Eidersperrwerk

Eidersperrwerk ist das größte Küstenschutzbauwerk Deutschlands. Es riegelt die Mündung der Eider bei Sturmflut gegen die Nordsee ab.

Nach der Sturmflut von 1962, die auch Tönning erreichte, standen zwei Möglichkeiten zur Wahl: die Deiche entlang der Eider erhöhen oder die Mündung absperren. Die Entscheidung fiel für das Sperrwerk. Ein Nebenzweck lag im Programm Nord, das der Wirtschaft in den damaligen Kreisen Norderdithmarschen und Eiderstedt aufhelfen sollte. Die Strömung an der Mündung machte den Bauleuten zu schaffen, entsprechend hoch fielen die Kosten aus, rund 170 Millionen Mark. Dafür verkürzte sich die Außendeichlinie im Mündungsbereich von 60 auf 4,8 Kilometer.

Wie das Sperrwerk gebaut ist

In jeder der fünf Öffnungen hängen zwei Segmenttore hintereinander, damit die Deichlinie doppelt gesichert ist. Zwischen den Torreihen führt eine Straße durch einen 236 Meter langen Tunnel, darüber liegt ein Fußweg mit Blick auf Eider und Küste. Ebenfalls doppelte Tore hat die angeschlossene Kammerschleuse für die Schifffahrt, 75 Meter lang und 13 Meter breit. Die Deichkrone des Bauwerks liegt 8,5 Meter über Normalhöhennull und damit 7 Meter über dem mittleren Tidehochwasser.

Vier Betriebsformen

Zwölf Menschen im Schichtdienst halten das Sperrwerk in Gang, darunter Nautiker, Elektriker und Schlosser. Im Normalbetrieb stehen alle Tore offen und das Wasser läuft in beide Richtungen frei. Senkt die Aufsicht die seeseitigen Tore teilweise ab, gelangt weniger Sand in den Fluss; diese Form heißt Flutdrosselung. Beim Sielbetrieb bleibt die seeseitige Torreihe während der Flut geschlossen und öffnet sich mit fallendem Pegel, um das Hinterland zu entwässern. Steigt das Wasser mehr als einen Meter über das mittlere Tidehochwasser, schließen beide Torreihen.

Das Bauwerk hat die Umgebung stark verändert. Die neuen Strömungen gruben zu beiden Seiten Kolke von bis zu 28 Meter Tiefe, die 1993 mit 45.000 Sandsäcken verfüllt werden mussten. Im alten Mündungstrichter entstand das Naturschutzgebiet Katinger Watt, auf der anderen Flussseite 1989 das Dithmarscher Eiderwatt, beides als Ausgleich für verlorene Salzwiesen und Wattflächen. Am Sperrwerk brütet eine Kolonie Küstenseeschwalben, 2006 wurden 143 Revierpaare gezählt. Für die Anlage sind 80 Jahre Lebensdauer angesetzt, ein Ersatz ist bis 2050 vorgesehen, die Planung soll 2030 beginnen.

Neben dem Küstenschutz hat das Sperrwerk weitere Aufgaben übernommen. Seit 1977 unterhält die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger auf der Binnenseite eine Rettungsstation mit einem Seenotrettungsboot. Zahlreiche Fischkutter verlegten von Tönning an den Fischereihafen am Sperrwerk, weil die Wege zu den Fanggründen kürzer wurden. Reisende nach Eiderstedt halten hier auf der Durchfahrt.

Zu den Angaben

Amtlich heißt das Bauwerk Eider-Sperrwerk. Es liegt an der Grenze zweier Kreise: Der Baukörper gehört zum Gebiet der Gemeinde Wesselburenerkoog in Dithmarschen und reicht bis an die Grenze von Tönning. Dieser Eintrag ist neu geschrieben und übernimmt keine Formulierungen aus der früheren Nordfriesland-Datenbank.

Quellen

  1. Wikipedia: Eidersperrwerk
  2. Land Schleswig-Holstein: Generalplan Küstenschutz 2022