Jens Emil Mungard

Jens Emil Mungard, geboren 1885 in Keitum, gestorben 1940 in KZ Sachsenhausen bei Berlin war eine Person der nordfriesischen Geschichte.

Als ältester Sohn des Sprachforschers Nann Peter Mungard wandte sich Mungard früh den Büchern, der Dichtung und den Sagen zu. Seine Mutter starb, als er drei Jahre alt war, aufgezogen wurde er danach von ihrer Schwester. Der Vater förderte die Beschäftigung mit dem Friesischen, mischte sich aber auch beim erwachsenen Sohn in dessen persönlichste Angelegenheiten ein. Vorbild war ihm die Arbeit der Westfriesen, die an einer einheitlichen Rechtschreibung und am Ausbau ihrer Sprache arbeiteten.

Gedichte in der Zeitung

Gedruckt wurden erste Gedichte 1909 in Boy Peter Möllers Söl'ring Leesbok, 1911 dann in der Sammlung Söl'ring Dechtings en Leedjis, die Andreas Hübbe herausgab. Viele weitere nahm die Sylter Zeitung auf, vor allem in der Beilage Fuar Söl'ring Lir, die ab 1926 erschien und von Hermann Schmidt bearbeitet wurde. Neben der Lyrik schrieb Mungard Theaterstücke und Prosa im Sölring, dazu deutschsprachige Aufsätze zur Heimatkunde der Insel. Als herausragender Dichter in nordfriesischer Sprache wurde er erst lange nach seinem Tod erkannt.

Der verlorene Hof

1910 heiratete Mungard und übernahm den väterlichen Hof in Keitum. Wirtschaftlich kam er damit nicht zurecht, und auf der Insel geriet er ins Abseits, zumal er sich bei der Volksabstimmung 1920 wie sein Vater für einen Anschluss an Dänemark aussprach. 1921 brannte der Hof ab, kurz darauf auch ein Haus, das er in Archsum gekauft hatte. Am Ende standen der Verlust des Hofes, die Scheidung und die Entmündigung. 1934 verließ er Sylt und hielt sich danach in der Gegend um Flensburg und zeitweise in Dänemark über Wasser.

Gedichte gegen das Regime

Vom nationalsozialistischen Staat erwartete Mungard zuerst, dass er das Friesische fördere, für dessen Eigenständigkeit er immer eingetreten war. Bald erkannte er den freiheitsfeindlichen Charakter der neuen Machthaber, klagte ihn in Gedichten an und verspottete einzelne Handlungen offen. Damit stand er unter den Heimatdichtern in Deutschland weitgehend allein. 1935 wurde er erstmals verhaftet, danach mehrfach in Schutzhaft genommen; ein Haftbefehl von 1936 warf ihm wegen seiner Kontakte zu niederländischen Westfriesen vor, das Ansehen des Deutschen Reiches im Ausland zu schädigen. 1938 erhielt er Schreibverbot, hielt sich nicht daran und wurde erneut verhaftet.

Die Lagerhaft dauerte 377 Tage und endete wenige Tage nach seinem 55. Geburtstag mit dem Tod. An seinem letzten Wohnort in Keitum liegt ein Stolperstein, und 2011 erhielt dort ein Weg seinen Namen, der Jens-Mungard-Wai. Seit Oktober desselben Jahres steht in der Gedenkstätte Sachsenhausen eine Stele, die seine Verse über die Stranddistel wiedergibt.

Verwandte Einträge

Zu den Angaben

Die Lebensdaten folgen der Wikipedia und der früheren Nordfriesland-Datenbank. Zum Umfang des lyrischen Werks gehen die Angaben auseinander: Die Wikipedia nennt über 700 Gedichte, die frühere Nordfriesland-Datenbank annähernd 800 nach der Gesamtausgabe von 1995. Auch der Zeitpunkt der Einlieferung in das Konzentrationslager wird verschieden datiert, auf Anfang Februar 1939 und auf März 1939. Diese Seite ist neu geschrieben und übernimmt keine Formulierungen aus der alten Datenbank.

Quellen

  1. Nordfriisk Instituut: Nordfriesland-Datenbank, Eintrag Mungard, Jens Emil (Archivfassung 2018)
  2. Wikipedia: Jens Emil Mungard