Deichverband
Deichverband ist die Körperschaft, die einen Deichabschnitt unterhält. An der nordfriesischen Küste heißen diese Verbände meist Deich- und Sielverband.
Wasserverbände mit der Aufgabe Hochwasserschutz gibt es an der Küste und an den Flüssen. Oft kommen weitere wasserwirtschaftliche Aufgaben hinzu, etwa die Unterhaltung der Gewässer oder der Betrieb von Schöpfwerken. Rechtlich sind sie Selbstverwaltungskörperschaften, deren Grundlagen das Preußische Wassergesetz von 1913 und das Wasserverbandsgesetz von 1937 gelegt haben. In Küstenschutz und Entwässerung arbeiten sie mit dem Land zusammen.
Vom Nachbarn zur Körperschaft
Die Urform war die Dorfgemeinschaft oder eine Genossenschaft der Anlieger. Wer von der gemeinsamen Arbeit Nutzen hatte, war zugleich Zwangsmitglied, und daran hat sich im Kern nichts geändert. Weil die Schutzbedürfnisse auseinandergingen, trennten sich die Aufgaben: Niederungen brauchten den Deich gegen das Wasser von außen, höhere Lagen den Graben- und Sielbau gegen das Wasser von innen. Aus dieser Unterscheidung gingen Deichverbände und Sielverbände hervor, dazu Verbände für künstliche Entwässerung oder für Bewässerung. Näheres zum älteren Recht steht beim Deichrecht und beim Spadelandesrecht.
Wie streng die Pflicht war, zeigt eine Regel aus dem Sachsenspiegel des 13. Jahrhunderts: Bricht die Flut den Deich, müssen alle Anlieger bei der Wiederherstellung mitarbeiten, und wer seinen Beitrag nicht leistet, verliert sein Land hinter dem Deich. Die Verbände waren Eigentümer der Deichgrundstücke und konnten sie einzelnen Siedlern zur Nutzung überlassen, die dafür Deich und Wege unterhalten mussten. So entstanden hinter neuen Deichen überhaupt erst Dörfer.
Deichstuhl und Heimrat
Alte Namen haben sich in den Gremien gehalten. Aus der Mitgliederversammlung geht der Verbandsausschuss hervor, der auch Erbentag heißt und als höchstes Beschlussorgan die Grundzüge der Arbeit festlegt. Die laufenden Geschäfte führt der Vorstand, Deichstuhl genannt. Ihm steht der Deichgraf vor, und ein Heimrat betreut jeweils einen Bezirk des Verbandsgebiets.
Weiteres regelt eine Satzung, die sich jeder Verband selbst gibt. Die an dieser Küste verbreitete Form ist unter Deich- und Hauptsielverband beschrieben.
Zu den Angaben
Die Namen wechseln von Küste zu Küste: im Oldenburgischen Deichband, in Ostfriesland Deichacht, zwischen Elbe und Weser Deichverband. Der Wikipedia-Artikel behandelt alle Formen gemeinsam. Dieser Eintrag ist neu geschrieben und übernimmt keine Formulierungen aus der früheren Nordfriesland-Datenbank.