Friesische Literatur

Friesische Literatur ist die Literatur in den nordfriesischen Mundarten. Eine einheitliche Schriftsprache und damit eine einzige nordfriesische Literatur gibt es nicht.

Wer sich zugehörig fühlte, fühlte sich zur nächsten Umgebung zugehörig. Deshalb gibt es je eine friesischsprachige Literatur für Sylt, für Helgoland, für Föhr mit Amrum und für das Festland. Das kleine Gebiet stärkte die Eigenverantwortung: Wer die eigene Sprache bedroht sah, trug Wörterbücher, Lesebücher und Liedersammlungen zusammen und versuchte sich oft auch selbst als Autor. Über das eigene Mundartgebiet hinaus wirkten diese Arbeiten aber selten. Selbst das nordfriesische Flaggenlied von Albrecht Johannsen ist fast nur auf dem Festland bekannt, denn auf den Inseln singt man eigene Hymnen.

Späte Anfänge

Abgesehen von Märchen, Sagen und einzelnen Liedern setzt die Literatur erst in der Romantik ein. Als ältestes schriftliches Zeugnis der Sprache gilt eine Übertragung von Luthers Kleinem Katechismus in zwei Mundarten, entstanden um 1600. Eine Bibelübersetzung wurde nicht begonnen, und Kirchensprache wurde Friesisch nicht; erst im 20. Jahrhundert kamen Bemühungen um Friesisch im Gottesdienst dazu, 2000 erschien ein umfassendes Gesangbuch. Der Küster Peter Michael Clemens aus Morsum übersetzte Psalmen und Neues Testament ins Sylterfriesische, doch sein Text blieb ungedruckt und kam erst rund hundert Jahre später wieder zum Vorschein.

Genau darin liegt ein Grundproblem: Überlieferung und Kontinuität waren lückenhaft. Liegen blieb auch, was der Kaufmann Boy Jacobsen aus Sterdebüll als erster an einem nordfriesischen Wörterbuch erarbeitet hatte, und dazu mancher literarische Text. Weil Schriftlichkeit dem Hochdeutschen zugeordnet war und Friesisch in den Schulen kaum vorkam, blieben die meisten Nordfriesen in ihrer Muttersprache Analphabeten. Briefe, Glückwunschkarten und Tagebücher schrieb man deutsch.

Von Jap Peter Hansen bis Jens Mungard

Das erste gedruckte Buch in der Sprache kam 1809 in Flensburg heraus, die Komödie "Der Geitzhals auf der Insel Silt". Verfasst hatte sie auf seinen Seereisen Jap Peter Hansen, damals Seemann und später Küster, samt einer selbst entwickelten Rechtschreibung, deren Grundzüge zum Teil bis heute wirken. Das Stück um einen wohlhabenden, aber geizigen Bauern in Keitum ist von Molière und Holberg beeinflusst und wurde in andere Mundarten übertragen. 1833 folgte mit "Di lekkelk Stjüürman" die erste längere Erzählung, knapp 50 Druckseiten stark.

Im 19. Jahrhundert sammelte Christian Peter Hansen Sylter Sagen und Märchen und wurde als Chronist der Insel bekannt. Für Föhr und Amrum legte der Lehrer Christian Johansen den Grundstein, beliebt blieben die Verse, die der Seemann Simon Reinhard Bohn aus Alkersum hinterließ. Auf dem Festland dichteten Johannes Hansen aus Fehsholm und der Lehrer Moritz Momme Nissen, dessen umfangreiches gesamtnordfriesisches Wörterbuch nie gedruckt wurde. Die ersten helgoländischen Gedichte stammen von dem Schiffskapitän Hans Frank Heikens.

Blütezeit und Gegenwart

Mit der Heimatbewegung um 1900 begann eine Blütezeit, zunächst wieder auf Sylt, wo der Fremdenverkehr die Sprache bedrohte. Vom Zeitungsverleger Christian Peter Christiansen stammt die Sylter Hymne, der Zimmermann Erich Johannsen schrieb zahlreiche Theaterstücke mit Gesangseinlagen. Als bedeutendster Dichter gilt der Keitumer Bauer Jens Mungard, der sich in einem Gedicht mit der Stranddistel verglich; für seine Freiheitsliebe und seine Unangepasstheit starb er im Konzentrationslager Sachsenhausen. Politische Gedichte gegen die nationalsozialistische Ideologie verfasste außer ihm fast niemand.

Als Höhepunkt der Literatur von Föhr und Amrum gilt das Werk des Studienrats Lorenz Conrad Peters, dessen Komödie "Oome Peetje ütj Amerika" von 1923 die überseeischen Verbindungen der Insel aufgreift. Während der Evakuierung ihrer Insel veröffentlichten Helgoländer Gedichte und Erzählungen, unter ihnen James Krüss, der später als deutschsprachiger Kinderbuchautor bekannt wurde. 1976 erschien der Band "friisk fees" mit modernen Gedichten von sieben Autoren, 1990 erhielt Ellin A. Nickelsen den ersten Preis eines Literaturwettbewerbs für die Novelle "Jonk Bradlep". An den Wettbewerben des Nordfriisk Instituut und der Ferring Stiftung beteiligten sich überraschend viele Schreibende, an dem für Kurzprosa 47 Autorinnen und Autoren.

Auflagen bleiben klein, friesische Bücher sind ein Zusatzgeschäft, und Land und Bund fördern Veröffentlichungen deshalb besonders. Zusammengekommen sind in zwei Jahrhunderten trotzdem mehrere hundert Bücher und einige tausend Zeitungs- und Zeitschriftenbeiträge. Erschwert wurde das durch die kleine Sprecherzahl, die Aufgliederung in Mundarten, die fehlende schriftsprachliche Tradition vor dem 19. Jahrhundert und die spät festgelegten Rechtschreibregeln.

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Zu den Angaben

Einen Wikipedia-Artikel zu diesem Stichwort gibt es nicht, die Angaben folgen der Archivfassung von 2009. Ein Roman in Buchform war bis dahin nicht erschienen. Dieser Eintrag ist neu geschrieben und übernimmt keine Formulierungen aus der früheren Nordfriesland-Datenbank.

Quellen

  1. Nordfriisk Instituut: Nordfriesland-Datenbank, Eintrag Friesische Literatur (Archivfassung 2009)