Desmerciereskoog

Der Desmerciereskoog ist ein Koog in der Gemeinde Reußenköge im Kreis Nordfriesland, bedeicht im Jahr 1767. Er ist rund 360 Hektar groß.

Der Desmerciereskoog trägt den Namen seines Erbauers, Jean Henri Desmercières, eines Adligen hugenottischer Herkunft. Er ist heute ein dünn besiedelter Ortsteil der Gemeinde Reußenköge und war der zweite Koog des sogenannten Bredstedter Werks.

Das Bredstedter Werk

1728 hatte Desmercières vom dänischen König Christian VI. das Recht erworben, in der Bredstedter Bucht Land einzudeichen. Frühere Versuche waren gescheitert, weil man tiefe Priele abdämmen wollte. Desmercières ging anders vor: Er ließ nur Flächen bedeichen, auf denen sich schon genug Schlick abgesetzt hatte. Nach dem Sophien-Magdalenen-Koog blieb deshalb zunächst eine kleine Bucht offen, das Gebiet des späteren Desmerciereskooges. Von 1765 bis 1767 wurde sie mit einem Verbindungsdeich zum Hattstedter Neuen Koog geschlossen.

Ein Deich mit flacher Seeseite

Dieser Deich war etwas Neues. Seine Böschung lief zur See hin flach aus, viel flacher als bei den Deichen der Zeit. Das bedeutete mehr Erdarbeit, und viele Zeitgenossen hielten es für Verschwendung. Heute ist das flache Außenprofil Standard, weil es die Wellen auslaufen lässt.

Die Stelle, an der der neue Deich auf einen älteren mit steilerem Profil trifft, gilt nach den Forschungen des Heimatforschers August-Wilhelm Geerkens als ein Schauplatz in Theodor Storms Novelle Der Schimmelreiter. Auch dort steht ein Deichgraf mit einem neuen, flachen Deichprofil gegen den Widerstand seiner Nachbarn.

Vom Ochsen zur Erdbeere

Das Land wurde in 33 Parzellen an die Meistbietenden verkauft. Anfangs überwog der Ackerbau, dann lohnte die Mast fetter Ochsen für den Export so sehr, dass zeitweise bis zu vier Fünftel der Flächen Weide waren. Mit den Maschinen kam der Ackerbau zurück. Heute gibt es im Koog noch zwei Höfe im Vollerwerb, einer verkauft Kartoffeln, Erdbeeren und Spargel im eigenen Hofladen. Acht Windkraftanlagen gehören zu zwei Bürgerwindparks.

Verwandte Einträge

Zu den Angaben

Belegt sind das Bedeichungsjahr (Wikipedia) und die Fläche (Wikipedia). Kenndaten erscheinen hier nur, wenn eine frei zugängliche Quelle sie stützt. Weitere Werte aus der früheren Nordfriesland-Datenbank werden derzeit mit dem Standardwerk von Harry Kunz und Albert Panten abgeglichen. Der Punkt auf der Karte stammt aus OpenStreetMap und zeigt die ungefähre Lage, nicht die Grenzen des Kooges.

Quellen

  1. Nordfriisk Instituut: Nordfriesland-Datenbank, Eintrag Desmerciereskoog (Archivfassung 2011)
  2. Wikipedia: Desmerciereskoog
  3. Lage: © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL

Weiterführende Literatur

  • Die Sielverbände Sophie-Magdalenen-Koog und Desmerciereskoog (Hrsg.): Sophie-Magdalenen-Koog 1741-1992. Desmerciereskoog 1767-1992, o. O., o. J.
  • Nicolai Möllgaard: Sophie-Magdalenen-Koog 1741-1967. Desmerciereskoog 1767-1967, Bredstedt 1967.
  • Harry Kunz, Albert Panten: Die Köge Nordfrieslands. Bredstedt 1997, ISBN 3-88007-251-5