Keitum
Friesisch: Kairem
Keitum ist ein Ortsteil der Gemeinde Sylt im Kreis Nordfriesland, im Nordwesten der Halbinsel Nösse an der Wattenmeerseite der Insel Sylt.
Der Ort liegt am Grünen Kliff, einer bewachsenen Steilkante über dem Watt. Prägend sind die alten Friesenhäuser, die häufig von Steinwällen eingefasst sind, dazu Alleen und ein für die Insel ungewöhnlich dichter Baumbestand. Beides hat Keitum den Beinamen grüner Ort der Insel eingetragen. Der Baumbestand geht auf einen Verschönerungsverein des späten 19. Jahrhunderts zurück, der planmäßig Bäume pflanzen ließ.
Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts war Keitum der Hauptort von Sylt. Hier saß die Verwaltung für die Sylter Ländereien, die zum Herzogtum Schleswig gehörten, und hier praktizierte der einzige Arzt der Insel. Wohlhabende Kapitäne ließen sich im 17. und 18. Jahrhundert nieder, was dem Dorf einen Wohlstand verschaffte, den die übrige Insel nicht kannte. Erst mit dem Seebadebetrieb verlagerte sich das Gewicht nach Westerland. Bis Ende 2008 hatte das Amt Landschaft Sylt seinen Sitz in Keitum, seit 2009 gehört der Ort zur Gemeinde Sylt.
Eine eigene Rolle spielte der Hafen. Im frühen 19. Jahrhundert ausgebaut, war er lange die wichtigste Verbindung der Insel zum Festland, vor allem nach Hoyer im heutigen Dänemark. Als das Fahrwasser verschlickte, übernahm Munkmarsch diese Aufgabe. Vom Hafenbetrieb erinnert noch das Packhaus von 1829. Den Bahnanschluss brachte der Bau des Hindenburgdamms, der Bahnhof liegt im Südwesten des Ortes.
Am Ortsrand steht auf einer Erhebung die Kirche Sankt Severin, deren Friedhof die Gräber mehrerer bekannter Insulaner und Wahlsylter birgt. Das Sylt Museum in einem früheren Kapitänshaus am Kliff zeigt die von Seefahrt und Walfang geprägte Inselgeschichte. Wenige Schritte entfernt liegt das Altfriesische Haus, in dem der Inselchronist Christian Peter Hansen lebte. Nördlich des Ortes steht das Megalithgrab Harhoog, ein Rechteckdolmen aus der Zeit um 3000 vor Christus, das für den Bau des Flughafens versetzt werden musste. Ein Denkmal erinnert an Uwe Jens Lornsen, der 1793 in Keitum geboren wurde.
Heute ist der Ort ein Luftkurort und ein Zentrum des Kunsthandwerks auf Sylt. Galerien, Töpfereien, Goldschmieden und Webstuben haben sich in den alten Häusern eingerichtet. Zur Nachbarschaft gehören Tinnum im Westen und die Warften der Nösse im Osten.
Verwandte Einträge
- Friesische Vereine
- Utlandfriesisches Haus
- Hindenburgdamm
- Sylt-Ost
- Tinnum
- Westerland
- Hansen, Christian Peter
- Johannsen, Erich
- Lornsen, Uwe Jens
- Möller, Boy Peter
Zu den Angaben
Zur ersten urkundlichen Nennung gibt es zwei Angaben: die Wikipedia nennt 1216, die frühere Nordfriesland-Datenbank ein Zinsbuch des Bistums Schleswig aus dem 15. Jahrhundert. Möglicherweise meinen beide verschiedene Quellen. Der Punkt auf der Karte stammt aus OpenStreetMap und zeigt die ungefähre Lage, nicht die Grenzen.