Christian Jensen
Christian Jensen, 1839 in Fahretoft geboren und 1900 in Flensburg gestorben, war Pastor in Breklum und gründete dort 1876 eine Missionsgesellschaft. Das kleine Dorf bei Bredstedt wurde dadurch zu einem Ort, von dem aus Missionare nach Indien, Afrika, China und Neuguinea gingen.
Aus der Marsch ins Studium
Jensen wuchs auf der Lütjenswarft in Fahretoft auf, heute ein Ortsteil von Dagebüll. Sein Vater Volquard war Deicharbeiter und kleiner Bauer. Er hieß eigentlich Volquard Heiksen, nahm aber nach friesischer Sitte den Vornamen seines Vaters Jens als Nachnamen an. Für einen Jungen aus solchen Verhältnissen war der Weg auf die höhere Schule nicht selbstverständlich: Jensen besuchte ab 1857 die Domschule in Schleswig, dann das Gymnasium in Rendsburg, und studierte ab 1863 Theologie in Kiel und, während des Deutsch-Dänischen Krieges, in Erlangen. Im April 1867 legte er sein Examen ab.
Pastor in Uelvesbüll
Seine erste Pfarrstelle trat er im Herbst 1867 in Uelvesbüll auf Eiderstedt an. Von dort aus gab er ab dem 1. Juli 1870 das Schleswig-Holsteinische Sonntagsblatt fürs Haus heraus, dessen zentrales Thema die Mission war. Mit Unterbrechungen erschien es bis 1972. Ab 1874 kam eine politische Zeitung dazu, die sich aber nicht lange hielt.
Die Gründungen in Breklum
1873 wählte die Gemeinde Breklum ihn zum Hauptpastor. In rascher Folge entstanden dort eine Druckerei, 1875 eine christliche Buchhandlung und am 19. September 1876 die Schleswig-Holsteinische Evangelisch-Lutherische Missionsgesellschaft zu Breklum, gegründet mit zwanzig Geistlichen und vierzig Laien. 1877 wurde das Missionshaus eingeweiht, im November 1881 wurden die ersten vier Missionare ordiniert.
Ihr erstes Ziel war das Gebiet um Jeypur im Osten Indiens, wo die Breklumer 1886 die ersten Taufen vornahmen; die Gemeinden dort bestanden überwiegend aus Adivasi, Angehörigen der indigenen Bevölkerung. Später kamen Ostafrika, China und Neuguinea hinzu. Daneben bildete Breklum Prediger für die deutschen Auswanderergemeinden in Nordamerika aus. 1882 eröffnete Jensen mit dem Martineum ein christliches Gymnasium, das 1893 auf Anordnung der preußischen Behörden wieder schließen musste. Seine letzte Gründung war 1899 ein Sanatorium.
Einordnung
Jensen verstand sich als "milder Lutheraner" und "lutherischer Pietist", geprägt von der Erweckungsbewegung und seinen Erlanger Lehrern. Seine Publizistik war streitbar: Er griff liberale Theologen scharf an, vertrat einen deutsch-nationalen Kurs, bekämpfte die Sozialdemokratie und bediente, wie der Historiker Thomas Steensen festhält, auch antisemitische Töne. 1891 verlieh ihm das Carthage College in Wisconsin die Ehrendoktorwürde.
Er starb am 23. März 1900 in Flensburg und wurde in Breklum beigesetzt. Die Missionsarbeit ging 1971 in einem gemeinsamen Missionszentrum der Nordelbischen Kirche auf. Heute hat das Ökumenewerk der Nordkirche seinen Sitz in Breklum, und das 2001 gegründete Christian Jensen Kolleg trägt seinen Namen. Auf dem Friedhof in Fahretoft erinnert ein Gedenkstein an ihn. Breklum selbst ist auf opengeodb.de verzeichnet.
Quellen
- Wikipedia: Christian Jensen (Missionar)
- Walter Göbell: Jensen, Christian. In: Neue Deutsche Biographie, Bd. 10, Berlin 1974, S. 408
- Thomas Steensen: Im Zeichen einer neuen Zeit. Nordfriesland 1800 bis 1918. Bredstedt 2005
- Klaus Sensche: Christian Jensen und die Breklumer Mission. Bredstedt 1976