Heide

Heide ist eine baumarme Fläche aus Zwergsträuchern auf sandigem Boden, die über Jahrhunderte die östliche Geest Nordfrieslands bedeckte.

Neben der Besenheide wachsen auf solchen Flächen Ginster, Krähenbeere, Wacholder und Glockenheide, dazu Binsen, Simsen und Pfeifengras. Entstanden ist das offene Land fast überall durch den Menschen: Wo der Wald gerodet und der Boden über Generationen ausgelaugt wurde, setzten sich die anspruchslosen Zwergsträucher durch. Ohne Pflege kehrt der Wald zurück, denn das feuchte Klima Mitteleuropas lässt von Natur aus Bäume wachsen. Nur in den Dünen der Küste ist die Heide der Endzustand der pflanzlichen Entwicklung.

Weide, Plaggen und Kolonisten

Die Dorfbewohner nutzten die Heide als Allmende, also als gemeinsames Weideland für Schafe und Heidschnucken. Wer Brennmaterial oder Stallstreu brauchte, stach die oberste Schicht samt Wurzeln als Plaggen ab und entzog dem Boden damit den letzten Nährstoff. Im 18. Jahrhundert begannen Versuche, Heiden und Moore zu kultivieren, um Siedler etwa aus Süddeutschland anzuwerben. In der Kolkerheide bei Joldelund entstanden dafür auf der Christianshöhe fünf Siedlungsstellen, der Erfolg blieb jedoch gering.

Gewendet hat das Bild erst der Kunstdünger, mit dem die Ernten auf dem Acker plötzlich weit höher ausfielen. Gleichzeitig wurde in großem Umfang aufgeforstet. Als vorbildlich galten die Genossenschaftsforsten Bohmstedt und Langenhorn, die Forstdirektor Carl Emeis zwischen 1875 und 1900 betreute. Nach demselben Verfahren entstanden bei Süderlügum, bei Leck und bei Drelsdorf mehrere hundert Hektar Nadelholz, die als Windschutz dienten. Damit war auch das Vorurteil erledigt, in der salzhaltigen Nordseeluft könne kein Wald gedeihen.

Was erhalten ist

Von den Heideflächen der Geest blieb weniger als ein Prozent, und Namen wie Kolkerheide, Loheide, Engerheide oder Drachheide erinnern an den Rest. Die verbliebenen Heiden Schleswig-Holsteins stehen unter Naturschutz, und etwa die Hälfte liegt auf Sylt. Gezählt wurden dort über 2.000 Tier- und rund 150 Pflanzenarten, darunter fast 600 Schmetterlingsarten. Bei Braderup und oberhalb des Morsum-Kliffs hat sich die ursprüngliche subatlantische Küstenheide gehalten, ansonsten überwiegt die Krähenbeere. In vermoorten Senken wachsen Glockenheide, Rauschbeere, Rasensimse und Sparrige Binse, im feuchten Morast zwischen Schilf auch Sonnentau und Lungenenzian.

Erhalten bleibt das alles nur mit Arbeit. Jäger und Mitarbeiter der Naturschutzgemeinschaft schneiden vor allem Birkenschößlinge heraus, bevor die Fläche verbuscht. Seit dem Jahr 2000 weidet zur Pflege die Herde eines Landwirts aus Keitum auf den Flächen, zusammengesetzt aus Heid- und Moorschnucken. Auch das gezielte Abbrennen einzelner Flächen war als Verfahren im Gespräch.

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Zu den Angaben

Die Flächenangaben stammen aus der früheren Nordfriesland-Datenbank und beschreiben den Stand vor 2019. Dieser Eintrag ist neu geschrieben und übernimmt keine Formulierungen aus der früheren Nordfriesland-Datenbank.

Quellen

  1. Nordfriisk Instituut: Nordfriesland-Datenbank, Eintrag Heide (Archivfassung 2010)
  2. Wikipedia: Heide (Landschaft)

Weiterführende Literatur

  • Walter Hase: Die Forsten des ehemaligen Provinzialverbandes Schleswig-Holstein und ihr Begründer Forstdirektor Carl Emeis. In: Jahrbuch für die Schleswigsche Geest 24 (1976), S. 102-114.