Hörnum

(Hörnem; Hörn = Spitze) Die Gemeinde Hörnum im Amt Landschaft Sylt liegt an der Südspitze der Insel in rund 17 Kilometern Entfernung von Westerland. Auf einer Fläche von 600 Hektar leben 980 Einwohner (2008) und etwa 500 Zweithausbesitzer.
Die Flurbezeichnung Hörnum kannte bereits Muchel Madis, der in seiner Chronik von einem Schiffsuntergang "1571 ... vor Hörnum" berichtete. 1648 auch auf einer Karte von Johannes Mejer (1606-1674) als "Hornum" erwähnt, blieb die Südspitze der Insel noch lange Zeit unbesiedelt. "Auf Hörnum", wie die gesamte südliche Nehrung Sylts genannt wurde, lebten nur einige Fischer. Von 1765 bis etwa 1785 stand ein Haus in den Dünen beim Budersand. Es diente zur Bergung von Strandgut, gewährte z. B. 1771 einer herrschaftlichen Jagdgesellschaft Unterkunft und wurde bald darauf von Amrumern und Rantumern geschleift. 1787 waren nur noch die Grundsteine zu sehen. Das erste feste Gebäude entstand 1871 auf Veranlassung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger.
Erst 1901, als Hörnum mit seiner neuen Anlegebrücke für den HAPAG-Seebäderdienst Hamburg-Helgoland-Hörnum als Hafenort Bedeutung erhielt, kam Leben auf die Landzunge. Von nun an verkehrte auch die Inselbahn zwischen Hörnum und Westerland. 1906/07 wurde der Leuchtturm "Hörnum-Odde" errichtet und zwischen 1918 und 1933 auch die Schule darin untergebracht. Während der beiden Weltkriege galt der Ort als strategisches Ziel, das besonders zu verteidigen war. Für die Soldaten der Inselwache entstanden 1914 Baracken in den Dünen. Zur Vorbereitung des Zweiten Weltkriegs errichtete die Luftwaffe 1935 einen Seefliegerhorst und die militärische "Siedlung Hörnum". Viele Soldaten und Zivilbedienstete brachten ihre Familie mit nach Hörnum, die Bevölkerungszahl stieg sprunghaft auf über 1 000. Bald gab es Strom aus einem eigenen Kraftwerk. 1942 wurde der Ort an die Trinkwasserversorgung Westerlands angeschlossen.
1947 löste sich Hörnum von Rantum und wurde eigenständige Gemeinde. Zwei Jahre später erhielt sie das Prädikat Nordseebad und empfing bald einen regen Zustrom an Badegästen und Neubürgern. 1948 mussten die rund 1 400 Hörnumer kurzfristig über 2 000 Heimatvertriebene und Flüchtlinge in ihren Reihen aufnehmen. Auch rund 40 Helgoländer Familien hatten sich nach der Evakuierung ihrer Insel in Hörnum niedergelassen. 1960 wurde in den Dünen die Kersig-Siedlung errichtet. Die beiden Kirchen sind jüngeren Datums. 1962 entstanden die katholische Sankt Josef-Kirche und 1969/70 nach einem Entwurf des Niebüller Architekten Martin-Bernhard Christiansen auf einer Düne die evangelische Sankt Thomas- Kirche. Ihre eigenwillige Ausformung erinnert an ein Schiff mit gesetzten Segeln. Sie löste das "Norwegerhaus" ab.
Vom Hafen lassen sich Ausflugsfahrten zu den Halligen sowie nach Helgoland, Amrum, Föhr oder den Seehundsbänken unternehmen. Eine gute Aussicht auf die Inseln hat man von der 23 Meter hohen "Weißen Düne" südlich von Hörnum. Die größte Düne des Sylter Südens, der 32 Meter hohe Budersand, liegt nördlich des Hafens. Jährlich buchen etwa 50 000 Feriengäste ihren Urlaub in Hörnum.

Hubertus Jessel 1991, Kohl 1846, Leonhardt 1980, Pahl/Carstensen 1973, Quedens 2002, Rinken 1992, Schmidt-Eppendorf 1977.

Friesische Straßennamen in Hörnum und ihre Bedeutung:
Greth-Skrabbel-Wei: Benannt nach Greth Skrabbel; der Sage nach die Stammmutter des berühmten Petersen de Hahn-Geschlechts; Wai = Weg.
Gurtdeel: Flurname, "großes Dünental"; gurt = groß; Deel = Dünental.
Lorenz-de-Hahn-Wei: Lorens Petersen de Hahn (1668-1747) war der erfolgreichste Sylter Grönlandkommandeur und wurde später Strandinspektor; Wai = Weg.
Nielsglaat: Flurname, "Niels' Dünenschlucht"; Niels = ursprünglich dän. Personenname; Glaat = Dünenschlucht.
Odde-Wei: "Weg zur Landspitze"; ndt. Odde (sy. Or) = Landspitze; Wai = Weg.
Pidder-Lüng-Wai: "Pidder-Lüng-Weg"; Pidder Lüng, ein Sylter Volksheld, soll um 1470 auf Hörnum gelebt haben; vgl. dazu die Ballade von Detlev von Liliencron. Fries. Pi?er = Peter; lüng = lang; Wai = Weg.








Nordfriesland-Datenbank.de powered by NordfiiskInstituut.de

Nordfriisk Instituut

Impressum Haftungsausschluss