Frederik Paulsen
Frederik Paulsen, geboren 1909 in Dagebüll, gestorben 1997 in Alkersum/Föhr, war Mediziner und Unternehmer.
Die Familie Paulsen stammte von Föhr, lebte aber bewusst auf dem Festland, damit die Kinder dort zur Schule gehen konnten. Nach dem Abitur in Kiel studierte Paulsen Medizin, und zwar in Graz, in Frankfurt am Main, in Kiel und in Basel. Eine Flugblattaktion brachte ihn 1933 in Kiel in Konflikt mit den Nationalsozialisten; die Gestapo verhaftete ihn, und er kam ins Gefängnis. Nach der Entlassung floh er 1935 nach Basel, legte dort sein Abschlussexamen ab und wurde promoviert. Aus Furcht vor erneuter Haft emigrierte er nach Schweden, wurde 1942 schwedischer Staatsbürger und änderte dabei seinen Vornamen Friedrich in Frederik.
Ferring
In Schweden arbeitete Paulsen zunächst für einen schwedischen Arzt, später für ein niederländisches Pharmaunternehmen, außerdem lehrte er an der Universität Lund. Dabei erkannte er, wie wenig das Feld der Peptidhormone erforscht war, und verlegte seine Arbeit dorthin. 1950 gründete er in Malmö ein eigenes Labor, das 1956 den Namen Ferring erhielt. Der Name führt auf die Heimatinsel zurück, denn friesisch heißt Föhr Feer und das Adjektiv dazu fering. Hormone gewerblich herzustellen, darunter ACTH, konnten in den Jahrzehnten nach 1950 nur wenige Unternehmen, und Ferring gehörte dazu.
Einsatz für die Friesen
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Paulsen zu einer der treibenden Kräfte der friesischen Bewegung. Er saß über drei Jahrzehnte im Friesenrat, führte von 1970 bis 1982 den Verein Nordfriesisches Institut und gehörte 1949 zu den Gründern der Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen, deren Vizepräsident er viele Jahre war. 1988 richtete er in Alkersum die Ferring-Stiftung ein, die die Forschung über die Insel und die Arbeit auf ihr unterstützt und der friesischen Sprache ein gesichertes wirtschaftliches Fundament geben sollte. Der Kreis Nordfriesland zeichnete ihn im selben Jahr mit dem Hans-Momsen-Preis aus. Seinen Lebensabend verbrachte er in dem Haus in Alkersum, das er 1961 gekauft hatte.
Verwandte Einträge
Zu den Angaben
Die Lebensdaten folgen der Wikipedia und der früheren Nordfriesland-Datenbank. Zur Haftzeit weichen die Quellen ab: Die frühere Nordfriesland-Datenbank nennt eine Verhaftung 1933 und eine Strafe von 18 Monaten, die Wikipedia die Haft von 1934 bis 1935 im Zentralgefängnis Neumünster. Diese Seite ist neu geschrieben und übernimmt keine Formulierungen aus der alten Datenbank.
Quellen
Weiterführende Literatur
- Jakob Tholund: Ein Friese geht nicht verloren. Frederik Paulsen zum Gedächtnis, Wyk auf Föhr 1998.