Friesische Freiheit

Friesische Freiheit meint das Recht der Friesen, keinen Herrn über sich zu haben außer dem Kaiser selbst.

Größten Wert legten die Friesen auf die Reichsunmittelbarkeit, also auf ein unmittelbares Verhältnis zum König und Kaiser. Dessen Ferne galt ihnen als Garant der eigenen Freiheit, während der gerüstete Ritter das Feindbild abgab. Für diese Königsfreiheit zahlten sie eine Abgabe, und auswärtigen Grafen gestanden sie nur zu, einzelne königliche Rechte wahrzunehmen. Eine Gemeinschaft von Gleichen war das nicht: Den Ton gaben die großen Bauerngeschlechter an. Wie sich der Anspruch herausbildete und welche Sagen ihn begründeten, steht bei der Entstehung der Friesischen Freiheit.

Freiheit in Nordfriesland

Nordfriesland gehörte nicht zu dem Landfriedensbund, der sich am Upstalsboom traf. Eine freiheitliche Tradition begründete hier vor allem die Selbstverwaltung beim Deichbau, der über das Überleben entschied. Wer in der Marsch Land besaß, war entsprechend selbstbewusst, und die Kapitäne der Inseln hörten ebenso ungern auf Anweisungen von außen. Der Landesherr war weit weg, und den Steuern entzog man sich, wo es ging. Wie weit das gehen konnte, zeigte 1252 die Schlacht bei Oldenswort, in der die Eiderstedter dem dänischen König Abel die Landsteuer verweigerten und ihn besiegten.

Das liberale Zeitalter

Im 19. Jahrhundert traten mehrere Nordfriesen an hervorgehobener Stelle für politische Freiheit ein. Uwe Jens Lornsen aus Keitum gab dafür eine gesicherte Beamtenlaufbahn auf und verlangte 1830 in einer Schrift eine liberale Verfassung, dazu eine Union mit Dänemark auf Augenhöhe. Harro Harring, Schriftsteller und Maler und Sohn eines Deichgrafen aus Wobbenbüll, wollte anstelle der Fürsten demokratische Republiken sehen und trat früh für ein vereinigtes Europa, für die Befreiung der Sklaven und für die Gleichberechtigung der Frauen ein. Aus Husum kamen 1848 die Brüder Beseler in die Frankfurter Nationalversammlung: Georg Beseler arbeitete führend am Grundrechtsabschnitt der ersten deutschen Verfassung mit, Wilhelm Hartwig Beseler stand der Provisorischen Regierung Schleswig-Holsteins vor.

Zugespitzt hat den Anspruch der Wahlspruch Lewer duad üs Slaav, lieber tot als Sklave. Unter der nationalsozialistischen Herrschaft von 1933 bis 1945 widersetzten sich dann allerdings nur wenige Friesen. Der Spruch selbst wurde in dieser Zeit zur Phrase und diente auch der SA als Schlachtruf.

Zu den Angaben

Die Urkunde Karls des Großen, auf die sich die Friesen beriefen, ist eine Fälschung des 14. Jahrhunderts. Spätere Kaiser bestätigten die Freiheiten dagegen tatsächlich, 1417 für die Ost- und Westfriesen und 1493 für die Westfriesen. Dieser Eintrag ist neu geschrieben und übernimmt keine Formulierungen aus der früheren Nordfriesland-Datenbank.

Quellen

  1. Nordfriisk Instituut: Nordfriesland-Datenbank, Eintrag Friesische Freiheit (Archivfassung 2011)
  2. Wikipedia: Friesische Freiheit