Friesisch
Friesisch ist eine eigenständige westgermanische Sprache. In Nordfriesland und auf Helgoland lebt ihr nördlicher Zweig in mehreren deutlich verschiedenen Mundarten weiter.
Zusammen mit dem Altenglischen gehört das Friesische zum Nordseegermanischen. Drei Zweige haben sich gehalten: Westfriesisch in der niederländischen Provinz Friesland mit etwa 500.000 Sprechern, das Saterfriesische als letzter Rest des Ostfriesischen im oldenburgischen Landkreis Cloppenburg mit rund 2.000 Sprechern und das Nordfriesische an der schleswig-holsteinischen Westküste. Eng verwandt ist das Englische, weshalb beide Sprachen lange als anglofriesische Gruppe zusammengefasst wurden. Das Niederdeutsche zählt ebenfalls zum Nordseegermanischen, ging aber schon in altsächsischer Zeit eigene Wege.
Insel und Festland
Die nordfriesischen Mundarten teilen sich in zwei Gruppen. Zum Inselnordfriesischen gehören das Sylter Friesisch (Sölring), das Föhr-Amrumer Friesisch (Fering und Öömrang) und das Helgoländer Halunder. Das Festlandnordfriesische umfasst Wiedingharder, Bökingharder, Karrharder, Nordergoesharder und Mittelgoesharder Friesisch, dazu das Halligfriesische. Hinter dieser Zweiteilung stehen zwei Einwanderungswellen: Um 800 nahmen die Zuwanderer die Geestinseln in Besitz, ab etwa 1100 kamen Festland und Halligen hinzu.
Wie weit die Mundarten auseinanderliegen, zeigt schon ein einzelnes Wort. Für Insel sagt man auf dem Festland ailönj oder ailoun, auf Föhr und Amrum eilun und auf Helgoland Eelun. Tisch heißt auf dem Festland scheew, auf den Halligen taafel, auf Helgoland Taffel, auf Föhr und Amrum boosel, auf Sylt aber Staal. Weil die Mundartgebiete wenig Kontakt untereinander hatten und ein kultureller Mittelpunkt fehlte, entstand keine Leitmundart.
Verlorene Mundarten
Auf Eiderstedt wurde das Friesische bis zum 18. Jahrhundert aufgegeben. Die Halbinsel war wirtschaftlich stark, richtete sich nach den niederdeutsch geprägten Gebieten im Süden aus und erlebte im 16. Jahrhundert starke Zuwanderung aus den Niederlanden. Ähnlich verlief es auf der Insel Strand: Nach der Flut von 1634 gelang auf Nordstrand keine Wiedereindeichung aus eigener Kraft, viele friesischsprachige Bewohner gingen fort, und die neuen Siedler kamen meist aus den Niederlanden. Auf Pellworm hielt sich die Sprache noch bis ins 18. Jahrhundert.
Von den Mundarten, die bis in die Neuzeit gesprochen wurden, ist das Südergoesharder Friesisch verschwunden. Seine letzte Sprecherin starb am 10. Oktober 1981. Andere Mundarten gelten heute als akut bedroht, besonders das Karrharder und das Mittelgoesharder Friesisch sowie das Halligfriesische. Verloren ging auch das Wyker Friesisch, das sich wohl aus den Mundarten von Zuwanderern der Insel Strand und der Halligen entwickelt hatte.
Fremde Sprachen im eigenen Haus
Zuerst wirkte das Altdänische auf das Nordfriesische ein, bis hinein in die Verneinung: ek geht auf dänisch ikke zurück. Später überwog der Einfluss des Nieder- und des Hochdeutschen, denn beide herrschten seit der Reformation nacheinander in Kirche, Schule, Gericht und Verwaltung. Zur Schriftsprache wurde das Nordfriesische erst im beginnenden 19. Jahrhundert. Gemessen an der Sprecherzahl entstand danach eine erstaunlich umfangreiche friesische Literatur.
Lage heute
Zahlenmäßige Schwerpunkte liegen im Westen der Insel Föhr und in der Gemeinde Risum-Lindholm. Im Roten Buch der bedrohten Sprachen der UNESCO ist das Nordfriesische als ernsthaft gefährdet eingestuft. Die Amrumer Schule nennt sich Öömrang Skuul und unterrichtet die Inselmundart, in Risum arbeitet die dänisch-friesische Grundschule Risum Skole, und an der Eilun Feer Skuul auf Föhr bestanden 2012 erstmals zwei Abiturientinnen eine Prüfung im Fach Friesisch.
Der schleswig-holsteinische Landtag verabschiedete Ende 2004 ein Gesetz zur Förderung des Friesischen im öffentlichen Raum. Es regelt, wie die Sprache bei Behörden im Kreis Nordfriesland und auf Helgoland verwendet wird. Studieren lassen sich die Mundarten an den Universitäten Flensburg und Kiel, Forschung und Förderung trägt vor allem das Nordfriisk Instituut in Bredstedt, das 1965 eingerichtet wurde.
In den Medien bleibt die Sprache selten, der Norddeutsche Rundfunk sendet regelmäßig nur wenige Minuten je Woche. Seit 2025 helfen Übersetzungswerkzeuge mit KI weiter, je eines für das Föhrer und das Helgoländer Friesisch. Um öffentliche Geltung bemühen sich seit dem frühen 20. Jahrhundert die friesischen Vereine.
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Zu den Angaben
Die Zahl der Hauptmundarten schwankt nach Zählweise: Die frühere Nordfriesland-Datenbank nannte neun, die Wikipedia zählt zehn, weil sie das 1981 ausgestorbene Südergoesharder Friesisch mitrechnet. Auch die Sprecherzahlen sind unsicher. Offiziell wird mit 8.000 bis 10.000 Sprechern gearbeitet, der Sprachforscher Nils Århammar schätzte 2007 etwa 5.000 innerhalb und 1.500 bis 2.000 außerhalb Nordfrieslands. Genaue Erhebungen fehlen. Dieser Eintrag ist neu geschrieben und übernimmt keine Formulierungen aus der früheren Nordfriesland-Datenbank.