Morsum

(fries.: Muasem = "Siedlung des Mår") ist ein Ringdorf auf der Insel Sylt. Es setzt sich aus den durch Felder und Wiesen getrennten Ortsteilen Abort (Abuurt), Groß- und Klein- Morsum (Gurtmuasem, Litjmuasem), Holm, Klampshörn (Klaampshörn), Nösse (Nösi), Osterende (Uasterjen), Schellinghörn (Skelighörn) und Wall (Wal) zusammen. Morsum liegt im äußersten Osten der Insel am Übergang der Geest zur Marsch, woraus sich auch die landwirtschaftlich bedingte, verstreute Lage der Bauernhöfe erklärt. Auf Morsumer Gebiet befinden sich unzählige Grabhügel und archäologische Denkmäler. Es ist eine der am besten erhaltenen prähistorischen Kulturlandschaften in Schleswig-Holstein. Urkundlich erwähnt wurde Morsum 1462 im Zinsbuch des Bistums Schleswig. Bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts war es das bevölkerungsreichste Dorf auf Sylt, 1695 wurden 118 abgabepflichtige Häuser registriert. Seine besondere Bedeutung lag in der Landwirtschaft. Mitten in Groß-Morsum stand bis zur Aufhebung des Mühlenzwangs 1853 eine Bockmühle. Die spätromanische Kirche Sankt Martin gehört gemeinsam mit Sankt Severin in Keitum zu den sehr alten Gotteshäusern auf Sylt. Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde sie als Wehrkirche befestigt. 1836 erhielt Morsum sein erstes Schulhaus.
Im Nordosten liegt das zum Watt abfallende Steilufer Morsum-Kliff, das 1923 zusammen mit dem benachbarten Heidegelände unter Naturschutz gestellt wurde. Im Westen befindet sich die einzige auf Sylt erhaltene Grabhügel-Gruppe aus der Wikingerzeit. 1927, mit dem Bau des Hindenburgdamms, erhielt das Dorf Anschluss an die Bahn. Seit 1958 ist es Luftkurort. Als besondere Attraktion ließ der Hamburger Verleger Axel Springer Anfang der 1960er Jahre einen Golfplatz anlegen. Der Einzug des Fremdenverkehrs bedroht neben anderen Entwicklungen seitdem zunehmend die friesische Sprache, das Sölring, das sich in Morsum wohl am besten behaupten konnte. Die Morsumer Mundart weist gegenüber den anderen Inselorten besonders in der Aussprache einige Eigenheiten auf.
Seit 1970 gehört der 1 164 Hektar große Ort zur Gemeinde Sylt-Ost, seit 2009 zur Großgemeinde Sylt. Zwei Jahre später wurde Morsum an die Westerländer Wasserversorgung angeschlossen. 1980 legte man einen Freizeit- und Kurpark an, 1989 entstand das Kurhaus Muasem Hüs, das sich schnell als Veranstaltungsort der Morsumer Kulturfreunde etablierte. In den noch zahlreich vorhandenen alten utlandfriesischen Häusern siedelten sich Kunsthandwerker und Galerien an, die auch aus den Ferienzentren der Westküste lebhaften Besuch erhalten. Morsum hat etwa 1 260 Einwohner (2007).

Hoyme 1996, Hubertus Jessel 1989, Leonhardt 1980, Reichstein (Exkursion), Rinken 1992, Rögener 1999.


Friesische Straßennamen in Morsum und ihre Bedeutung:
Brenseeker: Flurname, Bedeutung unsicher; Eeker = Acker.
Deelgung: Flurname, "Talacker"; Deel = Tal; Gung, Nebenform von Wung = Ackerkomplex.
Dikwai: "Wallweg"; Wai = Weg; Dik = Deich, Steinwall.
Feskerdam: "Fischerdamm"; Fesker = Fischer; Dam = Damm.
Gaat: "Dorfgasse"; Gaat = Hohlweg, an dessen beiden Seiten die Grundstücke ansteigen.
Gungwai: "Ackerweg"; Gung, Nebenform von Wung = Ackerkomplex; Wai = Weg.
Gurtmuasem: "Groß Morsum"; gurt = groß; Muasem = Morsum.
Haawerlön: Flurname, "Haferland"; Haawer = Hafer; Lön = Land.
Heefstegelk: "Fußweg zum Wattenmeer"; Heef = Wattenmeer; Stegelk = Fußweg.
Heefwai: "Weg zum Wattenmeer"; Heef = Wattenmeer; Wai = Weg, Straße.
Hemtresker: Flurname, "Hammdriesch"; He(e)m = Hamm (von Gräben umgebene Marschwiese); Tresker (Mz.) = Drieschland (vorübergehend als Weide genutztes Brachland).
Hiir: Hiir/Hii? = Heide.
Hiirlön: Flurname, "Heideland"; Hiir/Hii? = Heide; Lön = Land.
Hooger Wal: "Ober-Wall"; Wall ist ein im Süden gelegener Dorfteil von Morsum; hooger = höher.
Jölbröch: Flurname, Bedeutung unsicher; Jöl eigentlich = Feuer (kommt hier aber kaum in Frage); Bröch = Brücke, auch: Steinpflasterung.
Katrevel: Salzwasserbach westlich des Ortsteils Wall; Kat = Katze; Rewel = Streifen (vgl. niederdt. Kattrepel).
Kialengung: Flurname, Bedeutung unsicher; Gung, Nebenform von Wung = Ackerkomplex.
Klaampshörn: "Schoberecke", Dorfteil im Nordwesten von Morsum; Klaamp = größerer Heu- oder Strohhaufen; Hörn = Ecke.
Liiger Wal: "Unter-Wall"; Wall ist ein im Süden gelegener Dorfteil von Morsum; liig = niedrig.
Litjmuasem: "Klein Morsum"; litj = klein; Muasem = Morsum.
Melnstich: "Mühlenweg"; Meln = Mühle; Stich = Weg, Straße.
Mere Hoog: "Grabhügel am Sumpf"; Meri = Sumpf, wässriges Land; Hoog = Grabhügel.
Niihooger: "neue Grabhügel"; nii = neu; Hooger = Grabhügel (Mz.).
Nösistig: "Weg nach Nösse" (Sylter Ostspitze); Nösi = Landzunge (vgl. -ness in Hallig Langeneß); Stich = Weg, Straße.
Nuurhörn: "Nordecke"; Nuur/Nuuð = Nord(en); Hörn = Ecke.
Ruar Ört: Flurname, "rote Wurt"; ruar = rot; Ört = Wurt, auf der Geest in der Bedeutung eingefriedeter Acker, meist in Dorfnähe.
Serkwai: "Kirchweg"; S?rk = Kirche; Wai = Weg.
Skelinghörn: Dorfteil von Morsum, eigentl. Skelig Hörn; Skeli(n)g = Bedeutung unsicher, evtl. von Skel = Muschelschale; Hörn = Ecke.
Terpstig: "Dorfstraße"; T?rp = Dorf; Stich = Weg, Straße.
Treskerstig: "Weg am oder zum Drieschland"; Tresker (Mz.) = Drieschland (vorübergehend als Weide genutztes Brachland); Stich = Weg, Straße.
Uasterhörn: "Ostecke"; Uaster- = Ost(er)-; Hörn = Ecke.
Uasterjen: "Ostende", Dorfteil von Morsum; Uaster- = Ost(er)-; Jen = Ende.
Üp Klef: "auf dem Kliff"; üp = auf; Klef = Kliff, Steilhang. ct








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