Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog
Der Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog ist ein Koog und zugleich eine eigene Gemeinde im Kreis Nordfriesland, bedeicht im Jahr 1954.
Der Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog ist der letzte Koog in Schleswig-Holstein, der allein zur Landgewinnung eingedeicht wurde. Spätere Köge wie der Hauke-Haien-Koog oder der Beltringharder Koog entstanden vor allem für den Küstenschutz. Der Koog liegt südlich des Hindenburgdamms nahe der dänischen Grenze.
Land für Vertriebene und Bauernsöhne
Nach dem Zweiten Weltkrieg lebten in Schleswig-Holstein viele Flüchtlinge und Vertriebene. Im Rahmen des Programms Nord sollte neues Siedlungsland entstehen. Namensgeber ist Ministerpräsident Friedrich Wilhelm Lübke, der das Programm vorantrieb. Den Koog bezahlte allein der Staat, und er baute darin eine Musterlandwirtschaft auf.
1958 und 1959 zogen die ersten Familien ein. Es gab 41 gleich gebaute Höfe, eine Schule und eine Gastwirtschaft mit Kramladen. Die Höfe gingen etwa zur Hälfte an einheimische Bauernsöhne und an Vertriebene aus den früheren Ostgebieten.
Ein Deich ins offene Watt
Technisch war der Koog ein Neuanfang. Zum ersten Mal baute man einen Deich in Wattflächen, die nicht über Jahrzehnte als Vorland vorbereitet worden waren. Der neue Landesschutzdeich bestand zum größten Teil aus einem Sandkern, abgedeckt mit Klei und außen mit Grassoden. Weil die Innenseite ungeschützt war, musste er in einem einzigen Sommer geschlossen werden. Rund tausend Arbeiter waren beschäftigt.
Das wurde knapp. Am 16. und 17. September 1954 zerstörte eine Sturmflut große Teile der Deichschlussbrücke und spülte viel Baumaterial fort. Am 21. Oktober 1954 war der Deich dann doch geschlossen.
Heute prägen Windkraftanlagen die flache, weite Landschaft. Die Nachbargemeinden sind Klanxbüll und Emmelsbüll-Horsbüll.
Verwandte Einträge
- Landesschutzdeich
- Hindenburgdamm
Zu den Angaben
Belegt ist das Bedeichungsjahr (Wikipedia). Kenndaten erscheinen hier nur, wenn eine frei zugängliche Quelle sie stützt. Weitere Werte aus der früheren Nordfriesland-Datenbank werden derzeit mit dem Standardwerk von Harry Kunz und Albert Panten abgeglichen. Der Punkt auf der Karte stammt aus OpenStreetMap und zeigt die ungefähre Lage, nicht die Grenzen des Kooges.
Quellen
Weiterführende Literatur
- Thomas Claus Schwede: Der Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog, Berlin/Bonn 1959.
- Karl Weigand (Hrsg.): Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog, Schleswig 1979.
- Harry Kunz, Albert Panten: Die Köge Nordfrieslands. Bredstedt 1997, ISBN 3-88007-251-5