Friesen
Friesen sind eine Volksgruppe an der Nordseeküste, die seit über zweitausend Jahren unter diesem Namen bezeugt ist.
Erwähnt werden die Friesen erstmals im Zusammenhang mit den Feldzügen des Drusus, dem sie 12 v. Chr. als Verbündete dienten. Damit gehören sie zu den germanischen Stämmen, die am frühesten in Schriftquellen auftauchen. Seine größte Ausdehnung erreichte das friesische Siedlungsgebiet im frühen Mittelalter: Es zog sich entlang der Südküste der Nordsee von der Rheinmündung bis zur Weser und zeitweise in einem schmalen Streifen fast an die Elbe. Einen Staat, der alle friesischen Gebiete umfasste, hat es vermutlich nie gegeben.
Unter fränkischer Herrschaft
Im 8. Jahrhundert geriet das gesamte Gebiet an der südlichen Nordseeküste unter die Herrschaft der fränkischen Könige. Weitgehende Selbstverwaltung und viel eigene Freiheit blieben dennoch erhalten, und Karl der Große ließ das friesische Recht in lateinischer Sprache aufschreiben. Von der Heerfolge, also vom Militärdienst außerhalb des eigenen Gebiets, waren die Friesen befreit; sie hatten dafür den Kirchenzehnt zu zahlen und die Küste gegen die Wikinger zu verteidigen. Mit den Franken kam das Christentum, und es kam nicht ohne Widerstand: 754 töteten Friesen bei Dokkum den angelsächsischen Missionar Bonifatius. Aus dieser Ordnung entwickelte sich später die Friesische Freiheit.
Der Weg nach Nordfriesland
Die ersten Siedler in dem Gebiet, das man später Klein-Friesland nannte und dann Nordfriesland, kamen von der Küste im Süden. Zuerst nahmen sie die Geestinseln in Besitz, also Sylt, Föhr und Amrum, später die Marschen des Festlands zwischen Eider und Wiedau. Die Bewohner der Utlande unterstanden als Königsfriesen unmittelbar der dänischen Krone. Christen wurden die Nordfriesen erst im 11. Jahrhundert, als die Taufe nicht mehr zugleich die Unterwerfung unter die Franken bedeutete.
Wirtschaftlich zählten Viehzucht und Handel. Friesische Kaufleute waren rund um die Nordsee tätig, von Nordfrankreich über Ostengland bis nach Skandinavien, und das Meer hieß nach ihnen. Heute sind die Friesen in Deutschland und in den Niederlanden als nationale Minderheit anerkannt, wobei für die Gruppe in Deutschland der Begriff Volksgruppe verwendet wird. Die drei Frieslande unterhalten enge Verbindungen, und die friesische Bewegung arbeitet daran, die friesische Sprache und die eigene Kultur zu erhalten.
Zu den Angaben
Zur Einwanderung nach Nordfriesland weichen die Angaben ab: Die frühere Nordfriesland-Datenbank nennt das 7. Jahrhundert, die Sprachforschung das 7. oder 8. Jahrhundert für die Geestinseln und das 11. Jahrhundert für die Festlandsmarschen. Ob die Friesen der Antike mit der heutigen Volksgruppe zusammenhängen, ist in der Forschung umstritten; gesichert ist vor allem die Weitergabe des Namens. Dieser Eintrag ist neu geschrieben und übernimmt keine Formulierungen aus der früheren Nordfriesland-Datenbank.