Nebel

(fries.: Neebel) Die Gemeinde mit den Ortsteilen Steenodde, Süddorf und Westerheide liegt an der Ostküste der Insel Amrum, etwa vier Kilometer nordwestlich der Hafenstadt Wittdün. Sie gehört zum Amt Föhr-Amrum. 1651 wurde Nyboll erstmals urkundlich erwähnt. Der Ortsname bedeutet „Neue Siedlung“. Eine menschliche Besiedelung lässt sich auf Amrum seit der Jungsteinzeit bezeugen. Bei Nebel liegt je ein Großsteingrab aus dieser Zeit knapp nördlich der Gemeindegrenze sowie im Süden. Herdstellen und Tongefäßscherben wurden am Klöwenhuuch gefunden. Aus der frühen Bronzezeit stammt eine rekonstruierte Steinkiste, die als Grab diente. Auch Urnenbestattungen aus der Eisenzeit lassen sich archäologisch nachweisen. Westlich der Satteldüne wurden Hinweise auf eine Siedlung aus der Zeit um Christi Geburt gefunden, beim „Haus Burg“ sind Reste einer mittelalterlichen Turmhügelburg erhalten. Seit dem 13. Jahrhundert existiert die reetgedeckte Sankt Clemens-Kirche, doch entstand eine Siedlung um die Kirche erst nach 1500. Auf dem Kirchhof sind Grabsteine mit „sprechenden“ Inschriften zu finden, die auch viel über die Zeit des Walfangs berichten, der im 17./18. Jahrhundert das Leben der Amrumer bestimmte. 1751 wurde das Pastorat von Norddorf nach Nebel verlegt. Aus dem Jahr 1771 stammt die sehenswerte Windmühle. 1889 gründete Kapitän Martin Quedens ein erstes Hotel in Wittdün, kurze Zeit später wurde an der Satteldüne bei Nebel ein Kurhaus errichtet. Damit begann Amrums Zeit als Seebad.
Heute leben 955 Einwohner (2008) in der 1 196 Hektar großen Gemeinde. Zehn landwirtschaftliche Betriebe nutzen 193 Hektar Land. In der heimlichen Hauptstadt der Insel befinden sich mit dem Altenzentrum, der Öömrang-Skuul, dem Kindergarten und dem Pastorat die wichtigsten Dienstleistungseinrichtungen. Im Öömrang-Hüs ist das Heimatmuseum angesiedelt. Fast alle Einwohner sind vom Fremdenverkehr abhängig, einige Handwerker sowie Arbeiter und Angestellte leben von der Kinderfachklinik „Satteldüne“, dem einzigen großen Arbeitgeber in Nebel. Die Klinik der LVA Schleswig-Holstein hat sich als Therapieeinrichtung für Mukoviszidose-Kranke in ganz Deutschland einen Namen gemacht.

Friesische Straßennamen in Nebel und ihre Bedeutung:
Böle-Bonken-Wai: Bandix Friedrich Bonken (1839-1926), genannt Böle = halligfries. „Onkel“, stammte von der Hallig Gröde. Er amtierte 27 Jahre lang als Lehrer und Küster auf Amrum und verfasste und übersetzte zahlreiche, vor allem religiöse Texte und Lieder in Friesisch; wai = Weg.
Feederhuugam: Flurname, „Grabhügel des Feeder“; Feeder = männlicher Personenname; huuch = Grabhügel; -am = Lokativ.
Hööwjaat: „Kirchweg“; hööw = Kirche, Gottesdienst; jaat = Dorfstraße.
Katterhugh: Die Bedeutung von Katter ist unsicher. Die Ableitung von kaater (Katzen) durch Vokalkürzung bleibt fraglich; huuch = Grabhügel.
Krümwai: „Krummer Weg“; krüm = krumm; wai = Weg.
Lungjaat: „lange Dorfstraße“; lung = lang; jaat = Dorfstraße.
Maalenstegalk: „kleiner Mühlensteig“; maln = Mühle; stegelk = kleiner Fußsteig.
Meeskwai: „kleiner Marschweg“; meesk = kleine Marsch (Verkleinerungsform von maask = Marsch); wai = Weg.
Noorderstrunwai: „Norderstrandweg“; strun = Strand; wai = Weg.
Oonwai: Flurname, „Andelgrasweg“; oon = Andelgras (Glyceria maritima); wai = Weg.
Poppenaanj: Flurname, Pop und Pöpk sind bekannte weibliche Personennamen. Hier könnte eventuell eine männliche Form Poppe plus Genitivendung zugrunde liegen; aanj = Ende.
Prästerstigh: „Pastorenweg“; prääster = Pastor; stich = Weg, Steig.
Rauegjaat: „Ruhige Dorfstraße“; rauag = ruhig; jaat = Dorfstraße.
Sanhughwai: Flurname, Deutung unsicher. Ein Zusammenhang mit san (= Sonne) ist unwahrscheinlich; wai = Weg.
Sateldünwai: Flurname; die deutsche Bezeichnung „Satteldüne“ ist falsch; Der Name geht wohl auf ein ursprüngliches saterdün zurück und bezeichnet die Düne als einen Sitzplatz; sat = sitzen; dün = Düne; wai = Weg.
Smääljaat: „schmale Dorfstraße“; smääl = schmal; jaat = Dorfstraße.
Smäswai: „Schmiedeweg“; smes = Schmiede; wai = Weg.
Söderjaat: „südliche Dorfstraße“; söder = südlich; jaat = Dorfstraße.
Stoltenberag: Flurname, Bedeutung unsicher; berag = Berg.
Strunwai: „Strandweg“; strun = Strand; wai = Weg.
Tanenwai: „Tannenweg“; tanen = Tannen; wai = Weg.
Ualaanj: Flurname, „altes Ende“; ual = alt; aanj = Ende.
Ualjaat: „Alte Dorfstraße“; ual = alt; jaat = Dorfstraße.
Uasterstigh: „Östlicher Weg“; uaster = östlich; stich = Weg, Steig.
Waasterstigh: „Westlicher Weg“; waaster = westlich; stich = Weg, Steig.
Waaswai: „Wattweg“; waas = Watt; wai = Weg.








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