Bordelumer Rotte
Bordelumer Rotte war eine separatistische Gruppe in Bordelum, die um 1739 Kirche und Obrigkeit im Herzogtum Schleswig in Aufregung versetzte.
Unter König Christian VI. erlebte der Pietismus in Schleswig-Holstein einen späten Höhepunkt, immer wieder belebt durch Erweckungsbewegungen. Eine solche Bewegung ging der Bordelumer Separation voraus. Seit 1733 predigten zwei Kandidaten der Theologie im Kirchspiel, dem Gebiet der Kirchengemeinde: Franciscus Marcus Barsoenius aus Bargum und Peter Lorenzen aus Bordelum. Lorenzen wurde 1734 zum Pastor des Ortes gewählt, starb aber schon zwei Jahre darauf.
Danach geriet Barsoenius unter den Einfluss zweier Zugezogener: des Theologiestudenten David Bähr aus Frankenhausen in Thüringen und des Kesselflickers Ernst Fischer, der sich als Prophet bezeichnete. Aus deren separatistischen, gegen die Institution Kirche gerichteten Lehren und dem Pietismus des Predigers entstand eine eigene Gemeinschaft. Sie zählte nie mehr als etwa 20 Mitglieder und beunruhigte Kirche und Staat dennoch tief.
Die Anklage von 1739 nannte mehrere Punkte. Die Gruppe legte die Bibel in eigenem Sinn aus, lehnte den Gottesdienst und das Abendmahl ab und stellte die Ehe in Frage, wobei sie unter den Angehörigen eine Art freier Liebe vertrat. Außerdem wollte sie Privateigentum in gemeinschaftlichen Besitz überführen. Fischer wurde des Landes verwiesen, Barsoenius und Bähr erhielten Zuchthausstrafen, die Gemeinschaft selbst wurde verboten. Damit endete die kurze Wirkungszeit der drei Anführer.
Zu den Angaben
Einen Wikipedia-Artikel gibt es nicht, die Angaben folgen der Archivfassung der früheren Nordfriesland-Datenbank. Christian VI. regierte von 1730 bis 1746. Dieser Eintrag ist neu geschrieben und übernimmt keine Formulierungen aus der früheren Nordfriesland-Datenbank.
Quellen
Weiterführende Literatur
- Silke Göttsch: Religiöse Fluchten - soziale Utopien. Separatisten in Nordfriesland. In: Regensburger Schriften zur Volkskunde Bd. 4, Berlin/Vilseck 1987.