Nebel

Nebel ist eine Gemeinde im Kreis Nordfriesland, in der Mitte von Amrum, vom Watt bis zum Kniepsand. Auf 11,95 Quadratkilometern leben 883 Einwohner (Stand Ende 2025).

Nebel ist das jüngste der drei alten Inseldörfer. Es entstand in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts, und zwar um die St.-Clemens-Kirche, die zuvor zwei Jahrhunderte lang allein auf freiem Feld zwischen Norddorf und Süddorf gestanden hatte. Der Name dürfte auf nei für neu und das altdänische boli für Siedlung zurückgehen, wie bei Niebüll und Nieblum. Das Gemeindegebiet reicht über die gesamte Inselbreite, vom Wattenmeer bis an den Kniepsand, einen der Nordfriesischen Außensände.

St. Clemens

Die Kirche wurde 1236 erbaut und 1240 erstmals urkundlich erwähnt. Der romanische, einschiffige Bau trägt ein Reetdach und blieb lange ohne Turm; der 36 Meter hohe, kupfergedeckte Turm kam erst 1908 hinzu. Im Inneren stehen eine frühgotische hölzerne Apostelgruppe, das himmlische Abendmahl, und ein kelchförmiger Taufstein aus romanischer Zeit, dessen Becken aus Granit und dessen Fuß aus Muschelkalk besteht. Auf dem Friedhof davor stehen Grabsteine aus der Zeit von 1670 bis 1830, viele mit Schiffsbildern und kurzen Lebensbeschreibungen. Die Kirchengemeinde besitzt außerdem ein Exemplar des 1486 gedruckten Missale Slesvicense, von dem nur vier Stücke erhalten sind.

Mühle und Friedhof der Heimatlosen

Die Amrumer Windmühle baute der Müller Erk Knudten 1771 in Nebel. Der Erdholländer mahlte bis 1962 und beherbergt heute ein Heimatmuseum. An die Mühle knüpft ein Brauch der Insel an: Normal stehen ihre Flügel diagonal, bei einem Todesfall werden sie bis zur Stunde nach der Beisetzung senkrecht und waagerecht gestellt, die Mühle steht dann im Kreuz. Gegenüber liegt der Friedhof der Heimatlosen, 1905 angelegt für nicht mehr zu identifizierende Wasserleichen. Schlichte Holzkreuze tragen nur das Funddatum, das letzte Grab stammt von 1969.

Süddorf, Steenodde und die Satteldüne

Süddorf wurde 1464 erstmals urkundlich genannt und gilt damit zusammen mit Norddorf als ältestes Dorf der Insel. Von dort stammte der Seefahrer Hark Olufs (1708 bis 1754). Die kleinere der beiden Amrumer Windmühlen, ursprünglich 1775 erbaut, wurde 1882 nach Süddorf versetzt, 1893 zur Holländermühle umgebaut und stand bis 1939 in Betrieb; heute dient sie als Wohnhaus. Nach Osten zieht sich das besterhaltene Stück des Krümwals hin, eines rund 1800 Meter langen Erdwalls, dessen Zweck und Alter unbekannt sind. Südlich des Ortsteils steht seit 1875 der Amrumer Leuchtturm auf einer 27 Meter hohen Düne; seine Feuerhöhe von 63 Metern wird an der deutschen Nordseeküste nur von Helgoland übertroffen.

Steenodde liegt unmittelbar am Wattenmeer und war früher Fährhafen für die Verbindung zu den Halligen und nach Schlüttsiel. Heute nutzen kleine Frachtschiffe und Sportboote die befahrbare Mole. In der Umgebung häufen sich Hünen- und Hügelgräber, dazu kommt der Steenodder Dolmen. Das älteste erhaltene Haus Amrums steht ebenfalls hier: die frühere Gastwirtschaft Lustiger Seehund von 1721.

Eine Insel, drei Gemeinden

Bis 1864 bildeten Amrum und Westerland Föhr eine gemeinsame Harde, die nicht zum Herzogtum Schleswig, sondern unmittelbar zum Königreich Dänemark gehörte. Nebel war Hauptort des Kirchspiels, das die ganze Insel umfasste. Unter preußischer Verwaltung entstand 1871 eine einzige Gemeinde Amrum; 1912 löste sich Wittdün, 1925 Norddorf heraus, und die Restgemeinde nannte sich 1926 in Nebel um. Bis Ende 2006 saß hier auch die Verwaltung des Amtes Amrum.

Der Fremdenverkehr setzte spät ein. 1890 entstand zwischen Nebel und Süddorf das Kurhaus Satteldüne, das seit 1923 als Kinderheilstätte und später als Fachklinik arbeitet und heute der größte Arbeitgeber der Insel ist. Ein Sanatorium von 1905 nahe der Kirche dient inzwischen der Kurverwaltung, eine Konzession zur Strandbenutzung erhielt die Gemeinde erst 1938. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Heide westlich des Dorfes billiges Bauland, dort wuchs das Wohngebiet Westerheide. Sehenswert ist das um 1683 errichtete Öömrang Hüs, ein weitgehend original erhaltenes uthlandfriesisches Haus.

Zu den Angaben

Einwohnerzahl und Fläche stammen aus dem Gemeindeverzeichnis des Statistischen Bundesamtes, Stichtag 31. Dezember 2025. Der Punkt auf der Karte stammt aus OpenStreetMap und zeigt die ungefähre Lage, nicht die Grenzen.

Quellen

  1. Wikipedia: Nebel (Amrum)
  2. Statistisches Bundesamt: Gemeindeverzeichnis, Gebietsstand 31.12.2025, Datenlizenz Deutschland Namensnennung 2.0
  3. Lage: © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL