Wittdün

Friesisch: Witjdün

Wittdün ist eine Gemeinde im Kreis Nordfriesland, im Süden der Insel Amrum. Auf 2,61 Quadratkilometern leben 739 Einwohner (Stand Ende 2025).

Der Name bedeutet weiße Düne, nach nordfriesisch witj und dün. Er weist darauf hin, dass der Süden Amrums bis zum Ende der 1880er Jahre unbesiedeltes Dünengelände war. Anders als die übrigen Inselorte ist Wittdün deshalb jung: gegründet wurde er 1890 an einem neuen Fähranleger zum Festland, und zwar ausdrücklich als Urlaubsort. Hintergrund war die Sorge vieler Amrumer, die inselfriesische Kultur könne durch Badegäste verfallen; die Konzentration des beginnenden Bädertourismus auf einen Ort im Süden sollte die alten Dorfgemeinschaften schützen.

Gründung eines Seebades

Einen ersten Antrag auf ein Seebad hatte die Gemeinde Amrum 1885 noch abgelehnt. 1889 kaufte der Süddorfer Kapitän und Strandvogt Volkert Martin Quedens mehrere Hektar Dünenland an der Südspitze, ließ eine Unterkunft aus Wellblech-Fertigteilen mit 29 Gästezimmern bauen und eröffnete die erste Badesaison. Kurz darauf entstand das Strandhotel des Helgoländer Kapitäns Paul Köhn, an den bis heute ein Fußweg erinnert. Am 10. Mai 1890 erteilte die Provinzialregierung in Schleswig die Badekonzession. Zwei Jahre später errichtete die Aktiengesellschaft Wittdün-Amrum des Tonderner Hoteliers Heinrich Andresen das Kurhaus, den Kaiserhof und weitere Hotels und Logierhäuser.

Vier Schiffslinien fuhren den Badeort in der Saison an, und 1893 entstand für den Weg zum Kniepsand ein Vorläufer der Amrumer Inselbahn. Die hölzerne Uferpromenade am Südstrand wurde 1914 nach Sturmflutschäden durch eine gemauerte ersetzt. Im Sommer 1895 zählte der Ort etwa 2.600 Gäste und lebte ausschließlich vom Fremdenverkehr. Lange wurde Wittdün als Kolonie geführt, bis es am 13. Oktober 1912 aus der Gemeinde Amrum ausgegliedert und selbstständig wurde.

Konkurse, Kinderheime, Apartments

Schon 1906 musste die Aktiengesellschaft Konkurs anmelden. Der auf die wilhelminische Gesellschaft ausgerichtete Bädertourismus brach mit dem Ersten Weltkrieg zusammen, und die Jahre bis in die frühen 1920er waren von Konkursen und Immobilienspekulation geprägt. Der Zweite Weltkrieg wiederholte den Einbruch, die Inselbahn wurde 1939 eingestellt. Nach dem Krieg nahmen die Hotels Flüchtlinge und Vertriebene auf, viele Häuser wurden Kinderheime; bis in die 1960er Jahre gab es doppelt so viele Heim- wie Kurgastbetten. Mit dem Kurmittelhaus von 1956 erhielt Wittdün den Status eines Heilbades.

In den 1970er Jahren verloren die Kinderheime an Bedeutung, viele wurden abgerissen und durch Apartmenthäuser ersetzt. Auch das Kurhaus von 1892, das die Silhouette der Südspitze geprägt hatte, fiel 1974. Sein Grundstück blieb in Gemeindebesitz und wurde später mit Häusern für Einheimische bebaut. In dieser Zeit wurde der Ort zum Mittelpunkt des Amrumer Geschäftslebens. Die evangelische Kapelle von 1903 geht auf Pläne des Hamburger Architekten Hugo Groothoff zurück.

Der Ort erstreckt sich entlang der Inselstraße etwa einen Kilometer von der Südostspitze nach Westen und hat mit seinen Geschäftshäusern teils kleinstädtisches Gepräge. Die nach Osten zeigende Südspitze umgibt eine doppelte Wandelbahn, westlich liegen Campingplätze und mehrere Dünenseen, darunter der Wriakhörnsee. Im einzigen Fährhafen Amrums legen die Schiffe nach Dagebüll, nach Wyk auf Föhr und zeitweise über Hooge und Langeneß nach Schlüttsiel an. Verbindungen bestehen außerdem nach Hörnum und nach Nordstrand. Im Seezeichenhafen nördlich des Ortes liegen unter anderem ein Tonnenleger und ein Seenotrettungskreuzer.

Zu den Angaben

Einwohnerzahl und Fläche stammen aus dem Gemeindeverzeichnis des Statistischen Bundesamtes, Stichtag 31. Dezember 2025. Amtlich heißt die Gemeinde seit dem 27. April 2009 Wittdün auf Amrum. Die alte Nordfriesland-Datenbank führte den Eintrag unter der kurzen Form. Der Punkt auf der Karte stammt aus OpenStreetMap und zeigt die ungefähre Lage, nicht die Grenzen.

Quellen

  1. Nordfriisk Instituut: Nordfriesland-Datenbank, Eintrag Wittdün (Archivfassung 2019)
  2. Wikipedia: Wittdün auf Amrum
  3. Statistisches Bundesamt: Gemeindeverzeichnis, Gebietsstand 31.12.2025, Datenlizenz Deutschland Namensnennung 2.0
  4. Lage: © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL