Niebüll

Friesisch: Naibel

Niebüll ist eine Gemeinde im Kreis Nordfriesland, in der nordfriesischen Marsch, etwa 13 Kilometer südlich der dänischen Grenze. Auf 30,63 Quadratkilometern leben 10.122 Einwohner (Stand Ende 2025).

Der Name bedeutet neue Siedlung. Zwei Kirchspiele lagen im 14. Jahrhundert auf dem heutigen Stadtgebiet, Deezbüll mit seiner Apostelkirche und Langsumtoft. Die Zweite Marcellusflut von 1362 beschädigte Langsumtoft so schwer, dass der Ort kurz nach 1400 aufgegeben wurde. Seine Bewohner siedelten sich dort an, wo heute die Christuskirche steht. Urkundlich erscheint Nigebul erstmals im 15. Jahrhundert, gemeinsam mit Deezbüll.

Der Siedlungsplatz liegt auf dem Risummoor, einer alten Sanderinsel über einem Geestkern, die sich rund zwei Meter über die umliegende Marsch erhebt. Bedeicht wurde sie 1580. Mit der Eindeichung des Gotteskooges verlor das Dorf 1566 seinen Hafen. Am Westrand der Siedlung liegt eine Wehle, also ein bei einem Deichbruch ausgespültes Loch, das um 1600 entstand und heute als Naturbad dient. Verwaltet wurde der Ort bis 1864 von der Bökingharde im Amt Tondern.

Christuskirche und Kriegsjahre

Die Burchardiflut von 1634 kostete hier 50 Menschen das Leben. Während des Dreißigjährigen Krieges lagen kaiserliche Truppen in Stellungen bei Deezbülleck, bis Dänen sie 1629 vertrieben. 1643 besetzten Schweden das Land. Noch schwerer trafen die Bevölkerung der Dänisch-Schwedische Krieg und die Kämpfe des Großen Nordischen Krieges.

Trotz Kriegen und Missernten entstand 1729 die Christuskirche. Zu ihrer Ausstattung gehört ein spätbarocker Altar, dazu eine Granittaufe aus romanischer Zeit, eine Kreuzgruppe des späten 15. Jahrhunderts, eine Kanzel der Zeit um 1630 und ein Opferstock von 1693.

Knoten der Marschbahn

Erst der Anschluss an die Marschbahn brachte 1887 eine sichtbare Entwicklung, mit ihr kamen Kaufleute in den Ort. 1895 erhielt Niebüll die Zweigstrecke nach Dagebüll, nicht der etwas südlich gelegene Bahnknoten Lindholm. Der Hindenburgdamm von 1927 verstärkte den städtischen Charakter weiter. Heute wird hier der Autozug nach Sylt beladen, und vom Bahnhof fahren Züge nach Tønder und Dagebüll, wo die Fähren nach Föhr und Amrum ablegen.

Nach der Abtretung des nördlichen Kreises Tondern an Dänemark wurde Niebüll 1920 Hauptort des neuen Kreises Südtondern. Deezbüll kam 1950 hinzu, das Stadtrecht 1960. Mit der Bildung des Kreises Nordfriesland verlor die Stadt 1970 den Status der Kreisstadt, seit 2008 ist sie Sitz des Amtes Südtondern. Im alten Rathaus zeigt das Richard-Haizmann-Museum moderne Kunst, dazu kommen ein Naturkundemuseum und ein Friesenhaus als Freilichtmuseum. Aus Niebüll stammen die Maler Carl Ludwig Jessen und Benedikt Momme Nissen.

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Zu den Angaben

Einwohnerzahl und Fläche stammen aus dem Gemeindeverzeichnis des Statistischen Bundesamtes, Stichtag 31. Dezember 2025. Zur ersten urkundlichen Nennung gibt es zwei Angaben: die frühere Nordfriesland-Datenbank nennt 1462, die Wikipedia das Zinsbuch des Schleswiger Bischofs von 1436. Beide Jahre liegen im 15. Jahrhundert. Der Punkt auf der Karte stammt aus OpenStreetMap und zeigt die ungefähre Lage, nicht die Grenzen.

Quellen

  1. Nordfriisk Instituut: Nordfriesland-Datenbank, Eintrag Niebüll (Archivfassung 2018)
  2. Wikipedia: Niebüll
  3. Statistisches Bundesamt: Gemeindeverzeichnis, Gebietsstand 31.12.2025, Datenlizenz Deutschland Namensnennung 2.0
  4. Lage: © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL

Weiterführende Literatur

  • Niebüll. Junge Stadt mit Tradition. Hrsg. von der Stadt Niebüll 1986.