Lembecksburg

Lembecksburg ist ein Ringwall bei Borgsum auf Föhr, der weithin sichtbar aus der Marsch aufragt.

Die Burg liegt nördlich von Borgsum auf einem niedrigen Geestkern, also auf eiszeitlichem Untergrund inmitten der jüngeren Marsch. Im Norden schützte sie ein Sumpfgebiet, dazu ein Graben, der heute nur noch teilweise erhalten ist; auf dem Wall stand eine Palisade. Wahrscheinlich gab es auch nordwärts ein Tor. Bevor der Föhrer Marschkoog im frühen 16. Jahrhundert eingedeicht wurde, führte ein schiffbarer Priel, also eine Rinne im Watt, von hier direkt in die Nordsee.

Was die Ausgrabungen ergaben

Unter Leitung des Archäologen Herbert Jankuhn wurde 1951 und 1952 gegraben. In einer oberen Siedlungsschicht standen Häuser entlang einem rings umlaufenden Weg; sie gingen bei einem Brand zugrunde. Darunter lagen ältere Häuser aus dem 9. Jahrhundert. Freigelegt sind bisher nur kleine Abschnitte, erkennbar wurden wenigstens vier einfache Sodenwandhäuser am Wallfuß, radial angeordnet, mit hölzernen Dächern und Giebeltüren zu einem gepflasterten Weg. Daneben fand sich ein Brunnen, und eine Vertiefung in der Mitte der Anlage deutet auf einen weiteren.

Die Fundmenge ist gering. Knochen von Jagdtieren und vom Hausschaf lassen darauf schließen, dass die Burg nur zeitweilig bewohnt war. Die Keramik gehört zur Nordseegruppe, dazu kam eingeführte Pingsdorfware; Metallfunde und andere Gegenstände sind für eine Zeitstellung wenig aussagekräftig. Scherben aus Jungsteinzeit und Eisenzeit zeigen, dass die Geestkuppe lange vor den Friesen besiedelt war, ebenso in den ersten Jahrhunderten nach Christus und erneut in der Völkerwanderungszeit.

Wozu die Burg diente

Darüber gibt es nur Vermutungen. Die Lage im Inselinneren spricht für eine Fluchtburg der einheimischen Bevölkerung, die Lage am schiffbaren Wasserarm für einen Stützpunkt dänischer Herrschaft im südlichen Nordseeraum. Vergleichbare Anlagen stehen an der südlichen Nordseeküste, in Dänemark dagegen nicht, weshalb ein Zusammenhang mit dem Reich Göttriks erwogen wird. Für Verbindungen zwischen Föhr und Friesland im 9. Jahrhundert spricht der Bericht der Fuldaer Annalen über den Normannen Rorik, der zugleich karolingischer Lehnsmann in Friesland und dänischer Lehnsmann im Land zwischen Eider und Meer war. Eine Siedlung ist aus dem Burgwall nie geworden.

Den Namen trägt die Anlage nach dem Ritter Klaus Lembeck, dänisch Claus Limbek, der im 14. Jahrhundert Amtmann der Harde Westerlandföhr und einer der Anführer der Opposition gegen König Waldemar IV. war. Der Überlieferung nach belagerte ihn ein Heer des Königs hier, bis er fliehen musste, nachdem sich die Friesen der Inseln dem König angeschlossen hatten. Nach anderen Quellen setzte Lembeck, der auf Burg Törning bei Hadersleben wohnte und die Troyburg bei Tondern besaß, nie selbst einen Fuß auf die Insel, sondern erst sein Sohn und Amtsnachfolger Henneke Limbek. Die Archivfassung nennt für den Kriegszug das Jahr 1377 und hält es für unwahrscheinlich, dass Lembeck in der viel älteren Anlage lagerte.

Verwandte Einträge

Zu den Angaben

Der alte Pfad dieser Seite schreibt den Namen mit h, die Anlage heißt Lembecksburg. Bei der Höhe nennt die frühere Nordfriesland-Datenbank etwa zehn Meter, die Wikipedia acht bis zehn. Die Datierung ist offen: Die Ausgrabungen führten auf das 10. und 11. Jahrhundert, wegen der Neudatierung der Archsumburg wird auch eine eisenzeitliche Entstehung erwogen. Dieser Eintrag ist neu geschrieben und übernimmt keine Formulierungen aus der früheren Nordfriesland-Datenbank.

Quellen

  1. Nordfriisk Instituut: Nordfriesland-Datenbank, Eintrag Lembecksburg (Archivfassung 2019)
  2. Wikipedia: Lembecksburg