Wehle

Wehle ist ein tiefes Wasserloch, das ein Deichbruch bei einer Sturmflut hinter dem Deich ausgespült hat.

Bricht ein Deich, schießt das Wasser mit großer Kraft in das tiefer liegende Land. Wo es auftrifft, reißt es den Boden auf und spült ein Loch aus, das mehrere Meter tief werden kann. Solche Auskolkungen entstehen auch dann, wenn der Deich nicht vollständig bricht, sondern nur über- oder unterspült wird. Zurück bleibt ein rundes Stillwasser, das sich mit Regen und Grundwasser füllt.

Warum die Löcher bleiben

Ein Wehl wieder aufzufüllen kostete früher mehr, als die Gemeinschaft aufbringen konnte. Deshalb blieb es meist liegen, und der neue Deich musste um das Hindernis herumgeführt werden. Verläuft er seewärts daran vorbei, spricht man von einem Auslagedeich, landseitig von einem Einlagedeich. Für den auffälligen Bogen, den die Deichlinie dabei beschreibt, ist auch der Name Halbmond überliefert. An solchen Stellen lässt sich die Geschichte einer Flut noch im Kartenbild ablesen.

Vom Wehl zum Brackwasser

Das Wasser in einem frisch ausgespülten Loch an der Küste ist salzig, süßt aber über die Jahre aus. Aus dieser Mischung entstand das Wort Brackwasser, das als Lehnwort in andere Sprachen gewandert ist. Wehle liegen nicht nur an der offenen Küste, sondern auch an den Tideflüssen: An der Elbe sind zahlreiche erhalten, und eine Aufstellung von 1804 zählte auf einem einzigen Abschnitt 29 Stück.

Ein Wehl ist damit ein Zeuge einer einzelnen Sturmflut, und zwar einer, die den Deich geöffnet hat. Wie ein Deich aufgebaut ist und wo er nachgibt, steht beim Deichbau. Vom Brök unterscheidet sich das Wehl darin, dass dieses keine offene Verbindung zum Meer hält, sondern hinter dem Deich in der Marsch als Stillwasser liegt.

Zu den Angaben

Wehle ist die in Schleswig-Holstein gebräuchliche Bezeichnung. Die Wikipedia führt den Begriff unter dem niederdeutschen Wort Brack, das an der Elbe und weiter westlich üblich ist. Dieser Eintrag ist neu geschrieben und übernimmt keine Formulierungen aus der früheren Nordfriesland-Datenbank.

Quellen

  1. Wikipedia: Brack