Elisabeth-Sophien-Koog
Der Elisabeth-Sophien-Koog ist ein Koog und zugleich eine eigene Gemeinde im Kreis Nordfriesland, bedeicht im Jahr 1771. Er ist rund 570 Hektar groß.
Der Koog liegt auf Nordstrand. Die Gemeinde hat weniger als 70 Einwohner, deshalb entscheidet statt einer Gemeindevertretung die Gemeindeversammlung aller Wahlberechtigten. Die Einheimischen nennen den Koog auch Bodderkoog, plattdeutsch für Butterkoog.
Zweimal eingedeicht
Der Koog hat zwei Anfänge. Nach der Burchardiflut 1634 hatten der Brabanter Quirinus Indervelden und niederländische Partner den Auftrag erhalten, Nordstrand wieder einzudeichen. Aus dem Vorland vor ihren Kögen entstand 1739 der Christianskoog, benannt nach dem dänischen König Christian VI. Die Sturmflut von 1751 zerstörte seine Deiche so sehr, dass er nicht mehr zu halten war. Die Eigentümer waren hoch verschuldet, niemand lieh ihnen Geld, und das Land fiel an das Meer zurück.
1768 kaufte Jean Henri Desmercières den zerstörten Koog. Er hatte in der Bredstedter Bucht schon zwei Köge gewonnen. Ab 1770 ließ er neu bedeichen, wieder mit einem Deich, der zur See hin flach ansteigt. Den Koog benannte er nach seiner Frau, Elisabeth Sophie Gräfin de Friis. Ab Juni 1771 stand das Land für Siedler bereit.
Der Deich, der hielt
Bei der Sturmflut von 1825 brachen die Deiche auf Nordstrand, und die Köge liefen voll. Der Deich von Desmercières aber hielt. Danach baute man auch die übrigen Deiche mit dem flacheren Profil wieder auf.
Ihre Eigenständigkeit verteidigte die kleine Gemeinde mehrfach. Die Erben von Desmercières wehrten sich vor Gericht gegen den Anschluss an eine Deichgenossenschaft, und 1895 lehnte der Kreis einen Antrag Nordstrands auf Zusammenschluss ab. Dem Deich- und Sielverband Nordstrand trat der Koog erst 1957 bei.
Direkt am Außendeich liegt ein Campingplatz, außerdem ist im Koog ein Gestüt für Friesenpferde ansässig. Peter Harry Carstensen, von 2005 bis 2012 Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, wurde 1947 im Elisabeth-Sophien-Koog geboren.
Verwandte Einträge
Zu den Angaben
Belegt sind das Bedeichungsjahr (digitales Deichverzeichnis des Landes) und die Fläche (Wikipedia). Kenndaten erscheinen hier nur, wenn eine frei zugängliche Quelle sie stützt. Weitere Werte aus der früheren Nordfriesland-Datenbank werden derzeit mit dem Standardwerk von Harry Kunz und Albert Panten abgeglichen. Zur Fläche: Die Wikipedia nennt rund 570 Hektar, die frühere Nordfriesland-Datenbank 478 Hektar. Der Unterschied ist noch nicht geklärt. Der Punkt auf der Karte stammt aus OpenStreetMap und zeigt die ungefähre Lage, nicht die Grenzen des Kooges.
Quellen
Weiterführende Literatur
- Nicolai Möllgaard: 200 Jahre Elisabeth-Sophien-Koog auf Nordstrand 1771-1971, Bredstedt 1971.
- Harry Kunz, Albert Panten: Die Köge Nordfrieslands. Bredstedt 1997, ISBN 3-88007-251-5