Drelsdorf
Friesisch: Trölstrup · Dänisch: Trælstrup
Drelsdorf ist eine Gemeinde im Kreis Nordfriesland, auf der Bredstedt-Husumer Geest rund fünf Kilometer südöstlich von Bredstedt. Auf 17,70 Quadratkilometern leben 1.280 Einwohner (Stand Ende 2025).
Im Gemeindegebiet liegt der bedeutendste voreiszeitliche Fundplatz Schleswig-Holsteins. Neandertaler ließen hier vor etwa 120.000 Jahren Feuersteingeräte zurück, darunter einen Faustkeil. Trifft die Zuordnung zu, wäre es die nördlichste bekannte Siedlungsspur dieser Menschen. Jüngere Funde reichen von der Mittelsteinzeit über Megalithgräber und Flintdolche bis zu Grabhügeln und Urnen der Bronzezeit. Ursache dieser langen Siedlungsfolge dürfte die Lage am westlichen Ochsenweg sein, dessen Reste westlich des Dorfes erhalten sind.
Aquis submersus
Am westlichen Dorfrand steht die romanische Kirche Sankt Marien und Sankt Johannes aus dem 12. Jahrhundert. Sie ist reicher ausgestattet als die meisten Dorfkirchen der Gegend. Ein vierteiliges Epitaph zeigt die Familie des Predigers Georg Bonnix, darunter den Sohn Heinrich, der 1656 als Zehnjähriger ertrank. Die Inschrift aquis incuria servi submersus, durch die Unachtsamkeit eines Knechtes ertrunken, gab Theodor Storm den Stoff für die Novelle Aquis submersus von 1876. Storm verlegte die Handlung nach Hattstedt und machte aus der Schuld des Knechtes die Schuld des Vaters.
Neben der Kirche liegt das reetgedeckte Pastorat von 1847. Ebenfalls am Westrand steht der Drelsdörper Krog von 1909, der auf einem älteren Krughaus am Ochsenweg fußt; ein geschnitztes weißes Pferd im Giebel erinnert an den Pferdehandel seines Gründers. Schon der Bredstedter Landvogt Christian Levsen hatte den Vorgängerbau im frühen 19. Jahrhundert als Muster eines Wirtshauses auf dem Lande gerühmt. Die Gemeinde kaufte das Haus 1992 und baute es für Vereine und Gäste um. Das Drelsdorfer Armenhaus, in dem zeitweise bis zu 19 Menschen auf knapp 80 Quadratmetern lebten, wurde 2003 im Freilichtmuseum Molfsee nachgebaut.
Mühlen, Meierei und Bahn
Zwei Holländermühlen standen im Dorf. Die erste von 1783 brannte 1829 ab; ihr Nachfolger mahlte bis 1947 mit Wind, dann elektrisch, und dient seit 1979 als Wohnhaus. Die zweite Mühle entstand 1869, brannte 1891 ab und wurde ersetzt, verlor aber 1961 Kappe und Flügel. 1888 gründeten die Drelsdorfer eine Meiereigenossenschaft, die 1990 mit der Viöler Meierei zusammenging. Von 1926 bis 1942 hatte das Dorf einen Bahnhof an der Strecke von Bredstedt nach Löwenstedt; die Gleise wurden noch im Krieg abgebaut und in der Ukraine weiterverwendet.
Westlich des Dorfes liegt das kleine Naturschutzgebiet Eichkratt Schirlbusch: Heideflächen und niedriger Eichenwald auf armen Sandböden, dazu windgeschorene Wacholder. Jahrhundertelang diente der Kratt als Weide, das abgetragene Heidekraut als Einstreu im Stall. Im Drelsdorfer Forst verlaufen Rad-, Wander- und Reitwege entlang der Ostenau. Traditionell wurde im Dorf Mittelgoesharder Friesisch gesprochen, doch ist die Sprache hier heute vom Aussterben bedroht.
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Zu den Angaben
Einwohnerzahl und Fläche stammen aus dem Gemeindeverzeichnis des Statistischen Bundesamtes, Stichtag 31. Dezember 2025. Zum Bahnhof gibt es abweichende Jahre: die frühere Nordfriesland-Datenbank nennt 1928 bis 1943, die Wikipedia 1926 bis 1942. Der Punkt auf der Karte stammt aus OpenStreetMap und zeigt die ungefähre Lage, nicht die Grenzen.