Westerhever

Westerhever ist eine Gemeinde im Kreis Nordfriesland, im Nordwesten von Eiderstedt zwischen der Hever und der Tümlauer Bucht. Auf 13,32 Quadratkilometern leben 94 Einwohner (Stand Ende 2025).

Der Name bedeutet Insel oder Kirchspiel an der Hever, genauer westlich der Hever, zur Unterscheidung von Osterhever. Urkundlich greifbar ist der Ort seit dem 12. Jahrhundert, in dem die damalige Insel besiedelt wurde. Die ersten Bewohner legten große Dorfwarften an, darunter Sieversbüll, Leikenhusen und Stufhusen, und schützten das Wirtschaftsland mit einem Ringdeich. Heute bilden der Westerhever Koog und der östlich anschließende Osterkoog eine Landzunge zwischen dem Wattstrom der Hever im Norden und der Tümlauer Bucht im Süden.

Kirche und Wogemannsburg

Die große Mandränke von 1362 zerstörte die erste Kirche von 1123. Die heutige Backsteinkirche Sankt Stephanus besteht aus einem gegenüber früher stark verkleinerten Schiff von 1804 und dem gotischen Turm von 1370. Zusammen mit dem Kirchspielkrug bildet sie das gesamte Dorfzentrum. In der Nähe liegt die Wogemannsburg, eine Warft, auf der zwischen 1362 und 1370 die sogenannten Wogemänner saßen. Sie betrieben Seeraub und plünderten die Umgebung, bis der Staller Owe Hering und die Bewohner der Nachbarschaft sie 1370 bezwangen und die Burg abbrachen; ihre Steine gingen in Kirche und Turm ein.

Im Gemeindegebiet stehen noch viele Haubarge. Auf einem von ihnen, dem Siekhof, kam 1860 Jacob Alberts zur Welt, der als Maler der Halligen bekannt wurde und auf dem Friedhof von Westerhever begraben liegt. Aus dem Ort stammen außerdem der Maler Detlef Sammann und der Arzt Friedrich Jessen. Zum Gemeindegebiet gehören die Wohnplätze Leikenhusen, Stufhusen, Sparhörn, Sieversbüll und Schanze.

Leuchtturm und Salzwiesen

Am Rand des Außendeichs steht der Leuchtturm Westerheversand, ein Wahrzeichen der ganzen Halbinsel. Nordwestlich davon erstreckt sich der Hochsand Westerheversand mit einem Badestrand. Die Salzwiesen zwischen Sandbank und Seedeich sind aus einem kleinen Anfang gewachsen: 1887 wurden drei Hektar vermessen, nach der Durchdämmung eines deichparallelen Priels waren es 1901 rund 90 Hektar, heute etwa 246. Ein befahrbarer Damm und Grüppen zur Entwässerung kamen 1903 hinzu, Lahnungen zur Landgewinnung 1930. Leuchtturm, Wiesen und Strand ziehen jährlich etwa 80.000 Besucher an.

Mit dem Nationalpark änderte sich die Nutzung des Vorlands. Seit 1991 sind drei Viertel der Fläche von der Beweidung ausgenommen, und die Zahl der Vegetationstypen stieg von sieben auf sechzehn. Queller- und Strandsoden-Fluren nehmen inzwischen fast ein Viertel der Fläche ein, Salzmelden und Strandquecken kamen neu hinzu. Der beweidungsunempfindliche Andelrasen ging dagegen stark zurück, von rund 71 Prozent der Vegetation im Jahr 1988 auf 11 Prozent im Jahr 2001.

Verwandte Einträge

Zu den Angaben

Einwohnerzahl und Fläche stammen aus dem Gemeindeverzeichnis des Statistischen Bundesamtes, Stichtag 31. Dezember 2025. Der Punkt auf der Karte stammt aus OpenStreetMap und zeigt die ungefähre Lage, nicht die Grenzen.

Quellen

  1. Nordfriisk Instituut: Nordfriesland-Datenbank, Eintrag Westerhever (Archivfassung 2019)
  2. Wikipedia: Westerhever
  3. Statistisches Bundesamt: Gemeindeverzeichnis, Gebietsstand 31.12.2025, Datenlizenz Deutschland Namensnennung 2.0
  4. Lage: © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL

Weiterführende Literatur

  • Laur 1992.