Archsumburg

Archsumburg war ein ringförmig umwalltes Erdwerk bei Archsum auf Sylt, das die Archäologie als Kultplatz der römischen Kaiserzeit deutet.

Der Fundplatz liegt auf der östlichen Halbinsel von Sylt, östlich der Grabungsfläche Alt-Archsum, und wird in der Landesaufnahme als LA 61 geführt. Archsum erscheint 1462 zum ersten Mal in einer Urkunde, archäologisch reichen die Besiedlungsspuren am Ort über 3000 Jahre zurück. Auf wenigen Quadratkilometern liegen Siedlungsplätze der Jungsteinzeit, der Bronzezeit, der Eisenzeit und der Wikingerzeit dicht beieinander. Vom Erdwerk selbst ist über der Erde nichts mehr zu sehen.

Aufbau der Anlage

Den runden Innenraum umschloss eine Mauer aus Soden, also aus gestochenen Grasplaggen. Betreten ließ sich der Rundling nur durch einen megalithischen Kriechgang, einen niedrigen Gang aus großen Steinen. An der Innenseite der Sodenmauer standen Hütten aus Flechtwerk, dazu kamen Schächte und mit Steinen gefüllte Gruben. Auf dem freien Platz in der Mitte steckte ein kräftiger Holzpfahl.

Wie die Anlage gedeutet wird

Georg Kossack rechnet das Erdwerk zu den umwallten Kultplätzen der römischen Kaiserzeit und stellt es neben Lilla Havor auf Gotland. Die Keramik gehört nach seiner Einordnung in die ältere römische Kaiserzeit, also in die Zeit vor den ersten Wohnhügeln mit Großgehöften auf der Archsumer Geest. Der Grabungsbericht spricht ebenfalls von einem Kultort. Über die eigentliche Funktion solcher Anlagen ist die Forschung dagegen nicht einig; Kossack nennt die Frage erörtert, aber nicht überzeugend geklärt. Der Name Burg besagt für die erste Bauphase also nichts über eine Wehrfunktion.

Die Abtragung im 19. Jahrhundert

Christian Peter Hansen hielt 1870 fest, Archsum habe früher eine Ringburg wie Tinnum besessen, die aber seit 1850 abgebrochen sei. Der Grabungsbericht setzt die Abtragung der obertägigen Reste um 1860 an. Hansen deutete die Anlage als dänische Zwingburg, die ein General Waldemar Atterdags im Winter nach 1359 auf Sylt angelegt habe, und nennt auch den Namen Arrerschloß. Die Ausgrabungen des 20. Jahrhunderts führten zu einer ganz anderen Zeitstellung.

Grabung und Veröffentlichung

Zwischen 1972 und 1978 wurde der Platz umfangreich untersucht. Die Gesamtauswertung legte Ole Harck 1990 vor, als dritten Teil der Reihe zu Archsum und zugleich als Band 50 der Römisch-germanischen Forschungen, mit Beiträgen von F.-R. Averdieck, H. Kroll und H. Reichstein. Behandelt werden dort drei römerzeitliche Erdwerke zusammen: die Archsumburg, die Tinnumburg und Trælbanken an der schleswigschen Westküste. Für die Tinnumburg, die als Ringwall erhalten und begehbar ist, werden 120 Meter Durchmesser und acht Meter Höhe angegeben.

Nicht zu verwechseln ist die Archsumburg mit dem benachbarten Siedlungsplatz Alt-Archsum, LA 30. Er wurde zwischen 1969 und 1973 gegraben und erbrachte Reste aus Bronze- und Wikingerzeit.

Zu den Angaben

Die Datierungen der Quellen liegen auseinander: Georg Kossack ordnet die Keramik der älteren römischen Kaiserzeit zu, der Grabungsbericht in der Zeitschrift Offa spricht vom 1. nachchristlichen Jahrhundert, Wikipedia nennt die Mitte oder zweite Hälfte des 1. Jahrhunderts vor Christus. Auch die Abtragung ist unterschiedlich überliefert, einmal als seit 1850 abgebrochen und einmal als um 1860 weitgehend abgetragen. Maßangaben zu Wall und Innenraum stehen nur in einer zugangsbeschränkten Veröffentlichung und bleiben hier deshalb weg. Dieser Eintrag ist neu geschrieben und übernimmt keine Formulierungen aus der früheren Nordfriesland-Datenbank.

Quellen

  1. Neue älterbronzezeitliche bis wikingerzeitliche Befunde aus Archsum auf Sylt, in: Offa, S. 218
  2. Georg Kossack: Dörfer im Nördlichen Germanien vornehmlich aus der römischen Kaiserzeit, Bayerische Akademie der Wissenschaften, München 1997
  3. Christian Peter Hansen: Der Badeort Westerland auf Sylt und dessen Bewohner, 1870, S. 15 f. und S. 18
  4. Denkmaldatenbank Schleswig-Holstein: Uthländisches Haus in Archsum
  5. Bibliothèque nationale de France: Ole Harck, Archsum auf Sylt, Teil 3, Mainz 1990
  6. Wikipedia: Archsum-Burg