Uwe Jens Lornsen
Uwe Jens Lornsen, geboren 1793 in Keitum, gestorben 1838 in Collonge/Bellerive am Genfer See, war Beamter und politischer Schriftsteller.
Die Familie in Keitum lebte von der Seefahrt. Der Vater war Kapitän und Sylter Ratmann, ein Onkel fuhr ebenfalls zur See, und der Urgroßvater Lorens Petersen de Hahn war Walfangkommandeur. Zur See wollte auch der Sohn, doch der Seekrieg zwischen Dänemark und Großbritannien und die Kontinentalsperre verhinderten das. Stattdessen besuchte er ab 1811 Schulen in Tondern und Schleswig und studierte ab 1816 in Kiel und ab 1818 in Jena die Rechte.
Kiel, Jena und Kopenhagen
In Kiel verband ihn eine Bekanntschaft mit dem Rechtsprofessor Nikolaus Falck, der von der nordschleswigschen Westküste stammte und ihn für die friesische Geschichte gewann; Lornsen nannte sie die eigentliche vaterländische Geschichte. In Jena gehörte er dem Vorstand der Urburschenschaft an und geriet nach der Ermordung August von Kotzebues und den Karlsbader Beschlüssen in den Blick der Geheimpolizei. Nach dem Staatsexamen von 1820 arbeitete er kurz als Advokat und dann acht Jahre in der Kanzlei für Schleswig, Holstein und Lauenburg in Kopenhagen, wo er 1826 Kontorchef und Kanzleirat der höchsten Regierungsbehörde der Herzogtümer war. 1830 brach er diese Laufbahn ab und erreichte auf eigenen Wunsch die Ernennung zum Landvogt auf Sylt.
Die Flugschrift von 1830
Auf der Reise zum neuen Amt hielt er sich in Kiel auf und ließ dort eine vierzehnseitige Schrift über das Verfassungswerk drucken, die binnen kurzer Zeit in 9000 Exemplaren umlief. Er forderte eine gemeinsame Repräsentativverfassung für Schleswig und Holstein, die Verlegung der Regierungsbehörden von Kopenhagen in die Herzogtümer und einen eigenen Gerichtshof. Die Schreibweise Schleswigholstein ohne Bindestrich war Programm, ebenso der Satz, nur der König und der Feind seien gemeinschaftlich. Gedacht war an eine Union mit Dänemark, in der Landesherr, Militär und Außenpolitik gemeinsam blieben. Dass der Norden Schleswigs überwiegend dänisch sprach, blieb in der Schrift unberücksichtigt.
Der erhoffte Petitionssturm blieb aus, und in der Aktionsbereitschaft seiner Freunde sah er sich getäuscht. Der dänische Gesamtstaat erfüllte jedoch bald einige Reformforderungen. 1832 antwortete der Kieler Professor Christian Paulsen mit einer Schrift, die für die Achtung der dänischen Sprache in Schleswig eintrat und ebenfalls eine Modernisierung des absolutistischen Staates verlangte; damit begann der Nationalitätenkampf in Schleswig. Nach wenigen Tagen in der Landvogtei in Tinnum wurde Lornsen verhaftet, weil er weiter agitierte, und zu einem Jahr mildester Festungshaft verurteilt.
Exil und Tod
1833 reiste er hoch verschuldet nach Rio de Janeiro. Dort suchte er Heilung für eine Krankheit, von deren Existenz er überzeugt war, ohne dass Ärzte sie bestimmen konnten; er hielt sich für ansteckend und fürchtete, seine Umgebung zu gefährden. Im selbst gewählten Exil schrieb er sein juristisches Vermächtnis über die Unionsverfassung Dänemarks und Schleswigholsteins, das Georg Beseler 1841 herausgab. 1837 kehrte er nach Europa zurück, weil seine Schwester schwer erkrankt war. Als er in Genf von ihrem Selbstmord erfuhr, gab er den Plan auf, nach Sylt zurückzukehren, und nahm sich im Februar 1838 am Genfer See das Leben.
Danach wurde er zur Symbolfigur der schleswig-holsteinischen Bewegung, oft vereinfachend als Märtyrer für ein deutsches Schleswig-Holstein. Das Denkmal von 1878 in Rendsburg nennt ihn den ersten Märtyrer der Sache Schleswig-Holsteins, obwohl sein Tod nicht auf politischer Verfolgung beruhte. In Keitum steht seit 1895 ein Denkmal mit einem Porträtrelief, am Altfriesischen Haus hängt eine Gedenkplatte, und das Sylter Heimatmuseum widmet ihm eine eigene Abteilung. Die Uwe-Düne in Kampen, der höchste Punkt der Insel, trägt seinen Namen, dazu 27 Straßen in Schleswig-Holstein und Hamburg. Seit 1953 verleiht der Schleswig-Holsteinische Heimatbund die Lornsen-Kette für Verdienste um die Kultur des Landes.
Zu den Angaben
Die Lebensdaten folgen der Wikipedia und der früheren Nordfriesland-Datenbank. Die Quellen weichen im Ablauf des Jahres 1830 ab. Die frühere Nordfriesland-Datenbank datiert die Flugschrift auf den Sommer und die Amtsenthebung auf den November 1830, die Wikipedia nennt den 1. November 1830 als Erscheinungstag, den 24. November als Tag der Verhaftung und den 31. Mai 1831 als Amtsenthebung. Auch beim Sterbetag gibt es zwei Angaben, den 11. und den 12. Februar 1838. Diese Seite ist neu geschrieben und übernimmt keine Formulierungen aus der alten Datenbank.