Bräuche

Bräuche reichen in Nordfriesland vom Rummelpottlaufen in der Silvesternacht bis zum Biikebrennen im Februar.

Am weitesten verbreitet ist das Rummelpottlaufen, das in die letzte Nacht des Jahres gehört. Verkleidete Kinder gehen von Haus zu Haus und singen die alten Lieder. Als Lohn sind ihnen heute Süßigkeiten und ein wenig Taschengeld lieber als die fett gebackenen Futtjes, die früher ausgeteilt wurden. Zurückgehen dürfte der Brauch auf eine geregelte Gabe an die Armen der Nachbarschaft.

Das Gerät, dem der Brauch seinen Namen verdankt, fehlt meist. Über einen Topf war eine Schweinsblase gespannt, in der ein fester Strohhalm steckte; wer daran zog, erzeugte den rummelnden Ton. Mit den Blasen aus der Hausschlachtung verschwand auch dieser Teil, geblieben ist der Umzug.

Kenkner und Hulken

Auf Föhr und Amrum ziehen zum Jahreswechsel nicht nur Kinder durch das Dorf, sondern auch Erwachsene. Sie tragen dort die Namen Kenkner beziehungsweise Hulken. Manche singen selbst gedichtete Strophen über die komischen oder bemerkenswerten Begebenheiten des Jahres. Andere sagen kein Wort und lassen die Nachbarn rätseln, wer hinter der Maske steckt; wer erkannt wird, bekommt ein Glas eingeschenkt.

Feste und Küche

Im Festkalender steht vor allem das Biikebrennen. Andere Bräuche hängen an der Küche, etwa das Grünkohlessen im Winter oder Weinsuppe mit Schinken. Zu den Bräuchen im weiteren Sinn zählen zudem zwei Sportarten der Region, das Boßeln und das Ringreiten.

Bräuche als soziale Kontrolle

Nach dem Zweiten Weltkrieg löste der Strukturwandel die alte Dorfgemeinschaft auf, die zuvor über Bräuche auch Kontrolle ausgeübt hatte. Auf Föhr sahen die Altersgenossen genau hin, wie sich ein junger Mann benahm, der ein Mädchen vom Tanz nach Hause begleitete. Wer ein Treue- oder Heiratsversprechen brach, bezog Prügel. Die Männer der Insel, konfirmiert und noch nicht verheiratet, taten sich nach festen Regeln zum Hualewjunken zusammen, was halbdunkel bedeutet. Aus der ungeschriebenen Ordnung wurde 1885 ein Verein mit Statuten.

Zu den Angaben

Dieser Eintrag ist neu geschrieben und übernimmt keine Formulierungen aus der früheren Nordfriesland-Datenbank.

Quellen

  1. Nordfriisk Instituut: Nordfriesland-Datenbank, Eintrag Bräuche (Archivfassung 2009)