Blanker Hans
Blanker Hans heißt die tobende Nordsee, wenn sie bei Sturmflut gegen die Küste drückt.
Gebraucht wird der Ausdruck für das Meer selbst und, davon abgeleitet, auch für orkanartige Stürme über der Nordsee. Er bezeichnet keine bestimmte Flut, sondern eine Erfahrung: die See als Gegner, gegen den sich die Küste verteidigen muss. Wie dieser Gegner gefährlich wird, steht bei den Sturmfluten.
Die älteste bekannte Erklärung stammt von dem Chronisten Anton Heimreich. In seiner Nordfriesischen Chronik von 1666 berichtet er von einem Deichgrafen aus Risum: Der habe einen neuen Deich fertiggestellt und der See daraufhin trotzig zugerufen, sie sei nur der blanke Hans. Kurze Zeit später brach genau dieser Deich in der Burchardiflut im Oktober 1634. Ob sich die Szene so zugetragen hat, lässt sich nicht prüfen, doch die Verbindung von Übermut und Deichbruch prägte die Erzählung.
Weithin bekannt machte den Namen der Lyriker Detlev von Liliencron mit seiner Ballade Trutz, blanke Hans. Auch die Malerei nahm ihn auf, unter anderem in gleichnamigen Bildern von Hans Peter Feddersen von 1902 und Hans Hartig von 1912. Nach der Sturmflut von 1962 erhielten in einer Bremer Siedlung für Flutgeschädigte eine Straße und eine Grünanlage den Namen, und in Büsum gab es von 2006 bis 2015 eine Ausstellung unter diesem Titel.
Zu den Angaben
Woher der Name kommt, ist nicht geklärt. Gedeutet wird blank als weiß, passend zur Gischt, ebenso als entblößt oder nackt; Hans gilt dabei als Allerweltsname. Eine Archivfassung des Eintrags aus der früheren Nordfriesland-Datenbank ist nicht erhalten. Dieser Eintrag ist neu geschrieben und übernimmt keine Formulierungen aus der früheren Nordfriesland-Datenbank.