Friesenrat

Der Friesenrat vertritt die gesamtfriesischen Interessen nach außen. Er setzt sich aus den drei örtlichen Friesenräten in der Provinz Fryslân, in Ost-Friesland sowie in Nordfriesland und auf Helgoland zusammen.

Kontakte zwischen den Friesen der drei Regionen gab es verstärkt seit dem 19. Jahrhundert, besonders zwischen West- und Nordfriesen. 1925 richtete Peter Zylmann in Jever eine Zusammenkunft aus, die später als erster Friesenkongress gezählt wurde. Aus den Nachfolgeveranstaltungen entstand ab 1928 der Plan eines gemeinsamen Rates, der 1930 in Husum gegründet wurde.

Die Jahre 1933 bis 1945

Zum Nationalsozialismus war das Verhältnis ambivalent. Zunächst gab sich der Rat betont unpolitisch, denn sowohl die deutsche als auch die niederländische Regierung beobachtete ihn misstrauisch. Die Nationalsozialisten lehnten internationale Kongresse ab, versuchten ab 1933 aber, über die bestehenden Kontakte und die Volkstumsideologie Einfluss auf die Friesen in den Niederlanden zu gewinnen. Der vierte Friesenkongress 1937 in Medemblik wurde für Propagandazwecke verwendet. Nach der Besetzung der Niederlande im Mai 1940 ließen sich dafür führende Ostfriesen und deutsch gesinnte Westfriesen einbinden.

Im Mai 1941 entstand eine neue Organisation mit dem Namen Fryske Rie, die die verbliebenen westfriesischen Kulturaktivitäten aufnehmen sollte. Sie war eine Abteilung der Stiftung Saxo-Frisia, die mit dem SS-Ahnenerbe verbunden war und unter dem Groninger Universitätsrektor Johannes Kapteyn stand. Kontakte zu deutschen Schwesterorganisationen wurden unterbunden, weil die Behörden ein Aufflammen regionaler Gefühle für schädlich hielten. 1944 wurde die Organisation aufgelöst.

Neuanfang nach 1945

Dass es überhaupt weiterging, war vor allem den niederländischen Friesen zu verdanken, die den Friesen in Deutschland trotz des Krieges wieder die Hand reichten. Eine Brücke bildeten dabei die Vertreter der dänisch gesinnten Friisk Foriining und die vertriebenen Bewohner Helgolands. Schon 1952 kam wieder ein Friesenkongress zusammen. Drei Jahre später beschlossen die Teilnehmer am Upstalsboom bei Aurich das Friesische Manifest, das die interfriesische Bewegung mit der europäischen Einigung verband. Ein Jahr später wurde der Rat in Leer neu begründet, und 1999 schlossen sich die drei Sektionen zu einem Verein zusammen.

Aufgaben heute

Im Friesengremium des Landtags in Kiel spricht der Rat für die friesische Volksgruppe. Außerdem sitzt er in der niederländischen Sektion des Europäischen Büros für Sprachminderheiten. Den Vorsitz übernehmen die drei Sektionen abwechselnd für jeweils drei Jahre.

Am Ende jeder Vorsitzperiode richtet der Rat in einem der drei Frieslande den Friesenkongress aus, im Jahr darauf auf Helgoland das Kulturfestival Friesen-Droapen, das im Schnitt etwa fünfhundert Gäste anzieht. Regelmäßig kommen außerdem Berufsgruppen zusammen, darunter Lokalpolitiker, Lehrer, Studenten, Landfrauen und Bauern. Zum 50. Jahrestag erschien am 9. Februar 2006 eine Sonderbriefmarke.

Zu den Angaben

Der Friesenrat ist nicht mit der Fryske Rie von 1941 zu verwechseln, einer Mantelorganisation im Umfeld des SS-Ahnenerbes. Dieser Eintrag ist neu geschrieben und übernimmt keine Formulierungen aus der früheren Nordfriesland-Datenbank.

Quellen

  1. Wikipedia: Friesenrat