Seefahrt
Seefahrt ernährte Nordfriesland über Jahrhunderte: ein großer Teil der Männer fuhr als Walfänger oder Handelsseefahrer zur See.
Weil Friesen die Kleine Fahrt und die Küstenschifffahrt beherrschten, hieß die Nordsee im Lateinischen nach ihnen. Sie besorgten den Warenaustausch zwischen den Anrainern. Im Mittelalter zählte für die Nordfriesen vor allem der Export von Salz nach Skandinavien und ins Baltikum. Mit den wachsenden Wirtschaftsbeziehungen entstanden entlang der Westküste Handelsflotten, die Agrarprodukte nach Westeuropa und Skandinavien brachten. Dafür brauchte es mittelgroße Schiffe wie Galeassen und Schoner mit über 30 Kommerzlast, den Verkehr zwischen Inseln und Küste bestritten aber kleinere Typen unter zehn Kommerzlast: Bojer, Eiderschnigge, Ewer und Prahm.
Große Fahrt und Walfang
Etwa ab 1650 und bis um 1800 fuhren Tausende Nordfriesen über die Weltmeere. Auf Sylt, Amrum, Föhr und den Halligen arbeitete ein sehr hoher Anteil der Männer im Walfang oder als Handelsseefahrer. Krankheiten, Schiffsunglücke, Piratenüberfälle und Versklavung kosteten viele das Leben. Trotzdem war das Auskommen auf See sicherer als in der kargen Landwirtschaft der Inseln.
Ihre Rechen- und Steuerkünste erwarben die Seefahrer in eigenen Navigationsschulen. Deshalb kamen aus Nordfriesland verhältnismäßig viele Steuerleute und Kapitäne, die zur bestimmenden sozialen Schicht wurden. Davon zeugen noch die aufwendigen Grabsteine auf den Inselfriedhöfen.
Was an Land ankam
Monate oder Jahre lang trugen die Kapitäne allein die Verantwortung für Schiff und Mannschaft, ohne jede Möglichkeit, sich mit dem Reeder abzustimmen. Kapitän Haye Laurens von der Hallig Hooge fuhr für eine Reederei in Riga und nahm 1793 auf eigene Verantwortung den Bruder des wenige Monate zuvor hingerichteten Königs von Frankreich an Bord, der so den Revolutionären entkam. Der Sylter Kapitän Jürgen Jens Lorensen führte in derselben Zeit in Paris einen wochenlangen Prozess für seinen Reeder. Sein Sohn war Uwe Jens Lornsen, der aus der Seefahrertradition seiner Vorfahren Anregungen für sein politisches Denken zog.
Die Heimkehrer brachten im Herbst neue Moden mit. Fliesen, Möbel, Kleidung und Schmuck aus vielen Ländern zierten die Stuben und die Seemannsfrauen, die während des Walfangs vom Frühjahr bis zum Herbst und in der Handelsschifffahrt oft Jahre lang allein zurechtkommen mussten.
Vom Ausfuhrhafen zur Fähre
Ab den 1840er Jahren wurden Husum und Tönning zu den Hauptausfuhrhäfen für die wachsenden Agrarexporte. Schlachtrinder gingen nach England, auf dem Rückweg kam Steinkohle. Mit der beginnenden Industrialisierung kamen mehr Energieträger, Baustoffe und Rohstoffe herein. Die Kleinschifffahrt, die Inseln, Halligen und die von Land schwer erreichbaren Marsch- und Moorgebiete versorgte, wuchs bis zum Ende des 19. Jahrhunderts.
Im 20. Jahrhundert verloren die kleinen Häfen und Wasserwege ihre Bedeutung an Eisenbahn, Straße und große Dampfschiffe. Geblieben sind Fischerei, Fähr- und Ausflugsschifffahrt sowie der Sportbootverkehr.
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Zu den Angaben
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