Uelvesbüll
Uelvesbüll ist eine Gemeinde im Kreis Nordfriesland, im Nordosten von Eiderstedt hinter dem Deich an der Hever. Auf 10,23 Quadratkilometern leben 280 Einwohner (Stand Ende 2025).
Die Sturmfluten des 14. Jahrhunderts zerstörten das alte Uelvesbüll, das weiter nördlich im heutigen Watt lag. Vor der Zweiten Marcellusflut von 1362 zählte es zur strandischen Edomsharde, danach zur Harde Everschop. Weil die Hever sich vergrößerte, wurde der Ort nach Süden verlegt. Urkundlich erscheint der Name im 14. Jahrhundert; gedeutet wird er als Siedlung eines Mannes namens Wulf. Der heutige Ortsteil Barneckermoor war zunächst ein eigenes Kirchspiel mit eigener Kirche.
Deiche, Wehlen, Köge
Als 1579 der Adolfskoog geschlossen war, lag die bedrohte Nordseite des Porrendeiches im Schutz. Bei der Zweiten Mandränke von 1634 kamen dennoch mindestens 30 Menschen um, dazu mehr als 100 Stück Vieh. Am Porrendeich liegen vier Wehlen, tiefe Kolke aus Deichbrüchen, die nach dem Neubau des Deiches nicht wieder aufgefüllt wurden. Die Eindeichung des Uelvesbüller Kooges erweiterte 1935 das Gemeindegebiet. Im Februar 1962 brach der Deich erneut, rund 1,6 Millionen Kubikmeter Wasser liefen in den Koog, und nur eine schnelle Evakuierung bewahrte die Menschen.
Kirche und Wrack
Die heutige Sankt-Nikolai-Kirche ersetzte 1854 einen baufälligen Vorgängerbau und entstand in einem halben Jahr als klassizistisch-neugotischer Backsteinsaal. Weil König Friedrich VII. einen Baukostenzuschuss gab, hieß sie bis 1964 Friedrichskirche. Aus der älteren Ausstattung blieben ein spätgotischer Schnitzaltar, eine Kanzel von 1672 und das Volkmarsche Epitaph von 1591; die Orgel von 1910 ist die einzige erhaltene pneumatische Orgel Eiderstedts. 1867 wählte die Gemeinde Christian Jensen zu ihrem Pastor, der später in Breklum eine Missionsgesellschaft gründete.
Bei Sielbauarbeiten im Uelvesbüller Koog fanden Arbeiter 1994 das Wrack eines flachbodigen Frachtseglers. Die Untersuchung des Eichenholzes ergab, dass der Kiel um 1600 gelegt wurde; etwa zwanzig Jahre später sank das Schiff in einer Gezeitenrinne vor dem Adolfskoog. Nach der Bergung lag es zwei Jahre in einer Zuckerlösung, seit 1998 steht es im Schiffahrtsmuseum Nordfriesland. Eine Schule ist im Dorf seit 1589 belegt, 1969 gab die Gemeinde sie zugunsten einer Dörfergemeinschaftsschule auf. Im Nordwesten des Adolfskooges liegt das Naturschutzgebiet Wester-Spätinge, in dem schon im 16. Jahrhundert Erde für den Deichbau gestochen wurde.
Zu den Angaben
Einwohnerzahl und Fläche stammen aus dem Gemeindeverzeichnis des Statistischen Bundesamtes, Stichtag 31. Dezember 2025. Die vier Wehlen am Porrendeich führt die Wikipedia auf Deichbrüche des 16. Jahrhunderts zurück, die frühere Nordfriesland-Datenbank auf die Sturmflut von 1962. Der Punkt auf der Karte stammt aus OpenStreetMap und zeigt die ungefähre Lage, nicht die Grenzen.