Helgoland
Helgoland liegt fast 50 Kilometer vor der Küste und gehört verwaltungsmäßig zum Kreis Pinneberg. Sprachlich und geschichtlich ist die Insel aber ein Stück Nordfriesland: Die Helgoländer sprechen einen eigenen friesischen Dialekt und nennen ihre Insel deät Lun, das Land.
Zwei Inseln im offenen Meer
Helgoland besteht aus der Hauptinsel, einem roten Buntsandsteinfelsen von rund einem Quadratkilometer, und der flachen Düne östlich davon mit etwa 0,7 Quadratkilometern. Bis zur Westküste von Eiderstedt sind es 47 Kilometer, bis zur Südspitze von Sylt 67. Die Hauptinsel gliedert sich in das hohe Oberland, das Mittelland und das Unterland am Hafen. Ihre Steilküste fällt im Norden und Westen rund 50 Meter tief ab, am Nordwestende steht der 47 Meter hohe Brandungspfeiler Lange Anna, auf Friesisch Nathurn Stak.
Bis 1721 hingen Felsen und Düne über einen natürlichen Damm zusammen, den Woal. Die Neujahrsflut dieses Jahres riss ihn fort, seither sind es zwei Inseln. Rund 1.300 Menschen leben heute auf Helgoland. Lage, Nachbarorte und amtliche Einwohnerzahl stehen auf opengeodb.de unter Helgoland.
Halunder, das Friesisch der Insel
Die überlieferte Sprache der Insel ist Halunder, ein inselnordfriesischer Dialekt wie das Friesisch auf Sylt, Föhr und Amrum. Er ist auf Helgoland auch als Amtssprache zugelassen, wird aber nur noch von wenigen gesprochen. Im Alltag herrscht Hochdeutsch; Plattdeutsch war nie die Sprache der Insel, diente aber lange im Verkehr mit dem Festland. Wie eng Helgoland sprachlich zu Nordfriesland gehört, zeigt eine kleine Auszeichnung: 2005 erklärte die Aktion Sprachenland Nordfriesland die Gemeinde zur "Sprachenfreundlichen Gemeinde".
Woher der Name Helgoland kommt, ist bis heute umstritten. Der Sprachforscher Theodor Siebs deutete ihn 1909 über das friesische Halunder als "hohes Land", verwandt mit dem Wort Hallig. Andere halten die Lesart "heiliges Land" für ursprünglich.
Geschichte in Stichworten
Wie das übrige Nordfriesland stand Helgoland im Hochmittelalter unter der dänischen Krone. Der Heringsfang machte die Insel im Spätmittelalter begehrt, Bremen und Hamburg erhoben zeitweise Ansprüche. Dass Klaus Störtebeker hier Unterschlupf fand, gehört dagegen zur Legende: Er soll 1401 bei Helgoland gefangen worden sein, ein Aufenthalt auf der Insel ist nicht belegt. Das "Seeräubernest" ist eine Erfindung der Badeliteratur des 19. Jahrhunderts.
Nach der Landesteilung von 1544 kam Helgoland an die Herzöge von Gottorf und gehörte, unterbrochen von einer kurzen dänischen Besetzung 1684 bis 1689, bis 1714 zu ihrem Anteil am Herzogtum Schleswig. Die Insel verwaltete sich weitgehend selbst. Fischerei, Seefahrt und das Lotsenwesen, das hier ab dem 17. Jahrhundert belegt ist, ernährten die Bewohner. 1714 kam die Insel an Dänemark.
Im September 1807 besetzten britische Truppen Helgoland, ohne dass ein Schuss fiel. In der britischen Zeit gründete Jacob Andresen Siemens 1826 das Seebad, und die Insel wurde zum Sehnsuchtsort deutscher Dichter. Hoffmann von Fallersleben schrieb hier am 26. August 1841 das Lied der Deutschen. 1890 ging Helgoland im Helgoland-Sansibar-Vertrag an das Deutsche Reich.
Im April 1945 legten zwei Luftangriffe die befestigte Insel in Trümmer, die rund 2.500 Bewohner wurden aufs Festland gebracht. Einige kamen auf Sylt unter und fischten von dort weiter in ihren alten Gründen. 1947 sprengten die Briten die Bunkeranlagen. Erst am 1. März 1952 gaben sie die Insel an die Bundesrepublik zurück, bis heute ein Feiertag auf Helgoland. Der Wiederaufbau folgte einem Architekturwettbewerb und gab der Insel ihr heutiges Gesicht mit den bunten Häuserzeilen im Unterland.
Quellen
- Wikipedia: Helgoland
- Wikipedia: Halunder
- Theodor Siebs: Helgoland und seine Sprache. Cuxhaven 1909