Gotteskoog

Friesisch: Gutskuuch, Gotskuuch

Der Gotteskoog ist ein Koog zwischen Niebüll und Aventoft im Kreis Nordfriesland, bedeicht im Jahr 1566.

Kein anderer Koog in Nordfriesland ist größer, keiner liegt tiefer. Er reicht von Niebüll im Süden bis Aventoft an der dänischen Grenze im Norden, im Westen grenzt der Wiedingharder Alte Koog an, im Osten die Geest bei Humptrup und Klixbüll. Große Teile liegen heute mehr als zwei Meter unter dem Meeresspiegel.

Im Namen Gottes

Die Bedeichung war ein Gemeinschaftswerk dreier Harden, der Wiedingharde, der Bökingharde und der Karrharde. Herzog Johann von Schleswig-Holstein-Hadersleben begann 1553 mit der Planung. Der Deich sollte die Marsch sichern und ebenso die Stadt Tondern, die bis dahin nur ein Sommerdeich schützte.

Zuerst entstand ein Deich von Hoyer nach Ruttebüll, die Wiedau wurde abgedämmt. 1563 gelang es, die südlichen Tiefs zu schließen, 1566 war der Deich im Süden wie im Norden zu. Weil man das Werk nach damaliger Überlieferung "im Namen Gottes" begonnen und vollendet hatte, bekam der Koog seinen Namen. Das Land wurde zu gleichen Teilen unter den drei Harden verteilt. Deshalb spricht man bis heute auch vom Wiedingharder, Bökingharder und Karrharder Gotteskoog.

Sicher war der Koog damit noch lange nicht. Schon die Allerheiligenflut 1570 riss den Deich auf, und weitere Brüche folgten. Erst 1603 war die letzte Bruchstelle geschlossen. Die tiefen Kolke, die solche Brüche hinterlassen, sind als Wehlen bis heute zu sehen.

Ein Koog voller Wasser

Das größere Problem kam von innen. Der Gotteskoog liegt tiefer als seine Nachbarn, und sein torfiger Boden sackte nach der Eindeichung weiter ab. Das Regenwasser der Geest sammelte sich hier, ein Viertel des Landes stand dauerhaft unter Wasser. Viele Bauern, die das Land gegen die Pflicht zur Deichunterhaltung erhalten hatten, gaben auf.

1622 legte der niederländische Deichbaumeister Claus Jansen Rollwagen einen Plan vor: Schöpfmühlen sollten das Wasser aus den Gräben heben, Sielzüge es ableiten. Der Rollwagenzug führt das Wasser bis heute nach Süden.

Trotzdem blieb der Norden des Kooges bis in die 1930er Jahre eine amphibische Landschaft. Im Winter waren die Wege nicht passierbar, die Warften wurden zu kleinen Halligen, und man bewegte sich mit flachen Booten fort, die mit Stangen geschoben wurden. Die Bewohner hielten Vieh, ernteten Reet und Binsen und hatten immerhin eines immer: Süßwasser.

Trockenlegung und Siedlung

Ab 1928 pumpten zwei Schöpfwerke den Koog leer, der Wasserstand sank in wenigen Jahren um einen Meter. 1930 bekam der Gotteskoog mit der Straße von Niebüll nach Klanxbüll seine erste feste Verbindung. Zwischen 1935 und 1939 ließ das nationalsozialistische Siedlungsprogramm Wege anlegen und rund zwanzig einfache Höfe bauen. Die Neusiedler kämpften mit saurem Boden, ungenießbarem Grabenwasser und häufigen Überschwemmungen.

Erst ab 1953 brachte das Programm Nord Kultivierung und Strom, 1959 kam sauberes Trinkwasser von der Geest. Wo der Boden zu sauer oder zu salzig war, wurde aufgeforstet, etwa mit Erlen, Pappeln, Lärchen und Weiden.

Der Gotteskoogsee

Die Entwässerung hatte ihren Preis. Seerosen, Rohrkolben und die Fischbestände verschwanden, von den weiten Wasserflächen blieben in den 1950er Jahren nur rund 60 Hektar. Seit 1982 wird ein Teil wieder vernässt. Am Gotteskoogsee, der tiefsten Stelle, ist ein Feuchtgebiet von der künstlichen Entwässerung abgekoppelt und mit einem Ringkanal umgeben.

Dort liegt der Wasserstand deutlich höher als im übrigen Koog. Das weitgehend unzugängliche Naturschutzgebiet ist Rastplatz für Gänse und Watvögel, auch Seeadler leben hier. Im Winter wird am See wieder Reet geschnitten, heute mit Amphibienfahrzeugen. Ganz in der Nähe steht in Seebüll, das zu Neukirchen gehört, das Haus des Malers Emil Nolde.

Verwandte Einträge

Zu den Angaben

Belegt ist das Bedeichungsjahr (digitales Deichverzeichnis des Landes). Kenndaten erscheinen hier nur, wenn eine frei zugängliche Quelle sie stützt. Weitere Werte aus der früheren Nordfriesland-Datenbank werden derzeit mit dem Standardwerk von Harry Kunz und Albert Panten abgeglichen. Zur Fläche: Die Wikipedia nennt 10,4 Quadratkilometer, also 1.040 Hektar, bezeichnet den Gotteskoog aber zugleich als größten Koog Nordfrieslands. Das passt nicht zusammen: Allein die fünf Sielverbände, die heute seinen Namen tragen, umfassen rund 8.600 Hektar. Eine gesicherte Zahl folgt nach dem Abgleich mit der Fachliteratur. Der Punkt auf der Karte stammt aus dem Deichverzeichnis des Landes und zeigt die ungefähre Lage, nicht die Grenzen des Kooges.

Quellen

  1. Nordfriisk Instituut: Nordfriesland-Datenbank, Eintrag Gotteskoog (Archivfassung 2011)
  2. Wikipedia: Gotteskoog
  3. Land Schleswig-Holstein: Anlagen- und Deichverzeichnis (AWGV), Datenlizenz Deutschland Namensnennung 2.0

Weiterführende Literatur

  • Malene Gottburgsen und Wolfgang Hassenpflug: Der Gotteskoog. Landschaft und Bewohner im Wandel der Jahrhunderte, Bad Honnef 1991; Moin Moin, 30.9.1992.
  • Harry Kunz, Albert Panten: Die Köge Nordfrieslands. Bredstedt 1997, ISBN 3-88007-251-5