Halligen

Halligen sind kleine Marschinseln im Wattenmeer, die kein oder nur ein sehr niedriges Deichband schützt. Zehn von ihnen liegen heute vor der nordfriesischen Küste, sieben davon sind ständig bewohnt.

Eine Hallig ragt nur etwa einen Meter über das mittlere Hochwasser hinaus. Bei starker Flut läuft das Wasser deshalb über das Land, und nur die Warften bleiben trocken. Dieses Landunter gehört zum Alltag, die Häuser stehen einzeln oder in kleinen Gruppen auf aufgeschütteten Hügeln. Die Pflanzenwelt besteht aus salzverträglichen Arten, die der Landschaft ihr eigenes Gesicht geben. Alle Halligen gehören zum Biosphärenreservat Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer.

Wie sie entstanden sind

Erdgeschichtlich sind die Halligen jung. Sie wuchsen im Holozän durch Aufschlickung auf untergegangenem Marschland, auf alten Mooren und Wäldern. Ihre heutige Form verdanken sie Sturmfluten seit dem Mittelalter, besonders der Zweiten Marcellusflut von 1362 und der Burchardiflut von 1634, die die Insel Strand zerbrach. Die zehn Halligen gruppieren sich ringförmig um Pellworm, das selbst keine Hallig ist.

Wasser, Warft und Allmende

Trinkwasser gab es nur aus dem Niederschlag. Beim Bau einer Warft entstand deshalb zuerst der Fething, ein Regenwasserspeicher für das Vieh. Außerhalb der Warft sammelte ein niedrig umwalltes Grabensystem, der Schetel, weiteres Wasser und führte es über eine Leitung in den Fething. Für die Menschen diente der ummauerte Soot. Bis in die 1950er Jahre wurde das Land als Allmende nach einem aufwendigen Aufteilungsverfahren genutzt.

Im 17. und 18. Jahrhundert fuhren die meisten Männer zur See. Als diese Arbeit mit den Kriegen um 1800 wegbrach, lebten die Halligleute wieder von dem, was das Land hergab. Getrockneter Kuhdung, zu Ditten geformt, ersetzte das fehlende Brennmaterial.

Nach der Halligflut von 1825

Bei der Halligflut am 4. Februar 1825 starben 74 Menschen. Seither ist auf den Halligen niemand mehr in einer Sturmflut umgekommen. Der dänische König Friedrich VI. rief damals zu Hilfe auf und besah die Schäden selbst, wobei er auf Hooge übernachtete. Danach begann die Befestigung der Abbruchkanten, die den jahrhundertelangen Landverlust beendete. Mit der 1953 begonnenen Halligsanierung erhielt jedes Wohnhaus einen Schutzraum auf tief gegründeten Betonpfählen.

Durch Dämme mit dem Festland verbunden sind die Hamburger Hallig, Langeneß, Nordstrandischmoor und Oland. Alle dauerhaft bewohnten Halligen hängen inzwischen an den Versorgungsnetzen des Festlands, auf Gröde geschah das zuletzt im Jahr 1976.

Zu den Angaben

Für diese Seite gibt es keinen einzelnen Kartenpunkt, weil sie ein größeres Gebiet beschreibt.

Quellen

  1. Nordfriisk Instituut: Nordfriesland-Datenbank, Eintrag Halligen (Archivfassung 2019)
  2. Wikipedia: Hallig