Landunter
Landunter heißt es auf den Halligen, wenn das Wasser über das Land läuft und nur noch die Warften trocken bleiben.
Das Grünland der Halligen liegt nur wenig über dem mittleren Hochwasser. Treffen eine Springflut und auflandiger Wind zusammen, reicht das aus: Die Fläche läuft voll, und aus der Hallig werden für einige Stunden mehrere Inseln, nämlich die Warften. Fünf bis zwanzig Mal im Jahr geschieht das, und seit dem Anstieg des Meeresspiegels ab etwa 1850 deutlich häufiger als früher.
Für die Landwirtschaft hat der regelmäßige Salzeintrag Folgen. Weiden und Brunnen versalzen, deshalb halten die Höfe vor allem Rinder und Schafe statt Ackerbau zu treiben. Seit den 1960er Jahren sind die bewohnten Halligen an die Wasserversorgung des Festlandes angeschlossen, das Trinkwasser kommt also nicht mehr aus eigenen Brunnen.
Anders als eine schwere Sturmflut ist das Landunter ein wiederkehrender Zustand, auf den die Halligen eingerichtet sind. Wie die Warften dafür gebaut und später gesichert wurden, steht im eigenen Eintrag. Früher bezeichnete der Ausdruck auch die Überflutung tief gelegener Stellen an der Festlandsküste.
Zu den Angaben
Umgangssprachlich steht Land unter inzwischen für jede Überschwemmung und im übertragenen Sinn dafür, dass jemand seine Aufgaben nicht mehr bewältigt. Gemeint war ursprünglich der Vorgang auf den Halligen und an tief gelegenen Stellen der Festlandsküste. Dieser Eintrag ist neu geschrieben und übernimmt keine Formulierungen aus der früheren Nordfriesland-Datenbank.