List
List ist eine Gemeinde im Kreis Nordfriesland, am Nordende von Sylt, rund fünfzehn Kilometer von Westerland entfernt. Auf 18,42 Quadratkilometern leben 1.595 Einwohner (Stand Ende 2025).
List ist die nördlichste Gemeinde Deutschlands. Der Name geht auf das mittelniederdeutsche liste für Leiste, Streifen oder Kante zurück. Urkundlich greifbar wird der Ort 1292, als das Listland mit seinem Vorland in den Besitz der Stadt Ripen kam. Es blieb bis 1864 dänisches Staatsgebiet und fiel dann an Preußen und Österreich. Seit 2004 gehört die Gemeinde zum Amt Landschaft Sylt, zu ihr zählen die Ortsteile Westerheide, Süderheidetal und Mellhörn.
Eine erste Besiedlung dürfte in die Wikingerzeit fallen, worauf ein Münzfund mit Danegeld hindeutet. Die Sturmflut von 1362 zerstörte das alte Kirchspiel List. Ein letztes Lebenszeichen stammt vom Beginn des 15. Jahrhunderts, als in Norder-List eine Kirche auf Sankt Jürgen geweiht wurde; wahrscheinlich ging sie in der Allerheiligenflut von 1436 unter. Reste von Alt-List, das nach der Zerstörung unter Wanderdünen verschwand, kamen 1905 und 1929 im Mannemorsumtal westlich des Ortes zum Vorschein. Um 1550 entstand auf Melhörn eine Nachfolgesiedlung.
Austern, Bahn und Militär
Vom 16. Jahrhundert an lebten die Lister von Austernfischerei, Schafzucht und dem Handel mit Möweneiern. Im Königshafen vor dem Ort lieferten sich die Dänen gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges eine Seeschlacht mit Schweden und Niederländern. 1863 errichtete der dänische Staat eine Schule mit Kirchsaal. Als 1908 die Inselbahn den Ort erreichte, bestand er aus dreizehn Häusern mit rund siebzig Menschen. Zwei Jahre später zog die Staatlich Preußische Austernanlage von Husum hierher, und in der Blidselbucht liegt heute der einzige Austernkulturbetrieb Deutschlands.
Mit dem Ersten Weltkrieg wurde der strategisch wichtige Ort Militärstützpunkt mit Seefliegerhorst. 1924 erhielt die hiesige Außenstelle der Biologischen Anstalt Helgoland eine Wattenmeerstation. Zwischen 1933 und 1939 baute die Wehrmacht List erneut aus, die Einwohnerzahl stieg von 449 auf knapp 3.000, ohne die Soldaten gerechnet. Dafür entstanden eine neue Schule und die Sankt-Jürgen-Kirche. Nach Kriegsende nahm der Ort rund 2.000 Flüchtlinge und Vertriebene auf, darunter etwa fünfzehn Familien von der evakuierten Insel Helgoland.
Der 30 mal 106 Meter große Hangar des Seefliegerhorstes wurde abgebaut und 1951 in Kiel als Ostseehalle wieder aufgerichtet. Mit der Gründung der Bundeswehr kehrte 1955 das Militär zurück, die Marineversorgungsschule schloss nach einem Beschluss von 2001 im Jahr 2007. Seebad ist List seit 1946, und seit 1963 verkehren vom Hafen Autofähren nach Röm, eine Alternative zum Weg über den Hindenburgdamm. Das Haus des Kurgastes von 1977 wich im Jahr 2000 einem Hotelneubau, in den Dünengebieten vor der Blidselbucht entstand 1961 die Feriensiedlung Sonnenland.
Die beiden Kirchen sind jung: die denkmalgeschützte protestantische Sankt-Jürgen-Kirche wurde 1935 als Garnisonskirche gebaut, die katholische Sankt Raphael stammt von 1988. Der Friedhof liegt außerhalb des Ortes in den Dünen, auffallend sind dort die vielen Gräber von Helgoländern, die nach der Zwangsevakuierung ihrer Insel auf Sylt blieben. Westlich des Ortes wandert die Sylter Sahara jährlich mehrere Meter nach Osten. Im Königshafen liegt die Vogelinsel Uthörn.
Verwandte Einträge
Zu den Angaben
Einwohnerzahl und Fläche stammen aus dem Gemeindeverzeichnis des Statistischen Bundesamtes, Stichtag 31. Dezember 2025. Der Punkt auf der Karte stammt aus OpenStreetMap und zeigt die ungefähre Lage, nicht die Grenzen.
Quellen
Weiterführende Literatur
- Dannenberg 1996, Jürgs/Trost 1978, Leonhardt 1980, Panten 2001e u. 2002b, Rinken 1992, Syltbild Stöver 1992.