Frisistik

Frisistik ist die Wissenschaft von den friesischen Sprachen, ihrer Literatur und der Landeskunde der Frieslande.

Gegenstand sind die friesischen Sprachen mit ihren Literaturen, dazu Landeskunde und Kultur der Frieslande. Studieren lässt sich das Fach in Deutschland nur in Schleswig-Holstein, außerdem in den Niederlanden. Einen eigenen Lehrstuhl für friesische Philologie gibt es seit 1978 an der Universität Kiel; heute bildet er mit Skandinavistik und Allgemeiner Sprachwissenschaft ein gemeinsames Institut. Die Nordfriesische Wörterbuchstelle war dort schon 1950 angesiedelt worden.

Seit die Bologna-Studiengänge 2007 eingeführt wurden, ist Friesische Philologie in Kiel als Hauptfach mit Bachelor und Master wählbar; als vollwertiges Lehramtsfach ist sie nicht vorgesehen. In Flensburg gab es mit Unterbrechungen ab 1963 Lehraufträge, 1988 eine reguläre Professur, die 1996 mit der Emeritierung ihres Inhabers wegfiel. Seit 2016 gibt es wieder eine Professur, der neben der Minderheitenforschung und der Minderheitenpädagogik das Nordfriesische zugeordnet ist, seit 2023 im Institut für Frisistik und Minderheitenforschung. Getragen wird der Lehrbetrieb zusätzlich von Honorarprofessuren und vom Nordfriisk Instituut, das seit 2007 als angegliederte Einrichtung jedes Semester Veranstaltungen anbietet.

Auf Föhr befasst sich die Ferring Stiftung in Alkersum vor allem mit der Sprache und Landeskunde von Föhr und Amrum. Wegen der geringen Zahl an Lehrstühlen zählt die Frisistik zu den sogenannten kleinen Fächern. Als Begründer der modernen Forschung gilt der Germanist Theodor Siebs, dessen Geschichte der friesischen Sprache 1901 in Pauls Grundriß erschien. Wichtigste niederländische Adresse ist Groningen mit der Abteilung Friese Taal en Cultuur, dazu die Fryske Akademy in Leeuwarden, die seit 1938 besteht.

Wer nicht in der Wissenschaft bleibt, arbeitet meist als Lehrkraft im Kreis Nordfriesland oder auf Helgoland. Andere Arbeitsfelder sind Medien und die Gremien der friesischen Einrichtungen. Das Saterfriesische ist in Oldenburg angesiedelt, wo es im Rahmen der Lehramtsausbildung behandelt wird, West- und Nordfriesisch dort aber nicht.

Verwandte Einträge

Zu den Angaben

In den Niederlanden ist allein der Begriff Frisistik gebräuchlich, weil Philologie dort vor allem Editionsphilologie meint. Die Archivfassung von 2009 nennt als Studienorte Flensburg und Kiel sowie die Niederlande. Dieser Eintrag ist neu geschrieben und übernimmt keine Formulierungen aus der früheren Nordfriesland-Datenbank.

Quellen

  1. Nordfriisk Instituut: Nordfriesland-Datenbank, Eintrag Frisistik (Archivfassung 2009)
  2. Wikipedia: Frisistik