Theodor Storm
Theodor Storm, geboren 1817 in Husum, gestorben 1888 in Hademarschen, war Schriftsteller und Jurist.
Storm kam als erstes Kind eines Justizrats und einer Patriziertochter in Husum zur Welt und wuchs in wohlhabenden Verhältnissen auf. Nach der Husumer Gelehrtenschule schickte ihn der Vater für drei Semester an das Katharineum nach Lübeck, wo er die zeitgenössische Literatur kennenlernte. Jura studierte er in Kiel und Berlin. Aus der Kieler Zeit stammt die Freundschaft mit Theodor Mommsen und dessen Bruder Tycho, mit denen er schleswig-holsteinische Lieder, Märchen und Sagen sammelte. 1843 erschien das gemeinsame Liederbuch dreier Freunde, von dessen 121 Gedichten 44 von Storm stammen.
Advokat, Exil, Landvogt
1843 verließ er die Kanzlei seines Vaters und eröffnete in der Großstraße eine eigene Praxis. Weil ein Jurist im Herzogtum Schleswig Dänisch beherrschen musste, frischte er seine Schulkenntnisse auf und legte in Schleswig bei Niels Nikolaus Falck eine Prüfung ab. Im selben Jahr gründete er mit dem Singverein den ersten gemischten Chor der Stadt, in dem seine Mutter mitsang und seine Schwester am Klavier begleitete. In der Erhebung von 1848 stellte er sich gegen die dänische Herrschaft, gehörte zu den Gründern des Patriotischen Hülfsvereins und schrieb für die Schleswig-Holsteinische Zeitung, deren Redakteur in Rendsburg sein Freund Mommsen war.
1849 unterzeichnete er eine Petition, die dem dänischen König die Herzogswürde absprach. Die dänischen Behörden hielten ihm daraufhin eine separatistische Haltung vor und verlängerten seine Zulassung als Rechtsanwalt nicht. Es folgten Jahre außerhalb der Heimat: 1853 ging er an das Kreisgericht Potsdam, 1856 nach Heiligenstadt im Eichsfeld. Erst 1864 kehrte er in seine Heimatstadt zurück und übernahm dort das Landvogtamt. Husum verließ er 1880, die letzten Jahre lebte er in Hademarschen.
Nordfriesland im Werk
Mit seiner Lyrik und Prosa zählt Storm zu den wichtigsten Autoren des Poetischen Realismus. Er selbst sah sich zuerst als Lyriker und erkannte in den Gedichten den Ursprung seiner Erzählungen, wobei das eigene Erlebnis die Grundlage bildete. Für Husum prägte er den Ausdruck "graue Stadt am Meer", der die Stadt weit über Schleswig hinaus bekannt machte. Viele seiner Verse und Novellen nehmen den Adel aufs Korn und rügen die Hierarchie der Beamten wie die Verbindung von weltlicher und geistlicher Macht.
Den Stoff seiner letzten Erzählung kannte er seit der Kindheit. Die Bäckerstochter Lena Wies erzählte ihm, wie er 1873 in einem Gedenkblatt schrieb, "die Sage von dem gespenstischen Schimmelreiter, der bei Sturmfluten nachts auf den Deichen gesehen" worden sei. Geschrieben hat er Der Schimmelreiter erst zwischen Juli 1886 und Februar 1888 in Hademarschen. Weitere Anregungen zu nordfriesischen Sagen bekam er von Christian Peter Hansen, der ihm auf seine Bitte Aufzeichnungen aus Sylt schickte.
Zu den Angaben
Die Lebensdaten folgen der Wikipedia und der früheren Nordfriesland-Datenbank. Der volle Name lautet Hans Theodor Woldsen Storm. Seine Kanzlei führte er unter dem Namen Woldsen-Storm. Diese Seite ist neu geschrieben und übernimmt keine Formulierungen aus der alten Datenbank.