Morsumkliff

Das Morsumkliff ist eine Steilküste im Osten der Insel Sylt, etwa zwischen dem Hindenburgdamm und dem Ort Morsum. Es steht unter Naturschutz und gilt als nationaler Geotop.

Das Besondere an dieser Steilküste liegt in ihrem Aufbau. Gletscher der Saale-Kaltzeit stauchten die hier lagernden Schichten auf und stellten sie schräg, sodass sie heute nebeneinander statt übereinander zutage treten. Das Kliff gliedert sich in vier Schollen mit ähnlichem Aufbau. Von West nach Ost folgen Glimmerton, Glimmerfeinsand, Limonitsandstein, pliozäner Feinsand und Kaolinsand aufeinander. Zusammen decken sie sieben bis acht Millionen Jahre Erdgeschichte ab.

Geschirr der Unterirdischen

Der braunrote Limonitsandstein enthält merkwürdig geformte Verkrustungen. Auf Sylter Friesisch heißen sie Önereerskenpottjüch, das Geschirr der Unterirdischen, und sie haben mehrere Sagen angeregt. Im Glimmerton stecken Fossilien wie Schnecken, Muscheln und Krebsreste. Der weiße Kaolinsand kam über skandinavische Flüsse hierher und führt versteinerte Kieselschwämme, Korallen und Seelilien mit.

Vom Bergwerk zum Naturschutzgebiet

Der Geologe Ludwig Meyn (1820 bis 1878) plante in den 1870er Jahren ein Bergwerk an der Steilkante und auf der Heide von Morsum, doch der Boden enthielt zu wenig Eisen. Im Dritten Reich galt das Interesse erneut dem Sylter Eisenerz, in den 1950er Jahren seltenen Rohstoffen wie Titanerzen. Ernster war der Plan, Erde des Kliffs für den Bau des Hindenburgdamms abzutragen. Private Initiativen verhinderten das und erreichten 1923 die Unterschutzstellung, gemeinsam mit dem Listland die erste in Schleswig-Holstein. Aus dem damaligen Verein ging 1977 die Naturschutzgemeinschaft Sylt hervor, die das Gebiet heute betreut.

Im Schutzgebiet leben Erd- und Kreuzkröten, dazu brüten Uferschwalben, Feldlerchen, Wiesenpieper und Steinschmätzer. Unter den Pflanzen finden sich Sonnentau, Geflecktes Knabenkraut und Lungenenzian. Das weiche Gestein ist durch Erosion gefährdet, Betreten und Klettern in der Kliffwand verschärfen den Verlust. Auf der angrenzenden Heide liegt das größte zusammenhängende Hünengräberfeld Deutschlands, darunter die bronzezeitlichen Grabhügel Munkhoog und Markmannhoog.

Verwandte Einträge

Zu den Angaben

Zum Alter der Schichten weichen die Quellen ab: die frühere Nordfriesland-Datenbank nennt fünf bis sieben Millionen Jahre für den Glimmerton, die Wikipedia neun bis elf Millionen. Länge und Größe des Schutzgebiets folgen hier der Wikipedia. Für diese Seite gibt es keinen einzelnen Kartenpunkt, weil sie ein größeres Gebiet beschreibt.

Quellen

  1. Nordfriisk Instituut: Nordfriesland-Datenbank, Eintrag Morsumkliff (Archivfassung 2010)
  2. Wikipedia: Morsum-Kliff

Weiterführende Literatur

  • Hans Jessel 1996d, Kruse 1987, Naturschutzgemeinschaft o. J., Reichstein (Exkursion), Schwarzer 1984, Tegtmeier 1994, Wedemeyer 1985.