rund 5 000 Tagesgäste werden im Sommer gezählt. Die einzigartige Natur des roten Felsens mit der weißen Düne zieht sie hierher - ebenso wie die Möglichkeit zollfreien Einkaufs.
Die friesische Insel gehörte zum Herzogtum Schleswig bzw. zu Dänemark, gelangte aber 1807/14 zu Großbritannien. Hier schrieb der deutsche Dichter Heinrich Hoffmann von Fallersleben 1841 das "Lied der Deutschen", das später zur Nationalhymne wurde. Erst 1890 erwarb Deutschland die Insel durch den Helgoland-Sansibar-Vertrag. Zweimal wurde sie zur Festung ausgebaut, und zweimal mussten die Helgoländer ihre Heimat verlassen. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde sie von englischen Flugzeugen vollständig verwüstet und diente jahrelang als Bombenziel. Von 1952 an durften die Helgoländer auf ihre Insel zurückkehren.


Friesische Straßennamen auf Helgoland und ihre Bedeutung:
Bi de Boak: "an der Bake"; de Boak = die Bake, der alte viereckige Leuchtturm, auf dem ein Kohlefeuer (Blüse) unterhalten wurde.
Bi de Spukkerbuud: "am Spukschuppen"; spukke = spuken; Buud = Bude, Schuppen.
Bop de Kark: "oberhalb/hinter der Kirche"; bop = oberhalb, hinter; Kark = Kirche.
Bop Stak: "oberhalb des/hinter dem Lattenzaun(s)"; bop = oberhalb, hinter; Stak = Lattenzaun, der früher das auf der Klippe weidende Vieh von den Häusern fernhalten sollte.
Dogger Goat: "Tordalkgasse"; Dogger = Tordalk (Vogelname); Goat = Gasse.
Fürrit Goat: "Junglummengasse"; Fürrit = junge Lumme; Goat = Gasse.
Happot Wai: "Seehasenweg"; Happot = Seehase; Wai = Weg.
Hingsgaars: eigentl. "Pferdegras, -weide", durch Übertragung die alte helgol. Bezeichnung für den Schulhof; Hings = Pferd; Gaars = Gras, Rasen.
Hölker Goat: "Strandschneckengasse"; Hölker = Strandschnecke; Goat = Gasse.
Iip de Suaat: "auf dem Brunnen"; iip = auf; Suaat = Brunnen.
Karkhiar-Spichal-Goat: "Pfarrer-Spichal-Gasse"; die bei der 1965 eingeweihten katholischen Kapelle Sankt Michael gelegene kleine Gasse erhielt auf Anregung von Pfarrer J. Bernhard den helgol. Namen nach seinem Amtsvorgänger Carl Spichal († 1984); Karkhiar = Pfarrer ("Kirchherr"); Goat = Gasse.
Koksen Goat: "Wellhornschneckengasse"; Koks = Wellhornschnecke; Goat = Gasse.
Kürt Wai: "Kurzer Weg"; kürt = kurz; Wai = Weg.
Lung Wai: "Langer Weg"; lung = lang; Wai = Weg, Straße.
Ool Komeedi Wai: "Weg am alten Theater"; ool = alt; Komeedi = Theater; Wai = Weg, Straße.
Om Was: "aach Westen"; om = um; Was = West.
Rekwai: "Rickweg"; Rek = Trockengestell; Wai = Weg, Straße.
Siisken Hörn: "Zeisigecke"; Siisk = Erlenzeisig; Hörn = Ecke.
Snep Goat: "Schnepfengasse"; die ziehende Waldschnepfe ist das "Hochwild" der Helgoländer Jäger; Snep = Schnepfe; Goat = Gasse.
Spriin Goat: "Starengasse"; Spriin = Star; Goat = Gasse.
Steanakker: "Steinacker"; Stean = Stein; Akker = Acker.
Störtebekers Hörn: "Störtebekers Ecke"; Klaus Störtebeker war Freibeuter und Anführer der Vitalienbrüder. Er wurde 1401 bei Helgoland gefangen genommen und in Hamburg hingerichtet; Hörn = Ecke.








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