Hindenburgdamm
Der Hindenburgdamm verbindet die Insel Sylt seit 1927 mit dem nordfriesischen Festland. Er trägt nur Eisenbahngleise und gehört zur Marschbahn von Elmshorn nach Westerland.
Sylt war lange schwer zu erreichen. Nach der Gründung des Seebades Westerland im Jahr 1855 wuchs der Druck auf die Verkehrswege. Der Chronist Christian Peter Hansen schlug mehrfach einen Damm zwischen Insel und Festland vor, und der Geologe Ludwig Meyn kam 1876 nach Bohrungen im Watt zu einem positiven Befund. Bis dahin führte der Weg über die Marschbahn nach Tondern und den Hafen Hoyerschleuse, von wo Raddampfer nach Munkmarsch fuhren. Diese Überfahrt hing von der Tide ab, dauerte etwa sechs Stunden und konnte im Winter am Eis scheitern.
Im Osten der Insel, besonders in Archsum und Morsum, stieß das Vorhaben auf Widerstand. Befürchtet wurden Überfremdung und ein Verlust der sylterfriesischen Kultur. 1910 begannen die amtlichen Planungen, 1913 stimmte der preußische Landtag zu, und 1914 liefen Bauvorbereitungen an, die der Erste Weltkrieg unterbrach. Nach dem Krieg kamen Tondern und Hoyerschleuse zu Dänemark, während Sylt nach einer Volksabstimmung bei Deutschland blieb. Deutsche Reisende mussten nun eine Grenze überqueren, was den Bau eines Damms auf deutschem Gebiet dringlich machte.
Vier Jahre Bauzeit
Für den Materialtransport wurde 1922 ein Gleis nach Klanxbüll verlegt, im Mai 1923 begann der Dammbau. Wenige Monate später spülte eine Sturmflut das Geschaffene fort. Daraufhin verlegte man die Trasse weiter nach Norden und sicherte den Baufortschritt mit Spundwänden, zwischen denen ein Spülfeld entstand. Die Bauleitung lag beim Preußischen Wasserneubauamt Dammbau Sylt in Husum unter dem Ingenieur Hans Pfeiffer, ausgeführt wurde die Arbeit von zwei Firmen, eine vom Festland und eine von der Insel her.
Bis zu 1.500 Arbeiter waren in Tag- und Nachtschichten beschäftigt. Vom Festland rollte täglich ein Materialzug mit 70 Wagen heran, auf der Sylter Seite brachten Segler, Schlepper und Schuten Baustoffe aus Husum. Bewegt wurden mehr als drei Millionen Kubikmeter Sand und Klei, dazu Steine, Busch und Pfähle. Vier Wattstromtiefen mussten überwunden werden: Westerley, Sylter Ley, Holländerloch und Osterley. Den Querschnitt gab man dem Bauwerk wie einem zweiseitigen Seedeich, mit 50 Metern Fußbreite und einer Höhe von etwa zehn Metern.
Streit um den Namen
Am 1. Juni 1927 fuhr Reichspräsident Paul von Hindenburg im Eröffnungszug von Klanxbüll nach Westerland. Beim Frühstück im Kurhaus taufte Reichsbahn-Generaldirektor Julius Dorpmüller das Bauwerk auf dessen Namen. Nach 1945 geriet die Benennung in die Kritik, weil Hindenburg als Wegbereiter Hitlers gilt. Vorschläge wie Sylt-Damm, Friedens-Damm oder Nordfriesland-Damm setzten sich nicht durch, 2002 forderten friesische Initiativen zum 75. Jahrestag eine Umbenennung. Die Deutsche Bahn will die alte Bezeichnung seit 2022 nicht mehr verwenden und bewirbt den Damm zum hundertsten Jahrestag als Syltdamm.
Autozug und Wattenmeer
Kraftfahrzeuge gelangen seit 1932 per Bahn auf die Insel, zunächst nur als Wagenladung. Reisende durften ab 1950 in ihren Wagen bleiben, ab 1951 fuhren eigene Autotransportzüge, und 1961 kamen Doppelstockwagen in Betrieb. Ein Betriebsbahnhof mitten auf dem Damm erhöhte ab 1955 die Zugfolge, seit 1972 liegen zwei durchgehende Gleise. Heute verkehren Autozüge, Intercity- und Regionalzüge über die Strecke.
Dem Gezeitenstrom zwischen Festland und Insel setzt das Bauwerk ein Hindernis entgegen, seither steigen die Hochwasserstände im Sylter Watt. Mehrfach wurde angeregt, Schleusen oder ein Gezeitenkraftwerk einzubauen, doch ist der Tidenhub für einen rentablen Betrieb zu gering. Als mitverantwortlich gilt der Damm auch für den Landverlust an der Hörnum Odde. Die Verschlickung des Watts ermöglichte dagegen 1954 die Eindeichung des Friedrich-Wilhelm-Lübke-Kooges, wodurch nur noch 8,1 Kilometer des Damms im Wattenmeer liegen. Der Damm selbst liegt in der Zone I des Nationalparks, die niemand betreten darf.
Verwandte Einträge
Zu den Angaben
Länge, Kronenbreite und Eröffnungsdatum in der Infobox stehen nach der Wikipedia. Die frühere Nordfriesland-Datenbank gibt die Länge mit 11,2 Kilometern an und nennt für den Damm 25 Millionen Reichsmark, die Wikipedia 18,5 Millionen für den Damm und 25 Millionen für das Gesamtprojekt samt Zufahrten. Für diese Seite gibt es keinen einzelnen Kartenpunkt, weil sie ein größeres Gebiet beschreibt.
Quellen
Weiterführende Literatur
- Bock 1989, Boie 1930, Eckert/Stöver 1977, Hubertus Jessel 1996b, Steensen 1996a, Voigt 1977, Wedemeyer 1985.