Sturmfluten
Sturmfluten sind hohe Wasserstände, die auflandiger Sturm an der Küste aufstaut. Sie haben Nordfriesland stärker geformt als jede andere Naturgewalt.
Auflandiger Wind drückt Wasser gegen die Küste, und wo die Nordsee sich verengt, steigt der Wasserstand besonders hoch. Die Deutsche Bucht gilt deshalb als eines der am stärksten von Sturmfluten bedrohten Gebiete überhaupt. Gefährlich sind nicht nur die Wasserstände, sondern auch die Wellen: Sie tragen bei erhöhtem Wasser genug Energie, um Deiche aufzureißen. Gehäuft treten Sturmfluten im Frühjahr und im Herbst auf.
Die Fluten, die Nordfriesland verändert haben
Mehrere Fluten haben die Küste neu gezeichnet. Die Zweite Marcellusflut von 1362, die Grote Mandränke, zerriss das Land zwischen Amrum, Föhr und der damaligen Insel Strand und ließ die Halligen entstehen. Ihr fiel auch der Handelsort Rungholt zum Opfer. Die Burchardiflut von 1634 zerbrach Alt-Nordstrand: Übrig blieben Pellworm, Nordstrand und mehrere Halligen. Die Weihnachtsflut von 1717 kostete die Lundenbergharde ihren letzten Rest.
Auch näher an der Gegenwart blieb es nicht ruhig. Bei der Halligflut vom 4. Februar 1825 starben 74 Menschen, danach begann die Befestigung der Abbruchkanten. Im Februar 1962 traf eine Flut vor allem Hamburg, richtete aber auch an der Westküste schwere Schäden an und führte zu neuen Deichhöhen. Höhere Wasserstände als 1962 brachte der Januar 1976, doch die verstärkten Deiche hielten.
Was die Fluten ausgelöst haben
Jede schwere Flut hat den Küstenschutz verändert. Nach 1634 gaben die Überlebenden Land auf, weil sie die Deiche nicht wiederherstellen konnten. Steinkanten sicherten ab 1825 die Halligufer. Aus dem Generalplan Deichverstärkung von 1963 gingen die heutigen Landesschutzdeiche hervor, dazu Bauwerke wie das Eidersperrwerk und der Hauke-Haien-Koog mit seinen Speicherbecken. Wer wissen will, wie ein Deich aufgebaut ist, findet das beim Deichbau.
Auf den Halligen gehört das Wasser weiter zum Alltag. Dort heißt es Landunter: Bei höheren Wasserständen läuft das Land voll, und nur die Warften bleiben trocken. Jedes Wohnhaus hat seit der Halligsanierung einen Schutzraum auf tief gegründeten Betonpfeilern.
Zu den Angaben
Die Schwellenwerte folgen der Einteilung des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie. Die Opferzahlen der mittelalterlichen Fluten sind unsicher: Die überlieferten Angaben widersprechen sich und gelten für die damalige Siedlungsdichte oft als zu hoch. Dieser Eintrag ist neu geschrieben und übernimmt keine Formulierungen aus der früheren Nordfriesland-Datenbank.