Tönning

Tönning ist eine Gemeinde im Kreis Nordfriesland, am Nordufer der Eider im Süden von Eiderstedt. Auf 44,43 Quadratkilometern leben 4.775 Einwohner (Stand Ende 2025).

Tönning liegt dort, wo sich der Eiderlauf zum Mündungstrichter weitet. Der Name bezieht sich wahrscheinlich auf das Wort dünn und damit auf den schmalen Fluss an dieser Stelle. Als Tönningharde erscheint das Gebiet 1187 in einer Urkunde, ein Jahr zuvor war die spätere Kirche Sankt Laurentius gegründet worden. 1414 brannten Dithmarscher den Ort nieder.

Käse, Hafen, Stadtrecht

Im 16. Jahrhundert richteten die Herzöge von Schleswig-Holstein-Gottorf hier eine Nebenresidenz ein und ließen zwischen 1580 und 1583 ein Schloss bauen. Das Stadtrecht kam 1590, also kurz vor dem von Husum. Einwanderer aus den Niederlanden brachten bessere Formen des Getreidebaus sowie Milch- und Käsewirtschaft nach Eiderstedt, und der Hafen wurde zum wichtigsten Ausfuhrplatz der Halbinsel. Im Rekordjahr 1610 ging Käse in großen Mengen über den Kai, 1624 fuhren 54 Schiffe unter Tönninger Flagge. Seine heutige Form erhielt der Hafen 1613.

Festung der Gottorfer

Noch während des Dreißigjährigen Krieges begann Herzog Friedrich III. den Ausbau zur Festung, nachdem kaiserliche Truppen 1627 die Stadt besetzt und viele Häuser zerstört hatten. Für 30 Tonnen Gold entstanden Bastionen, bombensichere Gewölbe und drei Tore; im Süden diente der Fluss als Abwehr. Eine dänische Belagerung von 1659 scheiterte, 1675 ließ der dänische König die Anlage jedoch schleifen. Ab 1692 baute Herzog Christian Albrecht sie mit schwedischen Fachleuten größer wieder auf. 1713 nahm der Kommandant elftausend flüchtende schwedische Soldaten auf, worauf Vorräte und Hygiene zusammenbrachen; im Februar 1714 gab er die Festung auf, die danach ebenso wie das Schloss abgerissen wurde.

Eiderkanal und Kontinentalsperre

Der 1784 eröffnete Eiderkanal verband Nordsee und Ostsee erstmals für Seeschiffe und brachte Tönning eine zweite Blüte. Aus dieser Zeit stammt das große Packhaus von 1783. Während der britischen Elbblockade und der Kontinentalsperre lag die Stadt im neutralen Dänemark; zwischen 1803 und 1807 landete der gesamte für Hamburg bestimmte Verkehr hier, und die Einwohnerzahl verdreifachte sich. Ab 1854 brachte die Bahnstrecke aus Flensburg Vieh zur Verladung nach England und Kohle zurück. Mit der Maul- und Klauenseuche endete der Viehexport, mit dem Nord-Ostsee-Kanal die Bedeutung des Hafens als Ausfuhrplatz.

Für die Krabbenfischerei bleibt der Hafen wichtig. An die großen Zeiten erinnern das Packhaus, das Skipperhuset und mehrere Häuser mit Treppengiebeln. Kreisstadt von Eiderstedt war die Stadt von 1867 bis zur Kreisreform von 1970; 1974 kamen die Ortsteile Kating, Katingsiel, Olversum und Groß Olversum hinzu. Nach dem Bau des Eidersperrwerks wurden Teile des Katinger Watts eingedeicht und dem Stadtgebiet zugeschlagen. Dort wuchs auf fast 500 Hektar der einzige größere Wald der Eiderstedter Marsch, heute Teil eines Natura-2000-Gebiets.

Verwandte Einträge

Zu den Angaben

Einwohnerzahl und Fläche stammen aus dem Gemeindeverzeichnis des Statistischen Bundesamtes, Stichtag 31. Dezember 2025. Zum Käseumschlag um 1600 gehen die Quellen weit auseinander: die Wikipedia nennt für 1610 drei Millionen Pfund, die frühere Nordfriesland-Datenbank 300.000 bis 400.000 Pfund im Jahr. Das Ende des Viehexports datiert die Wikipedia auf 1886, die alte Datenbank auf 1889. Der Punkt auf der Karte stammt aus OpenStreetMap und zeigt die ungefähre Lage, nicht die Grenzen.

Quellen

  1. Nordfriisk Instituut: Nordfriesland-Datenbank, Eintrag Tönning (Archivfassung 2019)
  2. Wikipedia: Tönning
  3. Statistisches Bundesamt: Gemeindeverzeichnis, Gebietsstand 31.12.2025, Datenlizenz Deutschland Namensnennung 2.0
  4. Lage: © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL