Munkmarsch

Munkmarsch ist heute ein ruhiger Ortsteil an der Sylter Ostküste mit einem Yachthafen und einem alten Fährhaus. Ein gutes halbes Jahrhundert lang kam hier aber fast jeder an, der nach Sylt wollte.

Lage

Der Ort liegt am Wattenmeer zwischen Keitum im Süden und Braderup im Norden, östlich des Flughafens. Verwaltungsrechtlich gehört Munkmarsch zur Gemeinde Sylt. Früher war es ein Teil der Gemeinde Keitum, die 1970 in Sylt-Ost aufging; seit 2009 bilden Sylt-Ost, Westerland und Rantum zusammen die Gemeinde Sylt. Lage, Einwohnerzahl und Nachbarorte der Gemeinde stehen auf opengeodb.de unter Sylt.

Im Sylter Friesisch, dem Sölring, heißt der Ort Munkmērsk, auf Dänisch Munkmarsk.

Mönche in der Marsch

Der Name ist wörtlich zu nehmen. Er taucht 1422 als Flurbezeichnung Mönchsmarsch auf und meinte das Land, das auf Sylt dem Kloster in Ribe gehörte. Ein Dorf stand dort wahrscheinlich nicht, eher ein einzelner Hof nördlich der Keitumer Kirche. 1744 kam oberhalb der heutigen Hafenstelle eine Kornmühle dazu, eine von mehreren auf der Insel, die bis ins frühe 20. Jahrhundert mahlte.

Der Hafen, über den Sylt erreichbar war

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts legten die Schiffe in Keitum an. Als der dortige Hafen immer weiter versandete, entstand in den 1850er Jahren ein neuer in Munkmarsch. Er wurde der wichtigste Fährhafen der Insel: Hier machten die Fähren, die Post- und die Versorgungsschiffe fest, die vom Festlandshafen Hoyer-Schleuse kamen. Hoyer liegt nördlich der heutigen Grenze und gehört seit der Volksabstimmung von 1920 zu Dänemark.

1869 ließ der Kapitän und Postschiffer Thomas Selmer am Hafen ein Fährhaus bauen, als Posthalterei, Unterkunft und Warteraum für die Reisenden. Von 1888 an brachte die Sylter Inselbahn die Badegäste vom Anleger direkt ins junge Seebad Westerland. Vorher ging es mit der Kutsche über sandige Wege quer über die Insel.

Mit der Eröffnung des Hindenburgdamms 1927 fuhr die Eisenbahn plötzlich vom Festland bis nach Westerland. Die Fährverbindung von Hoyer-Schleuse und die Bahnstrecke dorthin verloren ihren Zweck, und Munkmarsch verlor seine Rolle als Tor zur Insel.

Munkmarsch heute

Der Hafen gehört heute einem Yachtclub, ist aber mit Clubhaus und kleiner Gastronomie für alle zugänglich. Das Fährhaus von 1869 diente bis in die 1980er Jahre als Ausflugslokal, stand dann lange leer und wurde 2002 und 2003 zu einem Hotel mit Restaurant umgebaut.

Nach Norden beginnt am Ortsrand das Weiße Kliff, eine bis zu acht Meter hohe Abbruchkante aus hellem Kaolinsand, die bis Braderup reicht. Westlich des Ortes lag bis zum Bau des Fliegerhorstes in den 1930er Jahren eine weite Heide, von der am Rand des Flughafens noch Reste erhalten sind.

Quellen

  1. Wikipedia: Munkmarsch
  2. Daniel Ihonor: Munkmarsch. Historischer Verkehrsknotenpunkt der Insel Sylt. Husum 2020, ISBN 978-3-96717-025-2
  3. Tanno Hüttenrauch: Stavenchronik Munkmarsch 1744 bis 1900