Friedrichstadt
Friedrichstadt ist eine Gemeinde im Kreis Nordfriesland, an der Mündung der Treene in die Eider. Auf 4,02 Quadratkilometern leben 2.527 Einwohner (Stand Ende 2025).
Die Stadt entstand auf dem Reißbrett. Herzog Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf wollte sein kleines Territorium zum Mittelpunkt einer Handelslinie von Spanien über Russland nach Ostindien machen und brauchte dafür einen Hafen an der Nordsee. 1620 erließ er zwei Oktroys, die niederländischen Remonstranten Land, Religionsfreiheit, wirtschaftliche Vorrechte und Niederländisch als Amtssprache zusicherten. Am 24. September 1621 begann der erste Hausbau. Vorbild der Verwaltung waren Amsterdam und Leiden, Vorbild des Vorgehens Glückstadt, das Christian IV. vier Jahre zuvor gegründet hatte.
Bewohnbar war die Fläche in der Marsch erst seit 1573, nachdem Adolf von Schleswig-Holstein-Gottorf die Treene hatte durchdämmen lassen. Bis 1625 stand die südliche Stadthälfte mit dem Marktplatz. Zwei Sielzüge verbinden Treene und Eider und machen die Altstadt zu einer künstlichen Insel; Mittelburggraben und Fürstenburggraben queren sie als Grachten. Stemmtore an deren oberen Enden schützen die Altstadt gegen Hochwasser aus dem Binnenland. Seit den 1960er Jahren trennt ein Deich mit Schleuse und Sielen die Stadt von der Eider, auf der alten Deichlinie verläuft die Bundesstraße 202.
Stadt der Toleranz
Der wirtschaftliche Aufschwung blieb aus. Der Dreißigjährige Krieg traf die junge Siedlung, und seit 1630 durften die Remonstranten ihren Glauben auch in der Heimat ausüben, weshalb viele zurückkehrten. Das zugesagte Münzprivileg kam nie, der Name Alte Münze blieb dem Speicher des Kaufmanns Adolph van Wael. Stadtrecht erhielt Friedrichstadt 1633. Bedeutung gewann der Ort stattdessen als Freistatt: zeitweise lebten hier sieben Glaubensgemeinschaften, ab 1675 auch Juden, die nach den Lutheranern die zweitgrößte Gemeinde bildeten.
Die nationalsozialistische Verfolgung beendete diese Geschichte. Die meisten jüdischen Friedrichstädter wurden in Konzentrationslagern ermordet, eine jüdische Gemeinde besteht nicht mehr. Zwei Friedhöfe und die frühere Synagoge, die nördlichste in Deutschland, dienen als Gedenk- und Kulturort. Von Remonstranten und Mennoniten sind kleine Gemeinschaften geblieben; in der Remonstrantenkirche hält ein niederländischer Pastor monatlich Gottesdienst, das Vaterunser wird dort weiterhin auf Niederländisch gebetet. Fünf Gotteshäuser verteilen sich über die Stadt.
Giebel, Krieg und Kreiswechsel
Im Herbst 1850 versuchten schleswig-holsteinische Truppen, die von dänischen Verbänden belegte Stadt zurückzuerobern. Die Bombardierung zwischen dem 29. September und dem 4. Oktober zerstörte 285 Häuser, darunter Rathaus, Remonstrantenkirche und Stadtarchiv; 31 Einwohner und 53 dänische Soldaten kamen ums Leben. Das Stadtbild prägen deshalb überwiegend schlichtere Häuser der Wiederaufbauzeit nach 1850. Erhalten sind die Treppengiebelhäuser an der Westseite des Marktes aus den Jahren zwischen 1625 und 1650, das Grafenhaus von 1622, die Alte Münze von 1626, die 1708 das Bethaus der Mennoniten aufnahm, und die evangelisch-lutherische Kirche von 1643 bis 1649.
1854 brachte die Verlängerung der Bahn nach Tönning einen Anschluss in der Nachbarschaft, 1887 folgte die Marschbahn mit eigenem Bahnhof, 1905 eine Kleinbahn nach Schleswig und 1916 eine Straßenbrücke über die Eider. Ein französischer Gast blieb in Erinnerung: der spätere Bürgerkönig Ludwig Philipp arbeitete 1796 unter falschem Namen als Hauslehrer im Neberhaus. Bei der Kommunalreform 1869 kam die Stadt zum Kreis Schleswig, 1970 wechselte sie in den neuen Kreis Nordfriesland. Östlich schließt sich die Landschaft Stapelholm an, deren Bauernglocke heute vor der Jugendherberge steht.
Gewerbebetriebe wanderten ab, zuletzt 2001 die Eidermühle, weil die Fernstraßen zu weit entfernt liegen. Der Tourismus trägt heute den größten Teil der Wirtschaft. Aus Friedrichstadt stammen die Maler Jürgen Ovens und Benjamin Calau sowie der Natur- und Völkerrechtsprofessor Samuel Rachel.
Zu den Angaben
Einwohnerzahl und Fläche stammen aus dem Gemeindeverzeichnis des Statistischen Bundesamtes, Stichtag 31. Dezember 2025. Der Punkt auf der Karte stammt aus OpenStreetMap und zeigt die ungefähre Lage, nicht die Grenzen.
Quellen
Weiterführende Literatur
- Rachel (1628-1691).