Marsch

Marsch ist das flache Land an der Küste, das aus Meeresablagerungen aufgebaut ist und ohne Entwässerung nicht bewohnbar wäre.

Marschen sind ebene Landstriche ohne natürliche Erhebungen. Ihre Oberfläche liegt ungefähr in Höhe des Meeresspiegels, zwischen Wattenmeer und Salzwiesen auf der einen Seite und dem Geestrand auf der anderen. Darunter folgen eiszeitlich geformte Schichten, mancherorts nur Dezimeter tief, andernorts erst nach mehreren Metern; an der Geest liegen dieselben Schichten offen. Geologisch gehört die Marsch damit zu den jüngsten Bildungen überhaupt.

Wie Marsch entsteht

Am Anfang steht das Watt. An Pionierpflanzen setzt sich Schwebstoff ab, die Salzwiese verlandet, und die Fläche wächst nach oben. Laufen Sturm- und Springtiden über die Salzwiese, verlieren die Wellen am Rand der Brandung an Kraft und lassen dort liegen, was sie mitgebracht haben. Am stärksten wächst eine Marsch, solange sie noch nicht weit über den Meeresspiegel hinausgewachsen ist.

So bildet sich direkt an der Küste eine leicht erhöhte Zone, das Hochland. Weiter landeinwärts lagert sich nichts mehr ab, dort bleibt das tiefer gelegene Sietland zurück. Steigt der Meeresspiegel oder senkt sich das Land, wächst der Höhenunterschied zwischen beiden und kann mehrere Meter betragen. Teile der Oberfläche können sogar unter das Tidenniedrigwasser sinken.

Ohne Entwässerung kein Land

Gräben, Wettern und Siele halten die Marsch trocken, heute unterstützt von Schöpfwerken. Bliebe das Wasser stehen, würden sich Moorflächen entwickeln. Die Trockenlegung hat den Boden allerdings absacken lassen, teilweise unter den Meeresspiegel. Die tiefste Landstelle Deutschlands liegt deshalb in einer Marsch: 3,54 Meter unter dem Meeresspiegel am Ortsrand von Neuendorf-Sachsenbande in der Wilstermarsch. Eingedeichte Marschflächen heißen in Schleswig-Holstein Koog, in Niedersachsen Groden oder Heller und in den Niederlanden Polder.

Junge und alte Marsch

Die Bodentypen bilden eine zeitliche Reihe, die beim Watt beginnt. Ganz frisch ist die Rohmarsch der Salzwiese, nach der Eindeichung folgt über etwa 300 Jahre die Kalkmarsch, danach bis rund 600 Jahre die Kleimarsch. Altmarschen sind etwa ab einem Jahrtausend erreicht, in Deutschland maximal 2500 Jahre alt. Treibend dahinter stehen chemische Vorgänge: Belüftet sich der Boden, oxidiert das schwarze Eisensulfid des Watts, dabei wird Schwefelsäure frei und löst den Kalk schnell heraus. Gleichzeitig süßt der Boden aus, weil Natrium und Magnesium ausgewaschen werden.

Fruchtbar und lange abgegrenzt

Junge Marschböden gelten als sehr fruchtbar. Der Klei ist feinkörnig und nährstoffreich, das Küstenklima ausgeglichen, Fröste bleiben seltener als im Binnenland. Die zahlreichen Entwässerungsgräben schützen im Frühjahr vor Frost und im Sommer vor Hitze, und der hohe Grundwasserstand versorgt die Pflanzen besser als auf der Geest. Auf dem Sietland herrscht wegen der schwierigen Entwässerung meist Grünland vor.

Die guten Böden haben auch die Geschichte geprägt. Auf ihnen beruhte der lange Bestand bäuerlicher Selbstverwaltung an der Westküste. Bis ins 20. Jahrhundert grenzten sich Marschbewohner von den ärmeren Geestbewohnern ab, sogar bei der Wahl der Ehepartner. Wo Deiche fehlten, etwa auf den Halligen, standen Häuser und Höfe stattdessen auf einer Warft.

Zu den Angaben

Die deutsche Bodensystematik führte die Marschen bis 2024 als eigene Klasse. Seither zählen die Bodentypen zu den Marschgleyen oder zu den Pseudogleyen, die Namen der einzelnen Typen haben sich dabei geändert. Dieser Eintrag ist neu geschrieben und übernimmt keine Formulierungen aus der früheren Nordfriesland-Datenbank.

Quellen

  1. Wikipedia: Marschland