Walfang

Walfang war zwischen etwa 1650 und 1800 der wichtigste Verdienst der Männer auf den nordfriesischen Inseln und Halligen.

Seit 1596 galt das Meer zwischen Grönland und Spitzbergen als Aufenthaltsort riesiger Walbestände. Fangflotten rüsteten daraufhin die Niederlande und England aus, ebenso Frankreich und Dänemark; auf deutscher Seite kamen Hamburg, Altona und Bremen hinzu. Für die Männer der Inseln und Halligen kam diese Gelegenheit zur rechten Zeit, denn die Landwirtschaft ernährte die wachsende Bevölkerung nicht mehr und der Heringsfang war zurückgegangen. Viele heuerten auf niederländischen und Hamburger Schiffen an. Bis ins späte 18. Jahrhundert bestimmte die Seefahrt das Leben auf den Inseln.

Im Februar oder März begann die Saison. Mit Schmackschiffen reisten die Männer nach Altona, Hamburg, Bremen, Amsterdam oder Kopenhagen und brachen von dort ins Eismeer auf. Während der monatelangen Abwesenheit führten die Frauen die Höfe allein. Wer sich bewährte, stieg zum Bootsmann, Steuermann, Harpunier, Speckschneider, Schiffszimmermann oder Kommandeur auf, und mit dem Aufstieg kam Geld auf die Inseln. Als erfolgreichste Kommandeure gelten der Föhrer Matthias Petersen mit 373 erbeuteten Walen und der Sylter Lorens Petersen de Hahn mit 169.

Die Jagd

Ein Fangschiff war mit 30 bis 40 Metern kaum länger als die Beute, harpuniert wurde aus wenige Meter großen Schaluppen. Angehen mussten die Boote den Wal von vorn oder von hinten, also aus der Richtung, in die er nicht sieht, um auf fünf bis zehn Meter herankommen zu können. Saß die Harpune im Speck, floh das Tier, und aus dem Wurf wurde eine Verfolgung. Lebensgefährlich wurde es, wenn ein flüchtender Wal die sechs Mann im Boot unter das Eis zog; dann blieb nur, die Leine sofort zu kappen. Den Todesstoß versetzte ein Lanzenmesser in Herz oder Lunge.

Was aus einem Wal wurde

Zerlegt wurde das Tier am Fangschiff, der Speck kam in Fässer und wurde im Heimathafen zu Tran gebrannt, etwa 17.000 Liter je Wal. Damit brannten die Straßenlaternen europäischer Großstädte, und entsprechend gut wurde der Speck bezahlt. Aus den Barten, dem sogenannten Fischbein, entstanden Korsettstangen, Schirmstäbe, Knöpfe, Lineale, Kämme und Sprungfedern für Kutschen. Lebertran wurde aus der Leber gewonnen. Walknochen ersetzten auf den holz- und steinarmen Inseln Balken, Pfosten und Grenzmarken, auf der dänischen Insel Röm sogar Bänke und Kirchenstühle.

Ein Andenken eigener Art sind die Scrimshaws: in Pottwalzähne geritzte und schwarz ausgelegte Bilder, die Szenen aus Seefahrt und Jagd zeigen. Ab etwa 1750 gingen die Erträge zurück, weil zu viele Tiere getötet worden waren. Ein Teil der Seeleute ging zur Handelsschifffahrt über, ein anderer machte Jagd auf Robben. Erst nach den Kriegen um Napoleon erholte sich das Geschäft wieder, und das nur bescheiden; 1872 kehrte das letzte deutsche Segelschiff von einer Fangreise nach Bremerhaven zurück. Womit die Insulaner danach ihr Geld verdienten, steht beim Eintrag zur Seefahrt.

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Zu den Angaben

Die frühere Nordfriesland-Datenbank nennt für die Sommermonate vor Spitzbergen rund 250.000 Menschen auf etwa 5.000 Schiffen. Diese Größenordnung ist sonst nicht belegt: Für die Zeit um 1840 sind weltweit etwa 900 Fangschiffe überliefert. Die Zahl bleibt hier deshalb außen vor. Dieser Eintrag ist neu geschrieben und übernimmt keine Formulierungen aus der früheren Nordfriesland-Datenbank.

Quellen

  1. Nordfriisk Instituut: Nordfriesland-Datenbank, Eintrag Walfang (Archivfassung 2019)
  2. Wikipedia: Walfang