Norddorf

(fries.: Noorsaarep) Die Gemeinde liegt im Norden der Insel Amrum, etwa sieben Kilometer Luftlinie entfernt vom Hafen Wittdün. Sie gehört zum Amt Föhr-Amrum. 1462 wurde Nortorp erstmals urkundlich erwähnt. Ein Großsteingrab westlich der Ortschaft zeugt von einer Besiedlung des eiszeitlichen Geestkerns seit der Jungsteinzeit. Im 17. Jahrhundert lebten kaum mehr als 200 Menschen auf der Insel, 147 starben 1629 an den Folgen der Pest. Die bald darauf beginnende hohe Zeit des Walfangs sorgte auch auf Amrum für deutlich verbesserte Lebensverhältnisse. Im 18. Jahrhundert lebten bereits über 600 Menschen in den drei Inseldörfern Norddorf, Nebel und Süddorf. Obwohl die Sankt Clemens-Kirche in Nebel steht, befand sich das Pastorat lange in Norddorf und wurde erst 1751 verlegt. Ab 1890 entwickelte sich Norddorf zum Seebad, als Pastor Friedrich von Bodelschwingh hier seine christlichen Seehospize gründete. 100 Jahre später wurden sie aufgelöst, ein Mutter-Kind-Heim der AOK ist Nachfolger. 1925 löste sich das Dorf aus der Gemeinde Amrum und wurde politisch selbstständig. 1956 wurde Norddorf das Prädikat Nordseeheilbad zuerkannt. Die landschaftliche Vielfalt reicht von Wald- und Heideflächen über Geest und Marsch bis zu Dünen und Kniepsand im Westen und dem Watt mit dem Wanderweg nach Föhr im Osten. 1936 wurde die gesamte Amrumer Odde, die Nordspitze der Insel, unter Naturschutz gestellt.
Heute leben rund 640 Einwohner (2008) auf einer Fläche von 590 Hektar. Zwei landwirtschaftliche Betriebe nutzen 135 Hektar. Haupterwerbsquelle ist der Fremdenverkehr. Hierfür stehen zahlreiche Einrichtungen, darunter ein Meerwasser-Schwimmbad in den Dünen, zur Verfügung. Die Theatergruppe TheNo führt ausschließlich Stücke auf Friesisch auf.

Friesische Straßennamen in Norddorf und ihre Bedeutung:

Bideelen: Flurname, „unten herum“, „bei der Niederung“; abgeleitet von dem Richtungsadverb deel = hinunter.
Blinjwai: „Blinder Weg“ (= Sackgasse); blinj = blind; wai = Weg.
Blöögam: Flurname, „bei den Block-Äckern“; blook (Pl. blöög) = gewölbter Acker; -am = Lokativ.
Boragwai: „Burgweg“; borag = Ringwall, Burg; wai = Weg.
Bräätlun: Flurname, „breites Land“; abgeleitet von briad = breit; lun = Land.
Degelk: Flurname, „kleiner Erdwall“; degelk ist die Verkleinerungsform von dik = Wall, Deich.
Dünemwai: „Dünenweg“; dün = Düne; wai = Weg.
Elwen Deemat: Flurname, „Elf ?Demat“ (1 Demat = 0,5 ha), altes Maß für die Fläche, die an einem Tag abgemäht werden konnte.
Faarderhuuch: Flurname, „entfernterer Grabhügel“; faarder = weiter entfernt (Komparativ von fiir = fern); huuch = Grabhügel.
Fleegamwai: Flurname, „Weg nach Fleegam“; Fleegam = wässriges, sumpfiges Dünental; wai = Weg.
Green Stich: „Grüner Weg“; green = grün; stich = Weg.
Guste’s Huk: „Gustes Ecke“; huk = Ecke.
Haag: „Gehäge, Verschlag“; ehemals sehr ärmlicher Dorfteil Norddorfs.
Halemwai: „Strandhaferweg“; halem = Strandhafer; wai = Weg.
Henershuuch: Flurname; abgeleitet von dem Personennamen Henner; huuch = Grabhügel.
Hiaswai: „Heideweg“; hias = Heide; wai = Weg.
Hoofstich: „Kirchweg“; hoof ist heute nur in der engeren Bedeutung von Friedhof bekannt; stich = Weg, Steig.
Knut-Jungbohn-Clement-Wai: Knudt-Jungbohn Clement (1803-1873) stammte aus Norddorf. Er war Historiker und Philologe sowie Mitbegründer der friesischen Sprachbewegung; wai = Weg.
Letj Jaat: „Kleine Dorfstraße“; letj = klein; jaat = Dorfstraße.
Letj Nuurd: „Klein Norddorf“, benannt nach einigen ärmlichen Hütten, die ehemals südlich von Norddorf auf der Heide standen; letj = klein; Nuurd = Norddorf.
Liach Taft: Flurname, „niedrige Toft“; liach = niedrig; taft = in unmittelbarer Hausnähe gelegener Weideplatz.
Lunstruat: „Landstraße“; lun = Land; struat = Straße.
Madelwai: „Mittelweg“; madel- = mittel-; wai = Weg.
Miadwai: „Wiesenweg“; miad = kommunales Wiesen-/Heuland; wai = Weg.
Naierhuuch: „Näher liegender Grabhügel“; naier = näher; huuch = Grabhügel.
Nei Stich: „Neuer Weg“; nei = neu; stich = Weg.
Oodwai: Flurname, „Oddeweg“; ood = Spitze, nördl. Spitze von Amrum; wai = Weg.
Postwai: „Postweg“; wai = Weg.
Sjüürenwai: „Föhrenweg“, sjüüren = Föhren (= Kiefern); wai = Weg.
Smeswai: „Schmiedeweg“; smes = Schmiede; wai = Weg.
Soorenhuuch: Flurname, „Dornenhügel“; von surn = Dorn abgeleitet. Vermutlich wuchs an dem Ort ein dorniges Gewächs; huuch = Grabhügel.
Stegelk: „Fußweg“; stegelk = Verkleinerungsform zu stich = Weg, Steig.
Strunwai: „Strandweg“; strun = Strand; wai = Weg.
Taft: Flurname, taft = aus der kommunalen Feldgemeinschaft ausgegrenztes Stück Land; altjütisch = tyft = unbebaute Hausstelle.
Triihuk: „Dreieck“; trii = drei; huk = Ecke.
Ual Jaat: „Alte Dorfstraße“; ual = alt; jaat = Dorfstraße.
Ual Saarepswai: „Alter Dorfweg“; ual = alt; saarep = Dorf; wai = Weg.
Uasteraanj: „Östliches Ende“; uaster = östlich; aanj = Ende.
Wäädenaask: Flurname, ask = Saatfeld, Feldflur. Wääden ist schwer zu deuten, eine Verbindung mit Wotan = fries. Weeden ist nicht sicher. Möglicherweise ist es auch von weden = waidfarben = blau abgeleitet. Die Waidpflanze diente zum Blaufärben.








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